Ein zweiter Edward Eagan wird er kaum mehr werden. Der Amerikaner ist der einzige Mensch, der an Sommer- und Winterspielen Olympiasieger wurde: 1920 als Boxer, 1932 als Bobfahrer.

Doch dieser Pita Taufatofua ist auch ohne Medaillen ein ganz besonderer Sportler. Drei Olympiateilnahmen in drei verschiedenen Sportarten – das hätte grossen Seltenheitswert. Zuletzt nahm Aleksandar Milenkovic 1992 (Albertville und Barcelona) im Langlauf und als Velorennfahrer teil, 2006 (Turin) im Biathlon. Drei Disziplinen, die miteinander verwandt sind: Langlauf und Radsport sind Ausdauersportarten, Biathlon ist, vereinfacht ausgedrückt, Langlauf mit einem Gewehr.

«Das, was meine Vorfahren gemacht haben»

Was nun Pita Taufatofua im Sinn hat, ist ein «Hattrick» ganz anderer Art. Nach dem Kampfsport Taekwando und dem Ausdauersport Langlauf will der 35-Jährige aus Tonga bei seinen dritten Olympischen Spielen in Folge als Kanute antreten, im Kajak-Sprint über 200 Meter. «Dieser Sport liegt mir am Herzen», erzählte Taufatofua der BBC. «Das machten schon meine Vorfahren vor tausenden Jahren, als sie die Inseln Polynesiens besiedelten.»

2016 schied er in Rio de Janeiro als Taekwando-Kämpfer in der ersten Runde aus. 2018 in Pyeongchang wurde er beim Olympiasieg des Bündners Dario Cologna über 15 km Skating immerhin 114. von 119 Teilnehmern.

Damals im kalten Südkorea stand das Mitmachen im Vordergrund. Nun strebt Pita Taufatofua nach mehr: «In der Vergangenheit zählte für mich vor allem das olympische Motto vom Dabeisein. Aber nun will ich Gold!»

Kampf gegen den Klimawandel

Dabei wird schon die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ein schwieriges Unterfangen. Laut BBC muss er um einen von zwölf Startplätzen im Kajak-Sprint über 200 Meter kämpfen. «Ich glaube, dass ich es schaffen kann», ist Taufatofua überzeugt. Seine erste Chance erhält er im August an der WM in Ungarn, die Top Fünf dort sind bei Olympia dabei.

Der Multi-Sportler kämpft dabei nicht nur für sich, sondern auch für alle seine Landsleute. Tonga liegt im jüngsten World Risk Index jener Länder, die am meisten von einer Naturkatastrophe bedroht sind, hinter Vanuatu auf Rang zwei.

Der Klimawandel setzt dem Inselstaat im Pazifik zu. «Als ich ein Kind war, hatten wir alle sechs bis zehn Jahre einen schweren Sturm», erinnert sich Taufatofua, «nun sind wir jedes Jahr oder jedes zweite davon betroffen.»

Er wolle seine Prominenz nutzen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. «Ich gebe den Menschen den Glauben daran, dass sie doch etwas verändern können, wenn sie es wollen.» Die Unicef hat ihn ausserdem zum Botschafter gemacht, der Sportler setzt sich für Obdachlose ein und arbeitet mit Jugendlichen.

Zwei Diszplinen an den selben Spielen?

Nun hofft Pita Taufatofua, dass er von genügend Leuten unterstützt wird. Für sein neustes Olympia-Projekt will er ein Crowdfunding aufsetzen, um rund 150'000 Franken für die Vorbereitungen einzunehmen. «Ich trainiere derzeit noch mit einem Freizeit-Kajak, was etwas ganz anderes ist als die Geräte, die bei Olympia eingesetzt werden», erklärt er. Das Geld benötige er aber nicht für Material, sondern auch, um Trainer bezahlen zu können.

Vielleicht sehen wir Pita Taufatofua 2020 in Tokio tatsächlich als Kanuten. Möglich ist auch, dass er erneut im Taekwando antritt. Und er will nicht ausschliessen, in Japan sogar gleich in beiden Sportarten teilzunehmen: «Das wäre ein Ding, was?!»