Protest
Die Hintergründe zum Streik im Schweizer Eishockey

Wie geht es weiter nach dem Protest der Spieler gegen die Erhöhung der Ausländer? Fragen und Antworten.

Klaus Zaugg
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Was ist am Samstag passiert?

Zwei Minuten lang hielten die Spieler vor allen National-League-Spielen ein «Protestbanner» in die TV-Kameras. Die Aufschrift: «Der Nachwuchs ist unsere Zukunft, die Fans unser Rückgrat und Eishockey unser Leben.»

Gemeinsame Streikaktion nach dem ersten Bully: Alles Schweizer Eishockey-Teams protestierten am Wochenende gegen die Erhöhung der Ausländer.

Gemeinsame Streikaktion nach dem ersten Bully: Alles Schweizer Eishockey-Teams protestierten am Wochenende gegen die Erhöhung der Ausländer.

Keystone

Wer steht hinter der Aktion?

Die Interessenvereinigung der Spieler mit Präsident Jonas ­Hiller.

Früher Weltklasse-Torhüter, jetzt Präsident der Schweizer Spielervereinigung: Jonas Hiller.

Früher Weltklasse-Torhüter, jetzt Präsident der Schweizer Spielervereinigung: Jonas Hiller.

Urs Lindt/freshfocus

Gegen was richtet sich der Protest?

Das war auf dem Banner nicht ersichtlich, aber er richtet sich gegen die Liga-Reform mit den Kernpunkten Ausländer, Auf-/Abstiegsregelung sowie Salärbegrenzung (Financial Fairplay).

Womit sind die Spieler nicht einverstanden?

Primär mit der Erhöhung der Anzahl Ausländer von vier auf sieben pro Team ab 2022/23.

Haben die Spieler bei dieser Reform etwas zu sagen?

Jein. Ja, weil Jonas Hiller immer wieder zu Sitzungen eingeladen wird. Nein, weil einzig und allein die Vertreter der zwölf Klubs darüber entscheiden.

Gibt es eine Möglichkeit von dritter Seite, diese Reformen zu stoppen?

Nein. Nur anhaltende Proteste von der Basis (den Fans) könnten die Klubvertreter dazu bewegen, die Reform zu verschieben oder abzublasen.

Bewirken Protestaktionen der Spieler etwas?

Jein. Die Klubvertreter nehmen die Interessenvereinigung der Spieler nicht ernst. Wohl zu Recht: Es handelt sich um eine lose Interessenvereinigung von Jungmillionären, die keinerlei juristisch verankertes Mitsprache-, Mitbestimmungs- oder Vetorecht hat.

Allerdings hat die breite Öffentlichkeit durch diese Protestaktion der Spieler erfahren, dass im Schweizer Eishockey ungewöhnliche Vorgänge im Gange sind, mit denen die Spieler nicht einverstanden sind.

Wie sehen die Reformen aus?

Das Ziel ist die Gründung einer vom Verband unabhängigen Liga. Dafür soll bis Ende April der Aktionärbindungsvertrag unterzeichnet werden. Das Problem: Die Klubs müssen sich auf ein «Gesamtpaket» einigen:

Erstens: Die Ausländer. Hier haben sich die Klubvertreter bereits geeinigt. Bei einem Nein der ZSC Lions und einer Stimmenthaltung von Ambri ist entschieden worden, dass ab 2022/23 die Anzahl Ausländer pro Klub auf sieben erhöht wird.

Zweitens: Auf/Abstieg. Festgelegt ist bisher erst, dass es diese und nächste Saison keinen Absteiger gibt und dass der Sieger der Swiss League – sofern es sich um Visp, Olten, Ajoie oder Kloten handelt – aufsteigen darf. Es kann also sein, dass die NL am Ende der übernächsten Saison 14 Teams umfasst. Nun müssen sich die zwölf Klubs einigen, nach welchem Modus dann gespielt wird. Das Ziel der Reformer ist die Abschaffung des Auf-/Abstieges oder eine besondere Form des Abstieges: wer dreimal hintereinander Letzter war, muss absteigen.

Drittens: Financial Fairplay. Beschlossen ist nur der Rahmen: Maximal zehn, minimal fünf Millionen Franken für Spielersaläre pro Klub. Wie Überschreitungen sanktioniert werden und ab wann dieses Reglement gilt, ist offen. Bei allen Reglementen ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Beim Financial Fairplay ist Einstimmigkeit erforderlich.

Kommt die neue Ausländerregelung auf jeden Fall?

Nein und ja. Nein, weil sie Teil des Gesamtpaketes ist. Der Beschluss ist also davon abhängig, ob dieses Gesamtpaket durchkommt. Ja, weil die Bewilligung des Gesamtpaketes die Voraussetzung für den Aktionärsbindungsvertrag ist, der zeitnah unterschrieben werden soll. Das Financial Fairplay ist zwar frühestens auf die Saison 2025/26 machbar, soll aber trotzdem formell schon 2022/23 eingeführt werden, damit das Gesamtpaket geschnürt ist. Aber es soll offenbleiben, wann es tatsächlich umgesetzt und sanktioniert wird.

Was ist eigentlich der Zweck dieser Reformen?

Die Löhne sollen gesenkt und die Qualität der Liga erhöht werden. Eine einleuchtende Begründung, wie diese Ziele durch diese Reform erreicht werden sollen, gibt es bisher aber nicht.