Rassismus
Nach Schüssen auf den Schwarzen Jacob Blake: Die Streikwelle im US-Sport ebbt ab

Der Druck auf die Sportler war hoch. Also wird jetzt wieder gespielt. Marc Short, Stabschef von US-Vizepräsident Mike Pence hatte die Proteste sogar als absurd und dumm bezeichnet.

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Der Streik der Milwaukee Bucks hatte Signalwirkung: Teams und Spieler in der NBA verzichteten auf ihre Wettkämpfe.

Der Streik der Milwaukee Bucks hatte Signalwirkung: Teams und Spieler in der NBA verzichteten auf ihre Wettkämpfe.

KEYSTONE/EPA/JOHN G. MABANGLO

Einen Tag lang blieb es verdächtig ruhig, dann konnte sich Donald Trump nicht mehr zurückhalten. Er wisse «nicht viel» über den Aufstand der Sportler, sagte der US-Präsident schliesslich, aber er wisse, dass die TV-Quoten der Basketball-Profiliga NBA «schlecht waren», weil die Menschen ihrer «überdrüssig sind». Ausserdem sei die NBA ja so etwas «wie eine politische Organisation geworden, und das ist keine gute Sache». In Wahrheit dürfte es Trump gestört haben, dass der Protest der Sportler vom Parteitag der Republikaner ablenkte.

Auch Trump’sche Sekundanten meldeten sich zu Wort. So bezeichnete Marc Short, Stabschef von US-Vizepräsident Mike Pence, die Streiks und Proteste der NBA bei CNN als «absurd und dumm». Jared Kushner, Schwiegersohn von Trump und zugleich offizieller Berater des Weissen Hauses, lästerte beim Sender CNBC: Die NBA-Spieler könnten sich glücklich schätzen, dass es für sie ohne finanzielle Folgen bleibe, «wenn sie mal einen Abend frei machen».

Die Streikwelle ebbt wieder ab

Tatsächlich ebbt die Streikwelle, die am Mittwoch von den Milwaukee Bucks als Reaktion auf die Schüsse eines weissen Polizisten auf den Schwarzen Jacob Blake ausgelöst worden war, schon wieder ab. Nachdem schliesslich auch die Eishockey-Liga NHL auf Druck ihrer Spieler die Play-off-Begegnungen am Donnerstag und am Freitag abgesagt hatte, soll es spätestens am Samstag weitergehen – auch in der NBA. Seine Spieler freuten sich, weiterzuspielen, «sie wollen», versicherte Doc Rivers, Coach der Los Angeles Clippers, die zunächst gegen eine Fortsetzung der Saison gestimmt hatten.

Die Schlüsselfigur bei den Diskussionen der Spieler über das weitere Vorgehen war allem Anschein nach der wohl grösste Basketballer der Geschichte: Michael Jordan. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, nahm Jordan, Mehrheitseigentümer der Charlotte Hornets und damit auch einziger Schwarzer in dieser Position bei einer NBA-Franchise, zu Chris Paul Kontakt auf: Der Star von Oklahoma City Thunder ist der Präsident der NBA-Spielervereinigung. Jordan bot Paul an, die Anliegen der Spieler bei einem Treffen der Klubbesitzer vorzubringen.

«Jordan besitzt eine grosse Glaubwürdigkeit»

Nach Angaben von Sitzungsteilnehmern drängte Jordan beim virtuellen Meeting der Klubchefs seine Kollegen dazu, die Spieler anzuhören, ehe sie Entscheidungen träfen. «Michael ist die perfekte Person in dieser Rolle», sagte ein NBA-Mitarbeiter zu ESPN, «er war ein hochkarätiger Spieler, der Meisterschaften gewonnen hat. Er ist auch Eigentümer eines Teams in einem kleinen Markt. Er besitzt eine grosse Glaubwürdigkeit bei den Spielern und bei den Eigentümern.» Die Klubchefs stimmten dafür, die Spieler weiter zu unterstützen. Die Klubbesitzer der NBA haben sich bislang weitgehend aufgeschlossen für die Anliegen der Spieler gezeigt. Sie gestatteten ihnen, in der Blase in Florida mit Botschaften auf den Trikots aufzulaufen. Sie wollen innerhalb der nächsten zehn Jahre 300 Millionen Dollar in Projekte investieren, welche die wirtschaftliche Situation Schwarzer verbessern. Sie beziehen zudem zumindest in der Öffentlichkeit immer wieder klar Position für ihre Spieler.

Vor der NBA wollte am Freitag bereits die Frauen-Liga WNBA den Spielbetrieb nach zwei Streiktagen wieder aufnehmen. Auch in der Baseball-Liga MLB, in der am Donnerstag sieben von 15 geplanten Spielen ausfielen, sollte es dann wieder nach Plan laufen. (sid)