Formel 1
Super-Fabio mit sauberer Premiere in der Königsklasse

Gestern kletterte Fabio Leimer (22) aus Rothrist ins Sauber-Cockpit. Nach 74 Runden und 410 Kilometern war für den Aargauer Feierabend: mit der viertbesten Zeit. Der Nachwuchs-Pilot war mit seiner Leisterung sehr zufrieden.

MARCO OSWALD
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Fabio Leimer verlässt mit dem Sauber C30 die Box. WRI2

Fabio Leimer verlässt mit dem Sauber C30 die Box. WRI2

Zwei Tage nach dem Sieg von Lewis Hamilton beim Mondscheinrennen in der Wüste von Abu Dhabi gab gestern der Formel-1-Nachwuchs Gas: Bei den Young Driver Tests auf dem 5,554 Kilometer langen Yas Marina Circuit zwischen Abu Dhabi und Dubai sass erstmals nach acht Jahren endlich wieder ein Schweizer in einem Sauber-Cockpit: der Aargauer GP2-Pilot Fabio Leimer (22). Neel Jani war bis gestern der letzte Eidgenosse, der in einem Hinwiler Boliden testen durfte. Der Seeländer hatte am 20. Mai 2003 in Spanien die Ehre.

Die Uhr in der Boxengasse zeigte 8.45 Uhr, als Leimer ins Sauber-Cockpit kletterte. Um Punkt 9 Uhr fuhr der Sieger des GP2-Rennens vom Samstag aus der Box – los gings mit der Installationsrunde. Bis zum Mittag spulte Leimer über 30 Runden ab. Alles lief wie am Schnürchen, der Sauber-Rookie fuhr starke Zeiten. Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter. Bei mittlerweile 34 Grad Hitze und 45 Grad Asphalttemperatur absolvierte der 22-jährige Aargauer bis um 16 Uhr insgesamt 74 Runden. Zur Erinnerung: Der GP von Abu Dhabi am Sonntag ging über 55 Runden (305,355 Kilometer).

Die Knöpfe auswendig gelernt

Nach 410,996 Kilometern war Fabio Leimer geschafft – aber glücklich: «Es war eine tolle Erfahrung. Ich konnte mich kontinuierlich steigern, am Nachmittag ging ich wirklich ans Limit.» Am meisten beeindruckt habe ihn die Kraft des Formel-1-Autos – und das weiche Handling. «Der C30 lag ganz ruhig in den Kurven. Da spürte man kaum, mit wie viel Geschwindigkeit man unterwegs ist.» Und wie war es mit den vielen Knöpfen am Lenkrad? Fabio Leimer lacht: «Die habe ich zuvor auswendig gelernt.» Kein Witz: Nach den beiden Sitzproben in Hinwil durfte der Schweizer GP2-Pilot eine Lenkrad-Replica von Sauber mit nach Hause nehmen. «In Rothrist habe ich dann mit dem Manual die Funktionen gelernt. Dadurch hatte ich beim Test keine Probleme mit den Knöpfen.» Am meisten habe er den Boost- und DRS-Knopf gedrückt. «Diese beiden Knöpfe waren die wichtigsten.» Da habe er jeweils kurz nach unten geschaut und zweimal kontrolliert, ob er den richtigen Knopf erwischt habe.

Mit 1:42,331 stellte der Aargauer gestern die viertbeste Zeit aller 14 Testteilnehmer auf. Eine starke Leistung. Zum Vergleich: Am Samstag holte auf dem gleichen Circuit Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel mit 1:38,481 die Poleposition, er war also knapp vier Sekunden schneller. Eine Ewigkeit, aber nur auf den ersten Blick. Leimer dazu: «Das kann man nicht vergleichen. Zum einen haben wir keine Quali-Runden gedreht, zum anderen bestehen zwischen einem Sauber und einem Red Bull schon noch gewisse Unterschiede.» Zudem standen viele Materialtests auf dem Programm. Es ging also auch darum, bereits Teile für 2012 zu testen.

200000 Franken und trotzdem glücklich

Fabio Leimer war nach seiner Formel-1-Premiere, für welche er rund 200000 Franken hinblättern musste, dennoch glücklich. «Wir konnten wie geplant unser Programm abspulen. Es gab absolut keine Probleme. Der ganze Tag verlief sehr positiv, das Team hat mich toll unterstützt. Ich konnte viel lernen und profitieren. Sauber hat mir eine einmalige Möglichkeit gegeben – und mir ein Top-Auto hingestellt.»

Heute und morgen gibt nun der offizielle Sauber-Ersatzfahrer Esteban Guttièrrez Gas. Leimer bleibt Beobachter und Zuschauer. «Ich werde von der Sauber-Box und entlang der Strecke die Tests weiter mitverfolgen und auch noch die eine oder andere Kurve studieren.» Am Freitagmorgen fliegt der Aargauer dann mit Etihad zurück nach Genf. Dann ist für den GP2-Piloten Saisonschluss, der Urlaub steht vor der Tür. Leimer: «Ich freue mich auf die Ferien. Endlich Zeit, richtig auszuspannen.» Und wo tut er das? «Ich gehe nicht ans Meer. Ich mache mit meiner Freundin Winterurlaub. Irgendwo in den Bergen. Wo, weiss ich noch nicht.»

Abu Dhabi (VAE). Erster Testtag der Jungpiloten: 1. Jean-Eric Vergne (Fr), Red Bull-Renault, 1:40,011 (83 Runden). 2. Jules Bianchi (Fr), Ferrari, 0,949 Sekunden zurück (85). 3. Robert Wickens (Ka), Lotus-Renault, 2,206 (78). 4. Fabio Leimer (Sz), Sauber-Ferrari, 2,320 (74). - 14 Fahrer im Einsatz.

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