Radsport
Das kasachische Skandalteam darf weiter sein Unwesen treiben

Die von Doping-Skandalen triefende Astana-Equipe hat von der UCI die Lizenz für die Teilnahme an der World Tour erhalten – aus juristischen Gründen.

Christoph Leuchtenberg
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In Champagner-Laune: Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali.

In Champagner-Laune: Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali.

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Der Radsport-Weltverband UCI kapituliert im Doping-Kampf vor den eigenen Regeln, für die Verfechter sauberen Wettbewerbs war es ein Schlag ins Gesicht, und bei Astana stösst man auf einen gefühlten Freispruch mit Champagner an: Die Lizenzerteilung für das kasachische Skandalteam um Tour-Sieger Vincenzo Nibali ist ein neuerlicher Tiefpunkt für die ohnehin verheerend beleumundete Sportart.

«Die Situation bleibt überaus ernst. Astana fährt ganz klar auf Bewährung, wir werden die Situation genau verfolgen», sagte UCI-Boss Brian Cookson. Trotz fortgesetzter und nachgewiesener Betrügereien der Astana-Mannschaft des einschlägig mehrfach vorbelasteten Teamchefs Alexander Winokurow hatte der Weltverband keine juristische Handhabe für einen Lizenzentzug oder gar kompletten Ausschluss.

Unter strenger Beobachtung

Dabei war die Bewertung der Lizenz-Kommission an Deutlichkeit nicht zu überbieten. «Das Team hat im Hinblick auf Organisation des Kampfes gegen Doping und das betreuende Personal seine Verpflichtungen nicht eingehalten», hiess es in der Urteilsbegründung. Härtere Massnahmen als jene, dass sich Astana künftig in nicht näher dargelegtem Masse der Kontrolle des sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Lausanne unterwerfen muss, gab das UCI-Regelwerk aber nicht her.

Cookson und Co. mussten einsehen, dass ein Entzug aufgrund von Dopingvergehen juristisch nicht haltbar gewesen wäre. Bei Verstössen gegen finanzielle Vorgaben hingegen, ist eine Lizenzverweigerung problemlos möglich – der französischen Equipe Europcar wurde aus eben diesem Grund am Mittwoch die WorldTour-Startberechtigung entzogen.

Astana argumentierte clever

Astana und der – positiv formuliert – clevere Ex-Blutdoper Winokurow argumentierten, dass die eigene Nachwuchs-Mannschaft – in der drei der insgesamt fünf positiven Dopingtests in diesem Jahr aufgelaufen waren – als Team für sich zu betrachten und mittlerweile auch zurückgezogen worden sei.

Zudem berief sich Astana auf den Passus, dass laufende Ermittlungen bei der Lizenz-Erteilung nicht berücksichtigt werden dürfen. Und so musste die Lizenzkommission sogar zu Astanas Entlastung festhalten, dass das Team «eine Reorganisation des gesamten Betreuerstabes vorgenommen habe, um den Kampf gegen Doping zu verstärken.»

Es knallten die Korken

In Astanas Trainingslager im spanischen Calpe knallten nach dem Urteil die Korken, ein französischer Journalist hielt die sektlaunigen Saubermänner in spe im Bild fest. Nur Topstar Nibali sass relativ bedient abseits, das katastrophale Image seines Arbeitgebers schlägt ihm zusehends aufs Gemüt. Der Sizilianer kündigte an, Medien, die ihn mit Dopingarzt Ferrari in Verbindung bringen, verklagen zu wollen.

Dem Rest der Radsport-Welt war nach dem UCI-Verdikt weniger zum Feiern zumute. «Was dieser Sport für eine Lachnummer sein kann!», twitterte der britische Sky-Profi Peter Kennaugh: «Die sauberen Fahrer müssen zusammenstehen und diese Betrüger rausdrängen!»

Für Cookson selbst ist die Causa Astana die erste peinliche Pleite seiner Amtszeit. Im August hatte der neue UCI-Chef noch grosse Reden geschwungen und notorischen Betrügern schwere Zeiten vorhergesagt. Astanas Ruf ist bereits gründlich ruiniert, gefahren und getrickst wird unfassbarerweise aber weiter.

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