Fussball

Ohne Zlatan Ibrahimovic bleiben die Pariser ratlos

In der Stadt der Liebe läuft der Fussball ohne den Zlatan Ibrahimovic noch nicht so richtig rund.

In der Stadt der Liebe läuft der Fussball ohne den Zlatan Ibrahimovic noch nicht so richtig rund.

Während Zlatan Ibrahimovic nun für Manchester United Tore erzielt, läuft es für seinen früheren Verein in der Stadt der Liebe alles andere als rund. Im siebten Spiel hatte PSG die bereits zweite Saisonniederlage hinnehmen müssen - eine ungewohnte Situation für den sechsfachen Meister. Dem FC Basel dürfte die Absenz des Schweden recht sein.

«Ich kam wie ein König – und ging als Legende.» Mit diesem Spruch, versehenmit der ihm eigenen Selbstüberzeugung, verabschiedete sich Zlatan Ibrahimovic im Frühsommer von Paris Saint-Germain (PSG). Es sollte ein Abschied sein, der dem Klub schwerer fällt als zunächst angenommen.

Zlatan Ibrahimovic und Paris Saint-Germain – das hatte funktioniert: In 180  Einsätzen für Blau-Rot gelangen dem Schweden 156 Tore. Viermal nacheinander eroberte Ibrahimovic mit PSG den nationalen Thron, dreimal den Liga-Cup, zweimal die Coupe de France. Während der nationale Erfolg längst zur Selbstverständlichkeit verkam, stiegen die Ansprüche ins Unermessliche: Paris Saint-Germain sollte sich unter den besten vier in der Champions League etablieren, ja den Titel holen – und scheiterte jedes Jahr kläglich im Viertelfinal. Ibrahimovic wurde als Sinnbild für den ausbleibenden Erfolg in der Königsklasse verstanden. In der Ligue 1 erzielte der Schwede zwar Tore am Fliessband, doch ihm gelang es nie wirklich, auch gegen Europas Spitze als Leistungsträger aufzulaufen. Nur zu gerne betiteln die grössten Kritiker deshalb Ibrahimovics Mission in Paris als unvollendet. Als gescheitert.

Niederlagen zum Saisonstart

Tempi passati. Während Ibrahimovic nun für Manchester United Tore schiesst, bringt PSG ohne seine Identitätsfigur selbst in der französischen Meisterschaft kein Bein vors andere. Bereits im siebten Spiel hatte Saint-Germain die zweite Saisonniederlage eingefangen und damit schon so oft verloren wie das dominante Zlatan-Paris in der gesamten vergangenen Saison. Die Kritiker müssen nun eingestehen, dass Zlatan Ibrahimovic bei seinem Abschied eben doch recht hatte, als er sagte: «Wenn man sieht, wie die Dinge hier standen, als ich ankam, so lässt sich sagen: Mission erfüllt.»

Der Alltag ohne Superstar Zlatan Ibrahimovic fällt Paris Saint-Germain schwerer, als dem französischen Topklub lieb ist.Keystone

Der Alltag ohne Superstar Zlatan Ibrahimovic fällt Paris Saint-Germain schwerer, als dem französischen Topklub lieb ist.Keystone

Die Selbstverständlichkeit des Klubs inder Ligue 1 als nationaler Krösus scheint ohne Ibrahimovic plötzlich wie verflogen zu sein. Der Geist des Stars spukt in Paris. Der neue Trainer Unai Emery, seines Zeichens zweifacher Europa-League-Sieger mit Sevilla, ist bereits arg unter Druck und appelliert an die Geduld. «Ich bin der grösste Selbstkritiker. Wir arbeiten hart für unsere Ziele und lernen täglich aus unseren Fehlern. Ich spüre, dass wir Erfolge verzeichnen werden. Aber es braucht Zeit», sagt Emery.

Verpatzter Transfersommer

Klubexperten sehen im bescheidenen Saisonstart ein Spiegelbild der verpatzten Transferpolitik im Sommer. Obwohl die Klubführung aus Katar nach Ibrahimovics Abgang umgehend versicherte, einen hochkarätigen Ersatz zu verpflichten, mussten die Scheichs einsehen, dass das Unterfangen, einen grossen Namen an die Seine zu locken, kein Selbstläufer ist: Für Cristiano Ronaldo kam ein Wechsel nicht infrage, das Rennen um Gonzalo Higuain verlor man gegen Juventus Turin. Transfers mit Eden Hazard, Alexis Sanchez oder Antoine Griezmann kamen nicht zustande. Und schliesslich platzte auch noch der bereits kolportierte Wechsel von Neymar nach Paris, weil der Brasilianer die Gerüchte offenbar viel mehr als Druckmittel benutzen wollte, um sein Gehalt beim FC Barcelona deutlich aufzubessern.

Stattdessen verpflichtete PSG-Trainer Emery in der Not Mittelfeldspieler Grzegorz Krychowiak (FC Sevilla) oder Jesé Rodriguez (Real Madrid) als neue Schlüsselfiguren. Ausserdem setzt man wieder auf Edinson Cavani, der erst seit dem Abgang von Ibrahimovic auf seiner bevorzugten Position als Mittelstürmer zum Einsatz kommt – und seither so richtig einschlägt. Doch der Uruguayer hat nicht das in Paris in diesen Tagen so sehr vermisste Charisma eines Zlatan Ibrahimovics.

So dürfte sich der egomanische Superstar gerade in erfolglosen PSG-Zeiten sagen: Ohne Ibrahimovic fehlt in Paris sogar noch mehr als nur eine königliche Legende. Dem FC Basel, der am Mittwoch in Paris gastiert, dürfte das recht sein.

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