Mountainbike
Die Schweizer Plätze für die Olympischen Spiele sind begehrt: Topathleten müssen kämpfen

Welche Schweizer Mountainbiker starten in Tokio? Erstmals erhalten sowohl Frauen, als auch die Männer drei Startplätze. Sie sind umkämpft.

Raphael Gutzwiller
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Einer der Topkandidaten auf das dritte Ticket bei den Männern: Lars Forster.

Einer der Topkandidaten auf das dritte Ticket bei den Männern: Lars Forster.

Claudio Thoma / freshfocus

Die Olympischen Spiele stehen in dieser Saison im Mittelpunkt der Mountainbiker. Aller Voraussicht nach verfügt in Tokio das Schweizer Team erstmals je über drei Quotenplätze – für Männer und Frauen. Der Kampf um diese Plätze ist eröffnet. Selbst Olympiasieger Nino Schurter sagt: «Gesetzt ist niemand.»

Realistisch betrachtet dürften die vier Topcracks Schurter, Mathias Flückiger, Jolanda Neff und Sina Frei an den Olympischen Spielen starten. «Ich plane schon damit, dass ich dabei bin», meint etwa Mathias Flückiger. Das Quartett hat dafür gesorgt, dass die Schweiz im Ranking so gut dasteht, dass ihnen die drei Startplätze pro Geschlecht schon vor dem Stichtag kaum mehr zu nehmen sind.

Lars Forster und der Respekt vor der Enttäuschung

Nino Schurter, Lars Forster, Thomas Litscher und Filippo Colombo (von links).

Nino Schurter, Lars Forster, Thomas Litscher und Filippo Colombo (von links).

Claudio Thoma / Freshfocus

Offen ist es derweil der Kampf um den dritten Startplatz. «Ich werde um meinen Platz in diesem Team kämpfen», verspricht Filippo Colombo. Der Tessiner fordert in der Hierarchie gemeinsam mit Thomas Litscher die eigentliche Nummer 3 Lars Forster. Hätten die Olympischen Spielen planmässig 2020 stattgefunden, wäre Forster die Selektion wohl sicher gewesen. Im September 2019 hatte er zum ersten Mal ein Weltcup-Rennen gewonnen.

Doch im letzten Jahr enttäuschte Forster. «Ich war überhaupt nicht parat in den Weltcup-Rennen», so Forster. Plötzlich droht er seinen Platz zu verlieren. «Wenn ich an den Olympischen Spielen nicht dabei sein dürfte, wäre das sehr schade. Die Enttäuschung wäre gross. Nicht allein deshalb, weil ich den Platz nicht geholt hätte, sondern auch weil ich wohl schlechte Weltcup-Rennen gefahren bin», sagt Forster. Angst vor einem schlechten Abschneiden in den kommenden Rennen hat er derweil nicht. «Wenn ich meine Leistungsdaten sehe, bin ich in guter Form. In den bisherigen kleineren Rennen hatte ich noch Fehler drin, aber wenn ich diese abstelle, ist vieles möglich.» Litscher und Colombo nehmen im Männerteam die Positionen der Herausforderer ein. Auch Andri Frischknecht oder Lukas Flückiger könnten sich mit Exploits noch ins Spiel bringen.

«Wer dabei ist, hat bessere Chancen auf ein Topergebnis»

Welche drei erobern sich ein Ticket für die Olympischen Spielen? Alessandra Keller, Jolanda Neff, Ramona Forchini, Sina Frei und Linda Indergand (von links).

Welche drei erobern sich ein Ticket für die Olympischen Spielen? Alessandra Keller, Jolanda Neff, Ramona Forchini, Sina Frei und Linda Indergand (von links).

Claudio Thoma / Freshfocus

Noch ausgeglichener scheint der Kampf bei den Frauen zu sein. Die Nidwaldnerin Alessandra Keller wurde Anfang Jahr von einer Verletzung ausgebremst, dürfte aber noch immer die Favoritin auf das Olympiaticket sein. Daneben kämpfen mit Nicole Koller, der Marathon-Europameisterin Ramona Forchini und Linda Indergand drei weitere Athletinnen um die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Die Urnerin Linda Indergand sagt zur Konkurrenzsituation im Schweizer Team: «Wir sind alles gute Kolleginnen, von einer Hierarchie ist überhaupt nichts zu spüren. Wir lernen voneinander und pushen uns zu guten Leistungen.» Wer sich das Ticket erobern werde, könne sie nicht einschätzen.

Ist im Training noch besser als im Rennen: Linda Indergand.

Ist im Training noch besser als im Rennen: Linda Indergand.

Claudio Thoma / Freshfocus

Erstaunlich ist auch dieser Fakt: Im Training sind die Stärkeverhältnisse noch enger. «Mir persönlich läuft es in den Trainings deutlich besser als in den Rennen», sagt Indergand. «Deshalb weiss ich, dass noch mehr möglich ist.» Ihr Ziel sei es in die Top 10, aber noch lieber in die Top 5 zu fahren. «Verglichen mit Sina Frei oder Jolanda Neff haben wir in der zweiten Reihe den Vorteil, dass wir nicht im Rampenlicht stehen. Von mir erwartet niemand etwas. Ich kann eine gute Leistung erbringen, die anderen müssen.»

Für Indergand ist derweil klar: Wer sich das dritte Ticket für die Olympischen Spielen holt, hat gute Chancen auf ein gutes Ergebnis. «Automatisch fallen für die Olympischen Spielen von den Top-Nationen einige gute Athletinnen weg. Das eröffnet Möglichkeiten.»

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