Mountainbike

Viele Schmerzen anstatt einer Medaille

Jolanda Neff (l.), auf dem Weg zum Olympischen Diplom.

Jolanda Neff (l.), auf dem Weg zum Olympischen Diplom.

Für Jolanda Neff endet das Mountainbike-Rennen in Rio mit einer Enttäuschung. Die St. Galler Rheintalerin und Mitfavoritin verpasst die Medaillenränge und muss sich mit Platz 6 begnügen.

Sie hatte es lange vermieden, dann warf Jolanda Neff doch noch einen ganz kurzen Blick nach hinten. Sie sah, wo sie unbedingt sein wollte, sie tat stattdessen das, was sie nicht wollte: Über Rückenschmerzen sprechen, während die Medaillen vergeben werden. Die Szenerie war so, als hätte der Regisseur Freude und Enttäuschung auf wenigen Quadratmetern einfangen wollen. Der Ort der Mixed Zone, die den Schweizer Athletinnen und Journalisten zugeteilt worden war, befand sich nur ein paar Meter hinter dem Podest – und dort liess sich gerade die Schwedin Jenny Rissveds Gold umhängen.

Rang 6 und Rückenschmerzen statt Medaille und Glückstränen. «Das Ziel war heute ein anderes gewesen», sagte Neff trocken. Ein olympisches Diplom, das ist immerhin etwas, aber wirklich glücklich machte das Neff nicht. Rang 8, zwei Plätze hinter Neff, freute sich dafür Linda Indergand über dieselbe Auszeichnung. Die Urnerin hatte die erste Geschichte des Tages geschrieben, als sie nach einem furiosen Start 38 Minuten lang einsam an der Spitze lag.

Es schien, als hätten die beiden taktiert und Indergand bestimmt, Tempo zu machen. «Ja, das Ziel war, dass wir beide gleich am Anfang vorne sind. Ich musste in der Verfolgergruppe kaum arbeiten», sagte Neff. «Nein, dass ich so weit vorne fahren würde, war nicht geplant», sagte Indergand. Man solle sich von ihrer «Flucht» auch nicht täuschen lassen: «Ich fuhr mein Tempo durch, in der zweiten Rennhälfte waren die anderen dann einfach zu schnell für mich.»

Freude bei Indergand

Und so ging das Rennen für Indergand mit einem gewonnen Sprint um Platz 8 und das Diplom und Glücksgefühlen zu Ende, während Neff die Ziellinie einsam und enttäuscht als Sechste überquerte. Beide verrieten unterschiedliche Pläne für die unmittelbare Zukunft: «Ich geniesse jetzt noch den letzten Olympiatag, gehe am Sonntag ans Männerrennen und an die Abschlussfeier», sagte Indergand. «Ich will herausfinden, was ich falsch gemacht und was ich möglicherweise unterschätzt habe vor Olympia», sagte Neff.

Für Neff gab es zum dritten Mal hintereinander im Cross Country im Kampf gegen die Weltelite an einem Grossanlass eine Enttäuschung zu erklären. Die zweimalige Gewinnerin des Gesamtweltcups belegte an den WM 2015 und 2016 sowie nun Olympia die Ränge 9, 8 und 6. Und stets standen ihr für eine Medaille gesundheitliche Probleme im Weg. Nun, in Rio, stellte Neff sich immer wieder dieselbe Frage: «Es ist mein Fehler. Aber was habe ich falsch gemacht?»

Nie von Medaille gesprochen

Neff hatte im Vorfeld des Olympiarennens immer wieder betont, dass ihr Hauptziel sei, gesund an den Start gehen zu können. Von einer Medaille sprach sie bewusst nie. Nun bekam die 23-jährige Ostschweizerin aus Thal ungewollt recht. «Vor dem Rennen hatte ich mich gut gefühlt, bereits beim letzten Cross-Country-Rennen in London war alles bestens verlaufen.»

Und auch das olympische Strassenrennen in Rio, an dem sie mit einem achten Rang ebenfalls ein erfreuliches Diplom errungen hatte, wollte Neff nicht als Ausrede gelten lassen: «Ich hatte mich gut erholt. Es lagen zwei Wochen zwischen den beiden Rennen, das reichte.»

Während dreieinhalb der sechs Runden hielt Neff gestern mit Rissveds und der polnischen Silberfrau Maja Wloszczowska mit. Es schien, als würde dieses Trio die Medaillen unter sich ausmachen. Doch dann verlor Neff bis zum Ende der vierten Runde eine halbe Minute auf das Duo, danach wurde sie auch noch von den Kanadierinnen Catharine Pendrel und Emily Pendrel überholt. Es blieb die bittere Erkenntnis: «Wenn der Rücken sich bemerkbar macht, geht es halt nicht mehr.»

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