Unihockey-WM

Nach der Unihockey-Niederlage gegen Schweden: Uns fehlt das Sport-Gen

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Die Schweizer Unihockey-Frauen erlitten gegen Schweden eine bittere Niederlage im WM-Final. Immer wieder stehen uns die Schweden vor dem sportlichen Glück. Weshalb eigentlich?

Es gibt Momente, da sitzt man vor dem Fernseher und hat Tränen in den Augen. Wie am Sonntagabend. Die Schweizer Unihockeyanerinnen hatten nach einer heldenhaften Abwehrschlacht ihren WM-Final in der Verlängerung gegen die Schwedinnen verloren. Nur wenige Minuten nach dem Ende ihrer Titelträume trat eine nach der anderen vor die TV-Kameras und gab Einblicke in ihr Gefühlsleben. Emotionen pur! Man litt förmlich mit mit diesen Athletinnen, die dem Land an dieser WM mit nie erlahmenden Kampfgeist so viel Freude bereitet hatten. Ihre Aufholjagd im Halbfinal gegen Tschechien, als sie in den letzten 80 Sekunden des Spiels einen Viertore-Rückstand wettmachten, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Das sind die Augenblicke, die den Sport im Allgemeinen und Unihockey im Speziellen so faszinierend machen. Diese unberechenbaren Fügungen des Schicksals. Diese unerklärlichen Wendungen. Kurz: Das ganze Spektrum der Emotionen.

Die Highlights des WM-Finals:

Leider blieb den Schweizerinnen der ganz grosse Triumph, der WM-Titelgewinn im eigenen Land, verwehrt. Wieder einmal hatten die Schweden etwas dagegen, dass sich unser Land in sportlicher Glückseligkeit suhlen darf. Immer diese Schweden! Man mag sich gar nicht mehr an alle Niederlagen erinnern, die man gegen Teams aus dem hohen Norden erlitten hat. Unvergessen bleiben der Eishockey-WM-Final 2018, als man erst im Penaltyschiessen verlor. Oder der Achtelfinal der Fussball-WM 2018, als man den zähen Schweden unterlag. Und natürlich die schier unzähligen Verlustgänge im Unihockey. Zuletzt im Dezember 2018, als die Schweizer Männer im WM-Halbfinal erst im Penaltyschiessen an den schier übermächtigen Schweden scheiterten.

Enttäuschte Schweizer Frauen nach dem WM-Final.

Enttäuschte Schweizer Frauen nach dem WM-Final.

Immer wieder ist man ganz nah dran, die coolen Skandinavier zu Fall zu bringen. Am Ende aber doch nicht nah genug, es dann auch tatsächlich zu vollbringen. Warum das so ist? Letztlich ist es eine Frage des Kopfs. Die Schweden gehen mit einem Selbstverständnis in solche entscheidenden Spiele, die uns Schweizern fehlt. Diese Arroganz hilft, wenn es hart auf hart geht. Zweifel sind dann nicht mehr erlaubt. Es geht nur noch darum, dem Gegner zu zeigen, dass man sich durch nichts aus dem Konzept bringen lässt. Der Frauen-Unihockey-Final war diesbezüglich exemplarisch. Die Schwedinnen hätten allen Grund dazu gehabt, sich durch den späten Ausgleich der Schweizerinnen aus dem Konzept bringen zu lassen. Sie hatten vorher unzählige Chancen vergeben. Ihnen war ein reguläres Tor gestohlen worden. Aber die Skandinavierinnen liessen sich nichts anmerken. Sie blieben cool und erzwangen in der Verlängerung die Entscheidung zu ihren Gunsten.

Johanna Hultgren schiesst Schweden zum Weltmeistertitel

Johanna Hultgren schiesst Schweden zum Weltmeistertitel

Können wir Schweizer auch solche Mentalitätsmonster werden? Dazu wäre vermutlich ein grundsätzliches Umdenken nötig. Um es polemisch auszudrücken: Uns fehlt dieses ausgeprägte Sport-Gen. Sport geniesst in Schweden einen ungleich höheren Stellenwert als bei uns in der Schweiz. Das fängt schon mit der Anerkennung des Berufssportlers an. Wer hierzulande «Profi» ist, der wird gerne mit einer Portion Argwohn betrachtet. Und es hört auf bei der Ausbildung. Schule und Sport gehen in Schweden viel geschmeidiger Hand in Hand. Wer in jungen Jahren in seine sportliche Ausbildung investieren will, muss weniger hohe Hürden überwinden als hierzulande – auch wenn sich die Voraussetzungen bei uns in den letzten Jahren deutlich verbessert haben.

Letztlich helfen solche Niederlagen wie jene der Schweizerinnen gegen Schweden auch dabei, das Bewusstsein zu schärfen, wie viel es braucht, um in einer Sportart – und sei es auch eine im weltweiten Kontext gesehen ausgeprägte Randsportart wie Unihockey – absolute Weltklasse zu verkörpern. Wie heisst es so schön: Jedes schmerzhafte Erlebnis bietet auch eine Chance, es das nächste Mal besser zu machen. Damit das Schweden-Trauma endlich der Vergangenheit angehört.

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