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Nach Wechsel von Houston nach Atlanta: Für Clint Capela beginnt eine neue Zeitrechnung

Clint Capela geht künftig für die Atlanta Hawks auf Punktejagd.

Clint Capela geht künftig für die Atlanta Hawks auf Punktejagd.

Die Houston Rockets reichen den Schweizer Clint Capela an die Atlanta Hawks weiter. Für den Genfer endet die wilde Titelhatz mit den Lichtgestalten James Harden und Russell Westbrook gar abrupt.

Fünfeinhalb Jahre ist es her, seit Clint Capela in Houston landete, in der ersten Runde des NBA-Drafts von 2014. Capela, 25, hat in der texanischen Metropole viel erlebt; bei den Rockets vollzog er die Metamorphose von einem scheuen Jungen aus der beschaulichen Schweiz zu einem selbstbewussten Stammspieler mit erhöhter Strahlkraft, zum höchstbezahlten Schweizer Teamsportler der Geschichte. Houston wurde zur zweiten Heimat, der Superstar James Harden zu seinem Freund. Diese Saison sollte das Jahr Capelas werden, jetzt, da er mit dem Routinier Thabo Sefolosha sogar einen Schweizer Teamkollegen erhielt. Die Schweizer träumten von ihrem ersten Titel, die Chancen standen gut, nun da die Dynastie der Golden State Warriors jäh geendet hatte. Und die Rockets mit Harden und dem im Sommer verpflichteten Russell Westbrook über eines der spektakulärsten Duos der Liga verfügen.

Vier Teams sind beteiligt

Doch in der Nacht auf Mittwoch ist der Traum zumindest für Capela geplatzt; auch er muss erkennen, dass es die Milliardenliga NBA kein Hort der Sentimentalitäten ist. Wie schon im Sommer war zuletzt tagelang darüber spekuliert worden, dass die Rockets und ihr rastloser Manager Daryl Morey Capela gerne abgeben würden. Nun ist es geschehen: im Rahmen eines komplizierten, insgesamt 12 Spieler umfassenden Transfergeschäfts mit vier involvierten Teams, ist Capela bei den Atlanta Hawks gelandet. Die Rockets verpflichteten von den Minnesota Timberwolves Robert Covington und Jordan Bell, ihre Titelchancen sind marginal gestiegen. Zumal Morey bis zum Transferschluss am Donnerstag weitere Zuzüge folgen lassen dürfte.

Keine kurzfristige Titelchance bei den Hawks

Doch für Capela ist es so, als sei auf seinem Weg zu einem Meistertitel die Zeit zurückgestellt worden, er befindet sich wieder auf Feld 1. Atlanta, zwischen 2014 und 2017 bereits Arbeitgeber Sefoloshas, hat in dieser Saison keine Chance auf eine Playoff-Teilnahme. Der Weg der Hawks zu einem ernsthaften Titelkandidaten ist lang, schon rein historisch gesehen – der letzte Triumph datiert von 1958 – aber immerhin gibt es Hoffnung: der 21 Jahre alte All-Star-Point-Guard Trae Young ist einer der aufregendsten Spieler der Liga, es gibt die Aussicht, dass er mit Capela vergleichbar gut harmoniert wie das bei Harden der Fall war.

James Harden (links) und Clint Capela sind keine Teamkollegen mehr.

James Harden (links) und Clint Capela sind keine Teamkollegen mehr.

Rein individuell ist der Wechsel für Capela kein Rückschritt, er dürfte auch in der Coca-Cola-Stadt prosperieren. Jedenfalls sobald seine Fussverletzung ausgeheilt ist, die ihn zuletzt ausser Gefecht setzte. Doch der vorzeitige Abschied aus Houston hat etwas Schmerzhaftes, es ist vorstellbar, dass Capela dem Playoff-Versagen der Rockets in den letzten Jahren nachtrauern wird, wenn er mit seinem neuen Team die Flughöhe Houstons nicht erreicht. Für Capela wird das eine der grössten Herausforderungen seiner bisher steil verlaufenen Karriere: dass er sich nach dem Transfer nicht als Sündenbock für die nervösen Rockets fühlt. Sondern als Hoffnungsträger der Atlanta Hawks.

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