Playoff-Final
Zug, die perfekte Hockey-Maschine

Die Innerschweizer gewinnen das siebte Finalspiel gegen die ZSC Lions mit 3:1 und damit die Meisterschaft.

Klaus Zaugg
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Der EV Zug feiert die Titelverteidigung, die zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt war.

Der EV Zug feiert die Titelverteidigung, die zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt war.

Patrick Straub/Freshfocus

Sieg und der Meistertitel nach 1998, 2021 für Zug. Dabei hatten die ZSC Lions diesen Final doch eigentlich schon gewonnen. Er war lediglich noch nicht zu Ende. Drei Siege hintereinander. Einen 0:3-Rückstand hat auf diesem Level noch nie ein Team aufgeholt. Und dann diese Wende.

Zug holt auf zum 3:3. Spiel sieben in Zug. Aber sind denn die ZSC Lions nicht die Spezialisten für schier unlösbare Aufgaben in einem siebten Finalspiel auswärts? Haben sie denn nicht 2001 in Lugano, 2012 in Bern und noch einmal 2018 in Lugano im siebten Final auswärts den Titel geholt? Eben.

Der Puck schlüpft ins Netz

Im siebten Spiel würfeln die Hockey-Götter. Fallen die Würfel für die ZSC Lions? So scheint es. Nach 62 Sekunden trifft Justin Azevedo zum 1:0. Ein haltbarer Treffer. Im sechsten Spiel waren die Zürcher an Leonardo Genoni zerbrochen. Im stürmischen Mitteldrittel hatten sie selbst aus einer Überlegenheit von 17:1 Torschüssen nichts herausholen können.

Am Ende verloren sie 0:2. Und jetzt schlüpft der erste Puck einfach so ins Netz. Aber dieser Treffer öffnet nicht den Weg zum Meistertitel. Er ist der Anfang vom Ende. Der unverhoffte Rückstand hat keinerlei Auswirkungen auf die Verfassung der Zuger. Sie scheinen nicht einmal zu blinzeln.

Ein rauschendes Hockeyfest

Sie machen aus den ersten zwei Powerplays bis zur 34. Minute aus dem 0:1 ein 2:1 – und diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. Die perfekte Hockeymaschine. Der EV Zug braust zum Sieg und zum Titelgewinn und beschert der Stadt ein rauschendes Hockeyfest. Der Tempel ist ausverkauft und auf dem Vorplatz verfolgen 15'000 Fans das Spiel auf der Grossleinwand.

Yannick Zehnder präsentiert den Meisterpokal.

Yannick Zehnder präsentiert den Meisterpokal.

Claudio Thoma/Freshfocus

Nie mehr seit dem Eidgenössischen Schwingfest von 2019 sind in Zug so viele Frauen, Männer und Kinder zu einem Sportfest herbeigeeilt. Und anders als 2019 gibt es jetzt einen Sieg der Zentralschweizer. Vom Ende her betrachtet: Es hat eigentlich nie Zweifel an diesem Sieg im siebten Spiel gegeben.

Bereits 3 Minuten und 33 Sekunden vor Schluss mahnt der Stadionsprecher nach dem Spiel das Eis nicht zu betreten. Beim Stand von 2:1. Für die ZSC Lions ist es eine der bittersten Niederlagen ihrer Geschichte. Geschuldet der ewigen ZSC-Kultur in der Drama und Triumph untrennbar sind: Der ZSC in diesem Final wie er leidet und jubelt, lacht und weint, triumphiert und verliert.

Für die ZSC Lions ist es eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte.

Für die ZSC Lions ist es eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte.

Claudio Thoma/Freshfocus

Wieder einmal eine turbulente ZSC-Saison

All das haben die Zürcher in diesen Playoffs und im Final erlebt. Sie sind im Laufe einer wieder einmal turbulenten Saison zum richtigen Zeitpunkt doch noch zu einer verschworenen Einheit zusammengewachsen. In der ersten Runde standen sie gegen Biel am Abgrund des Scheiterns. Dieser Viertelfinal war das Fegefeuer, das sie abhärtete und die Emotionen weckte, die schon in der Vergangenheit sehr oft nötig waren, um aus einer Interessengemeinschaft von Jungmillionären Hockey-Romantiker zu machen. 3:0 führten sie im Final.

Genoni gewinnt auch seinen siebten Final

Noch nie ist eine so gute Mannschaft wie Zug in einem Final dreimal hintereinander besiegt worden. Zum Finaldrama gehört, dass Leonardo Genoni, bei den ZSC Lions ausgebildet, am Ende eben doch die Differenz gemacht hat. Schon schien sein Mythos zu verblassen. In den ersten drei Partien war Zürichs Jakub Kovar besser.

Zugs Torhüter Leonardo Genoni

Zugs Torhüter Leonardo Genoni

Ennio Leanza/Keystone

Aber im sechsten und siebten Spiel steht der wahre Leonardo Genoni auf und er gewinnt auch seinen siebten Final und holt seinen siebten Meistertitel: Drei mit Davos, zwei mit dem SC Bern und nun den zweiten mit Zug.

In Zug und Zürich ist weiterhin alles da, um die Liga zu dominieren: Fachliche Kompetenz, Infrastruktur – die ZSC Lions zügeln im Sommer in ihren neuen Hockey-Tempel –, spielerisches Potenzial und das Geld, um dann, wenn es nötig ist, Korrekturen vorzunehmen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese beiden Teams auch in einem Jahr den Playoff-Final bestreiten werden, ist hoch.

Aber eine Frage wird noch zu klären sein: Wird ZSC-Trainer Rikard Grönborg bleiben? Sein Vertrag läuft bis zum Ende der nächsten Saison. Aber noch nie seit Einführung der Playoffs 1986 ist ein Trainer einem Titel so nahe gekommen und doch nicht Meister geworden. Er hat den Zürchern ein Hockey-Drama beschert. Aber das Ziel ist in Zürich der Titel. Nicht die Aufführung von Dramen.

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