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Nach Schlammschlacht im Radquer sagt Sieger van der Poel: «Das ist wohl eines der schwierigsten Rennen, das ich je gefahren bin»

Die schwierigen Bedingungen machen die Radquer-WM in Dübendorf spektakulär. Genauso wie Star Mathieu van der Poel.

Da tun sich selbst die besten Radquer-Athleten schwer. Der Boden ist schlammig, der Wind pfeift, zu Beginn des Rennens regnet es sogar noch. Einen stört das nicht: Dominator Mathieu van der Poel. «Wenn es um den WM-Titel geht, dann fühle ich mich wie mit Flügeln», sagt er später lachend. Schon nach weniger als fünf Minuten distanzierte der Niederländer die Konkurrenz und feierte einen souveränen Start-Ziel-Sieg.

Sieger Mathieu van der Poel.

Sieger Mathieu van der Poel.

Trotzdem bilanziert selbst er: «Das ist wohl eines der schwierigsten Rennen, das ich je gefahren bin.» Wenn van der Poel so etwas nach seinem dritten WM-Triumph sagt, bedeutet das was. Im Sommer ist er der grösste Konkurrent von Nino Schurter auf dem Mountainbike, zudem zählt er nebenbei auch auf der Strasse zur Weltspitze.

Dabei haben vor den Weltmeisterschaften auf dem Flugplatz in Dübendorf einige das Gelände kritisiert. Zu einfach, zu flach, zu wenig technisch. Dort, wo sonst Flugzeuge vom Boden abheben oder landen, ist es spätestens ab Sonntag aber richtig schlammig. So schlammig, dass es kaum mehr möglich scheint, mit dem Velo überhaupt irgendwie vorwärtszukommen.

Holländer und Belgier geben auch neben der Strecke den Ton an

Auch für die Zuschauer birgt der schlammige Boden einige Tücken. Die Asphalt-Stellen sind begehrt, auf den Wiesen tragen die cleveren Fans Gummistiefel. Irgendwie bahnen sie sich den Weg durch den immer tiefer werdenden Sumpf, um immer wieder ein Auge auf van der Poel und seine Konkurrenten zu werfen.

Silber: Thomas Pidcock (GBR), Gold: Mathieu Van der Poel (NED) und Bronze: Toon Aerts (BEL) (von links nach rechts).

Silber: Thomas Pidcock (GBR), Gold: Mathieu Van der Poel (NED) und Bronze: Toon Aerts (BEL) (von links nach rechts).

Einige einheimische Zuschauer jubeln auch dem besten Schweizer Timon Rüegg zu, der mit dem 13. Rang ein beachtliches Resultat erreichte. Ein Top-Ten-Rang verunmöglichten zwei Platten. Beide Male musste er fast eine ganze Runde so weiterfahren, ehe er das Velo wechseln konnte. Doch allgemein kamen dem Schweizer die schweren Bedingungen entgegen. «Klar, habe ich Zeit verloren, aber auf schnellem Boden wäre es deutlich mehr gewesen», sagt er. «So viel Schlamm – das war schon unglaublich.»

Die Zuschauer sehen an der ersten Radquer-WM in der Schweiz seit 25 Jahren ein wenig, wie das Radquer früher war. Das Bild des velotragenden Velofahrers hat sich in die Gedächtnisse eingetragen. Und auch in Dübendorf mussten selbst die Favoriten immer häufiger absteigen. «Es war selbst in den Geraden so schlammig, dass ich mich manchmal gefragt habe, ob es besser ist, einfach abzusteigen und zu rennen», meinte Rüegg.

Immer öfter mussten die Fahrer das Velo schultern und den Schlammhügel hochrennen.

Immer öfter mussten die Fahrer das Velo schultern und den Schlammhügel hochrennen.

Am Samstag noch waren die Bedingungen anders. Das Wetter trocken, die Strecke schnell. Zu holländischen Festspielen avancierten die Titelkämpfe aber schon da. Die Niederländer holten gleich alle drei Titel am ersten Wettkampftag, darunter den Titel bei der Frauen-Elite. Dank dem Triumph des Ausnahmekönners van der Poel sicherten sich die Holländer am Ende vier von sechs möglichen Weltmeistertiteln, insgesamt sogar acht Medaillen. Belgien holte vier Mal Edelmetall, blieb aber unter seinen Erwartungen.

Elite Frauen: Weltmeisterin Ceylin del Carmen Alvaro (NED) mit der Goldmedaille.

Elite Frauen: Weltmeisterin Ceylin del Carmen Alvaro (NED) mit der Goldmedaille.

Auch neben der Strecke geben die Belgier und die Holländer den Ton an, sie bilden einen grossen Teil des internationalen Publikums. Insgesamt kommen 22'000 Zuschauer zum Flugplatz in Dübendorf – trotz schlechtem Wetter am Sonntag.

Allgegenwärtig sind auch mehrere Tausend Schweizer Fans. Von Rad-Freaks bis zu Schaulustigen ist alles dabei. Richtig laut können sie aber nur einmal werden an diesem Renn-Wochenende. Mit einer überzeugenden Vorstellung gewann Kevin Kuhn am Samstag bei der U23 Silber. Es ist die erste Schweizer WM-Medaille im Radquer seit 15 Jahren. Rund 50 eigene Fans hat er mit dabei, die ihren «Super Kevin» hochleben lassen.

Auch Junior Dario Lillo ist hoch im Kurs. Sein Rennen ist der Start des schlammigen Sonntags und darum besonders spektakulär. Gegen den schwierigen Untergrund und die drei Belgier Thibau Nys, Lennert Belmans und Emil Verstrynge kämpft Lillo wacker. Doch dann sieht er, wie schwierig die Verhältnisse wirklich sind. Er stürzt und wird nur Vierter. Für einen Achtungserfolg sorgte Noemi Rüegg mit dem 10. Rang in der U23.

Den Schweizern gehörte also nur eine Nebenrolle an ihrer Heim-WM. Die Hauptrolle gehört den Holländern – und vor allem Mathieu van der Poel. Ihn kann nicht einmal der viele Schlamm stoppen.

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