Tennis
«Ohne Mirka hätte ich schon lange aufgehört» – Roger Federer über den Einfluss seiner Frau

Was Roger Federer mit 36 noch antreibt und worauf er achten muss, um weitere Erfolge zu feiern. Das Interview mit dem frischgebackenen Australian Open Sieger.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Mirka Federer

Mirka Federer

Keystone

Roger Federer, was bedeutet Ihnen dieser 20. Grand-Slam-Titel?

Für mich ist es weniger diese Zahl, die wichtig ist. Für mich geht es um die Emotionen, die ich erleben darf. Es waren schwierige 36 Stunden vor dem Final, weil ich dauernd daran denken musste, wie es sein würde, wie ich mich fühle, wenn ich gewinne oder verliere. So extrem habe ich das noch nie erlebt. Darum ist es ein spezieller Moment. Ein Märchen, das seine Fortsetzung findet.

Wie haben Sie diese 36 Stunden vor dem Final denn erlebt?

Nach dem Halbfinal habe ich sehr schlecht geschlafen. Bis um drei Uhr nachts bin ich wach gelegen. Und am nächsten Tag haben sich meine Gedanken nur darum gedreht, wie ich den Final spielen würde. Ich war vor allem wegen des historischen Effekt von 20 Grand-Slam-Titeln nervös und ich wusste, dass Cilic gut genug ist, um mich zu schlagen. Ich war am Samstag eher pessimistisch, doch bis am Finaltag war ich mir total im Klaren darüber, wie ich gegen ihn spielen würde. Ich bin jetzt froh, dass ich es hinter mir habe und dass ich diesen historischen Erfolg geschafft habe.

Waren Sie auch darum bei der Siegerehrung derart emotional?

Ich glaube, dass bei mir viele Emotionen übrig waren, weil ich relativ zügig den Final erreichte. Im Vorjahr hatte ich schwierige Spiele auf dem Weg ins Endspiel, dieses Mal fehlte im Verlauf des Turniers eine extreme Situation. Ich hoffte während meiner Siegesrede, dass ich mich etwas entspannen würde, aber das war nicht der Fall. Andererseits bin ich auch froh, dass ich meine Emotionen so zeigen kann.

Haben Sie die Favoritenrolle mehr gespürt als sonst?

Ich habe es nicht so empfunden. Als ich auf dem Weg nach Australien war, dachte ich nicht, dass ich meinen Titel würde verteidigen können. Das letzte Jahr mit zwei Grand-Slam-Titeln war schon unglaublich genug. Ich kann kaum fassen, wie gut ich erneut in die Saison starten konnte. Nach dem Spiel sass ich länger auf dem Stuhl. Ich brauchte länger, um zu verstehen, was gerade passiert war. Erst auf dem Podium, bei meiner Siegesrede, habe ich kapiert, dass ich gewonnen habe.

Wie bewahren Sie sich mit 36 Jahren diesen Siegeshunger?

Indem ich nicht zu viel spiele, nicht an jedem Turnier antrete. Ich geniesse es, zu trainieren. Die Reiserei stört mich nicht. Ich habe ein gutes Team um mich herum. Und es treibt mich an, dass meine Eltern unglaublich stolz auf mich sind. Das macht mich glücklich. Und natürlich macht meine Frau alles möglich. Ohne Mirka hätte ich schon lange aufgehört. Vor ein paar Jahren hatten wir ein sehr offenes Gespräch darüber, ob sie Spass habe, dies noch zu tun. Ich bin happy, dass sie mich so unterstützt, dass sie bei den Kindern so viel übernimmt. Ich möchte nicht gerne länger als zwei Wochen von meinen Kindern getrennt sein.

Wie lange können Sie noch auf diesem Niveau weiterspielen?

Keine Ahnung. Wirklich, ich weiss es nicht. Ich habe nun drei Grand Slams innert zwölf Monaten gewonnen. Ich kann es selber auch nicht glauben. Das Alter ist nur eine Zahl. Aber ich muss sehr vorsichtig sein bei meiner Planung. Es kommen aufregende Zeiten auf mich zu.

Aktuelle Nachrichten