Olympia-Kolumne
Wenn selbst mehrfache Olympia-Sieger sich wie kleine Schulbuben aufführen – ganz viel Liebe für Novak Djokovic

Journalist Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen bei seinem Arbeitsaufenthalt bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Simon Häring, Tokio
Simon Häring, Tokio
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Dieses Bild von Novak Djokovic mit der belgischen Turnerin Nina Derwael ging um die Welt. Es sollte nicht das einzige bleiben.

Dieses Bild von Novak Djokovic mit der belgischen Turnerin Nina Derwael ging um die Welt. Es sollte nicht das einzige bleiben.

Am Freitag scheiterte Novak Djokovic etwas überraschend im Einzel-Halbfinal am Deutschen Alexander Zverev, nachdem der Serbe bereits mit Satz und Break geführt hatte. Vorbei ist damit auch der Traum vom «Golden Slam», dem Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere innerhalb eines Jahres und dazu Gold im Einzel des olympischen Tennisturniers. Und auch im gemischten Doppel verlor Djokovic im Halbfinal. Kaum zu glauben: der Traum von Olympiagold bleibt vorerst unerfüllt.

Es gibt ja immer noch Leute, die keine Gelegenheit auslassen, zu betonen, Djokovic sei weniger beliebt als Roger Federer und Rafael Nadal, dass er darunter leide und nur deshalb diesen Erfolgshunger entwickelt habe. Das mag zu Teilen stimmen, die ganze Wahrheit ist es nicht. Denn als er mit dem Tennis begann, im kriegsversehrten Serbien, da kannte er die Namen seiner späteren Rivalen nicht einmal vom Hörensagen.

Und sowieso ist das mit der Beliebtheit so eine Sache. Denn wer neben Simone Biles und Naomi Osaka bei diesen Olympischen Spielen in Tokio global gesehen der grösste Star ist, lässt sich dieser Tage in den sozialen Medien blendend beobachten: Novak Djokovic. Schlurft er völlig unprätentiös in Badelatschen durchs olympische Dorf, verlieren selbst Olympiasieger die Contenance und bitten wie Schulbuben um ein Selfie.

Gold gewinnt Novak Djokovic in Tokio also nicht. Dafür gibt es für ihn von den Athletenkollegen so viel Liebe wie sonst für keine und keinen anderen.

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