PSG
Wenn der Fussball zu Marketing und Nebensache wird: Lionel Messi ist Katars «letzter Pokerzug» vor der WM 2022

Über den Fussball und seinen Club PSG sichert sich der Golfstaat zunehmend Macht und Einfluss, auch mit Blick auf die WM 2022 – die Pariser danken es ihm, zumindest vorerst.

Birgit Holzer, Paris
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Der Fussball-Superstar steht nun bei PSG unter Vertrag – für 40 Millionen Euro pro Jahr.

Der Fussball-Superstar steht nun bei PSG unter Vertrag – für 40 Millionen Euro pro Jahr.

Keystone

Hunderte waren am Dienstagnachmittag zum Flughafen Le Bourget bei Paris gekommen, um Lionel Messi, der jüngsten Errungenschaft von Paris Saint-Germain (PSG), einen dem Fussballgott würdigen triumphalen Empfang zu bereiten.

Wiederum Hunderte drängten sich am Folgetag vor den offiziellen PSG-Boutiquen in Paris in der Hoffnung, ein neues Messi-Trikot mit der Nummer 30 zu ergattern. Tausende Fans pilgerten seither zum PSG-Stadion Prinzenpark etwas ausserhalb der Stadt, um den 34-Jährigen auch dort überschwänglich zu begrüssen.

Der Mann, den die französische Sportzeitung «L`Équipe» nun als «das absolute Genie, den Fussball-Propheten, den Schöpfer des brillantesten Dribblings» bezeichnete, hatte sich auf den grossen Auftritt in seiner neuen Heimat vorbereitet und trug ein T-Shirt mit dem PSG-Logo «Ici c`est Paris», «Hier ist Paris». Es war die perfekte Inszenierung eines gewaltigen Überraschungs-Coups: Auf Messis tränenreichen Abschied vom FC Barcelona folgte kurz darauf sein umjubelter Neustart in Frankreich.

PSG – und damit Katar – geht als vorläufiger Sieger aus dem jüngsten Fußball-Drama hervor. Und die Fans danken es ihm. Endlich.
Ohne die Millionen aus dem kleinen Golfstaat wäre der Wechsel dabei nicht möglich gewesen – 40 Millionen Euro soll Messi pro Jahr erhalten.

Die Erwartungen an PSG werden immer grösser

Seit das Emirat den französischen Verein vor zehn Jahren gekauft hat, baut es ihn zu einer diplomatischen Waffe aus, zu einer Vitrine seiner Soft Power. Dafür muss PSG möglichst attraktiv für internationale Spitzenspieler sein. Das ist erreicht, glaubt man den Worten von Klub-Chef Nasser al-Khelaïfi: «Sie dürfen mir glauben, dass alle grossen Spieler zu PSG kommen wollen. Alle.» Man könne aber eben nicht alle aufnehmen, sagte er. Es klang fast bedauernd.

Der Pariser Verein hatte sich gerade den Weg zurück in die Champions League erkämpft, da konnte er 2012 Zlatan Ibrahimovic gewinnen – auch er damals eine Marke für sich. 2013 folgten weitere prominente Zugänge wie David Beckham und Thiago Silva, trotzdem erreichte PSG jahrelang höchstens das Viertelfinale der Champions League, die Trainer wechselten mehrmals.

2017 wurden Neymar und Kylian Mbappé für 222 bzw. 180 Millionen Euro ins Team geholt. Mit jedem neuen Star wuchsen die Erwartungen. Spätestens jetzt sind sie immens.

Wenn der Fussball zur Nebensache wird

Während sich die Öffentlichkeit im Land des aktuellen Weltmeisters noch im Jubel-Taumel befindet, werden auch kritische Stimmen laut. Die Zeitung «Le Monde» zitiert einen anonymen Branchenkenner mit den Worten, PSG baue eine Marke auf, keinen Club: «Der Fussball ist nebensächlich, er wird zum Marketing-Artikel.» Messi, der 40 Millionen im Jahr erhalten soll, sei nichts anders als «der letzte Pokerzug» vor der WM 2022 – in Katar.

Manche irritiert auch, dass die Regel, nach der die Ausgaben für Spielergehälter höchstens 70 Prozent der Einnahmen ausmachen dürfen, in Frankreich aufgrund der Corona-Pandemie um zwei Jahre verschoben wurde; sie hatte die Verlängerung von Messis Vertrag beim FC Barcelona verhindert.

Auch der Schuldenberg von PSG stellte kein Problem dar, wurde doch die Vereinbarung des «Financial Fairplay» der UEFA, nach der ein Verein in den zurückliegenden drei Jahren ein Defizit von maximal 30 Millionen Euro aufweisen darf, aufgeweicht.

Bei ihr habe es sich um eine «Revolution» gehandelt, die schon wieder untergraben sei, bedauerte der Sport-Wirtschaftswissenschaftler Jean-François Brocard. Verantwortlich dafür sei auch das Bremsen von Clubs wie PSG oder Manchester City, seinerseits im Besitz der Abu Dhabi United Group.

Nun wo Messi da ist, soll das Stadion grösser werden

So bestimmen reiche arabische Staaten über das europäische Fussball-Geschehen. Und das umso mehr, da PSG-Chef al-Khelaïfi gerade zum Vorsitzenden der Europäischen Clubvereinigung ECA gewählt wurde und im Exekutivkomitee der UEFA sitzt.

Nun enthüllte er noch weitere Ambitionen: Spätestens mit der Ankunft Messis sei eine Vergrösserung des Prinzenparks, der 47'000 Zuschauer fasst, unumgänglich, liess er gegenüber «L`Équipe» wissen.

Er habe hervorragende Beziehungen zur Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und setze auf gute Zusammenarbeit. «Sonst werden wir uns andere Optionen ansehen.» An Geld für solche anderen Optionen, das klang mit, sollte es nicht scheitern.

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