Peking 2022
4:2 gegen Tschechien: Nach einem grossen Sieg im «gefühlten Halbfinal»

Nach drei Niederlagen in den Gruppenspielen drohte die frühzeitige Heimreise als «Maulhelden» – nun ist wenigstens die Ehre gerettet.

Klaus Zaugg
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Nach drei Niederlagen konnte die Schweiz gegen Tschechien den ersten Sieg einfahren und ist somit in der K.-o.-Runde.

Nach drei Niederlagen konnte die Schweiz gegen Tschechien den ersten Sieg einfahren und ist somit in der K.-o.-Runde.

Salvatore Di Nolfi / Keystone

Was ist Magie im Mannschaftssport? Wenn alles funktioniert und wenn die Hockey-Götter gnädig gestimmt sind. Wenn die Münze auf die richtige Seite fällt. Die Magie ist zurück. Die Schweizer haben in einem der besten Spiele der «Ära Fischer» Tschechien 4:2 besiegt und den Viertelfinal gegen Finnland erreicht. Erstmals hat bei diesem Turnier alles funktioniert: Das Powerplay (die zwei ersten Ausschlüsse sind zum 1:1 und zum 3:1 genützt worden), das Defensivspiel, die Effizienz im Abschluss (in 13 Sekunden vom 0:1 zum 2:1) und die Torhüterleistung: Leonardo Genoni strahlte die Ruhe und Sicherheit aus, die ihn schon immer in grossen Spielen ausgezeichnet haben.

Auch das Glück ist zurück: Die Schweizer hatten zuvor in den Gruppenspielen so viel Pech gehabt (je ein Eigentor beim 0:1 gegen Russland und beim 1:2 nach Penaltys gegen Tschechien), dass allein schon die Rückkehr zu normalen Verhältnissen (kein Eigentor gegen Tschechien) als Glück bezeichnet werden kann.

Keine Panik trotz dreier Niederlagen

Drei Spiele haben die Schweizer benötigt, um ihr Spiel zu justieren. Um die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Um sich an das kleinere Eisfeld zu gewöhnen. Patrick Fischer sagt, Hockey sei so komplex, dass man diese Zeit brauche. Was auffällt: Niemand war nach den drei Niederlagen in den Gruppenspielen in Panik geraten. Leonardo Genoni sagt: «Wir mussten ja damit rechnen, dass wir den Achtelfinal bestreiten müssen und nicht direkt in den Viertelfinal kommen.» Ob eine, zwei oder drei Niederlagen in den Gruppenspielen war so gesehen eigentlich egal. Aber eben nur dann, wenn nach drei Niederlagen keine Panik ausbricht, nicht alles in Frage und auf den Kopf gestellt wird.

Weder Patrick Fischer noch seine Schützlinge verfielen nach null Siegen in drei Gruppenspielen in Panik.

Weder Patrick Fischer noch seine Schützlinge verfielen nach null Siegen in drei Gruppenspielen in Panik.

Mark Cristino / epa

Im Falle einer Niederlage gegen Tschechien hätte die Bilanz der olympischen Turniere von 2018 und 2022 gelautet: acht Spiele, sieben Niederlagen und bloss ein einziger Sieg gegen Südkorea. Die Schweizer sind mit dem offiziell verkündeten Ziel Halbfinal nach Peking gereist. Nach einer Niederlage gegen Tschechien wären sie als «Maulhelden» heimgereist. Nationaltrainer Patrick Fischer wäre zwar im Amt geblieben (Mandat bis 2024). Aber seine Autorität als Lichtgestalt unseres Hockeys wäre erschüttert worden. Dieses 4:2 gegen Tschechien ist ein grosser Sieg für ihn und gerade deshalb ein grosser Sieg für unser Hockey.

Ein Sieg fehlt den Schweizern zum Ziel Halbfinal

Die Schweizer waren den Tschechen in jeder Beziehung ebenbürtig und in einigen Bereichen sogar überlegen. Leonardo Genoni war der bessere Torhüter, unsere Chancenauswertung, unser Boxplay und unser Powerplay waren besser. Und noch erstaunlicher: Wir waren taktisch gegen eine der taktisch besten Nationalmannschaften schlauer.

Beim olympischen Turnier beginnen nach den Gruppenspielen die Achtelfinals und so stehen die Schweizer erst im Viertelfinal. Bei einer WM folgen nach den Gruppenspielen die Viertelfinals. Das bedeutet: Ein Sieg gegen einen Grossen in einem K.-o.-Spiel bringt an einer WM den Halbfinal und die Chance, zweimal um eine Medaille zu spielen. Nach dem grossen Sieg über Tschechien stehen die Schweizer also in einem «gefühlten» WM-Halbfinal. Die Ehre ist gerettet.

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