Tour-Titel zu vergeben

Wer rückt für gefallenen Lance Armstrong nach?

Tief gefallen: Lance Armstrong.

Tief gefallen: Lance Armstrong.

Heute entscheidet die UCI darüber, wer als Tour-Sieger für Lance Armstrong nachrücken wird. Das Dilemma: Fast alle Nächstplatzierten sind oder waren belastet. Verbandschef Pat McQuaid gerät zunehmend unter Druck.

Nach dem Bannstrahl gegen Radsport-Mythos Lance Armstrong will der Weltverband UCI heute am Genfersee nach dem Weg aus der grössten Krise des Radsports suchen. Doch nur wenige trauen der Führung um den belasteten Präsidenten Pat McQuaid die Lösung zu. Neben John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, fordern auch viele andere längst dessen Rücktritt.

Der dreimalige Tour-Sieger Greg LeMond (USA) bezeichnete den Iren zusammen mit dessen Vorgänger Hein Verbruggen als «Inbegriff der Korruption» und verbreitete über Facebook: «Ich habe in der Radsport-Geschichte noch nie einen solchen Machtmissbrauch gesehen. Pat, wenn du den Radsport liebst – tritt zurück. Wenn du ihn hasst – tritt auch zurück.» John Fahey machte deutlich: «Niemand, der in Armstrongs Jahren bei der UCI an verantwortlicher Stelle tätig war, kann noch rechtfertigen, weiterhin an der gleichen oder einen ähnlichen Stelle zu sein.»

Nächstplatzierte auch belastet

Dessen ungeachtet will die angeschlagene UCI heute in ihrem Hauptquartier in Aigle klären, wer für den lebenslang gesperrten Amerikaner von 1999 bis 2005 als Toursieger nachrücken soll. Doch eine salomonische Lösung scheint es nicht zu geben. Das Dilemma: Fast alle Nächstplatzierten sind oder waren belastet.

Lässt die UCI in der schwarzen Ära ihrer Sportart weisse Flecken in der Siegerliste, macht sie automatisch deutlich, dass die Fahrer nicht präsentierbar sind. «Dadurch ist deren Unschuldsvermutung aufgehoben. Ich bin gespannt, wie der Radsport dann erklären will, dass niemand nachrückt und dass gegen diese Fahrer keine Schritte eingeleitet werden sollen», sagt die frühere deutsche Radsport-Präsidentin Sylvia Schenk als Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.

Rogge hat inzwischen wissen lassen, dass der Radsport weiter Bestandteil des Olympischen Programms bleiben soll. Das IOC will nach den Worten des Präsidenten erst abwarten, wie die UCI heute entscheidet, bevor sie sich mit der möglichen Aberkennung der olympischen Bronzemedaille von Armstrong von den Sommerspielen 2000 in Sydney befasst. (sid)

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