Ski alpin
«Alles ist extrem schnell gegangen»: Yannick Chabloz wird vom Erfolg überrumpelt

Der Nidwaldner Skirennfahrer Yannick Chabloz (22) machte zuletzt einen grossen Schritt vorwärts. Jetzt startet er in Kitzbühel.

Peter Gerber Plech
Drucken
Yannick Chabloz holte in diesem Winter die ersten Weltcup-Punkte.

Yannick Chabloz holte in diesem Winter die ersten Weltcup-Punkte.

Bild: PD

Yannick Chabloz musste zu Hause zuschauen, wie der Österreicher Vincent Kriechmayr am Samstag zum Sieg am Lauberhorn fuhr. Statt selbst in Wengen um Hundertstelsekunden zu kämpfen – es wäre seine Lauberhorn-Premiere gewesen – blieb dem Nidwaldner nur der Blick auf den TV-Schirm. Dabei war seine Ausgangslage irgendwie vergleichbar mit jener von Kriechmayr, der die Starterlaubnis erhielt, obwohl er nach seiner Coronaerkrankung erst nach den Trainings in Wengen eingetroffen ist. «Die Situation war schon eine andere», sagt jedoch Chabloz, der seine Quarantäne nach positivem Coronatest am Montag der Vorwoche beenden durfte.

«Ich hätte im Gegensatz zu Kriechmayr die Lauberhorn-Abfahrt nicht ohne Training bestreiten können. Er ist ein ganz anderes Kaliber und kennt die Strecke in- und auswendig. Ich hingegen kenne vom Europacup her nur den oberen Teil. Zudem hätte ich auch die interne Qualifikation überstehen müssen.»

Kommt hinzu, dass die PCR-Tests beim Nidwaldner lange kein negatives Resultat angezeigt haben. «Schade halt, weil in Wengen wäre ich gerne dabei gewesen. Aber hadern hilft nichts. Akzeptieren und vorwärtsschauen.»

Beeindruckende Entwicklung

Der 22-Jährige klingt wie ein Athlet mit jahrelanger Erfahrung im Weltcup. Aber genau diese geht dem Speed-Spezialisten aus Beckenried noch ab. Die Entwicklung, die Chabloz‘ Weg in den letzten Monaten genommen hat, ist aber durchaus beeindruckend. Im November feierte er seine Weltcup-Taufe im kanadischen Lake Louise. Dann holte er in Gröden (13. Rang) sensationell in seinem zweiten Weltcup-Rennen die ersten Punkte und verpasste weitere in Bormio nur knapp. «Das ist definitiv alles extrem schnell gegangen. So etwas hätte ich mir nach der Saisonvorbereitung nie erträumen dürfen», sagt Chabloz. «Ich bin einer, der in seiner Entwicklung immer schrittweise vorwärtsgekommen ist, aber die letzten Schritte waren unüblich gross. Innerhalb von drei Wochen der erste Start im Weltcup, der erste Sieg im Europacup, die ersten Weltcup-Punkte. Das Ziel für den Winter 2021/22 ist ursprünglich gewesen, mir im Europacup einen fixen Startplatz für den Weltcup 2022/23 zu sichern. Nach Gröden sind die Top 30 im Weltcup als Ziel in den Fokus gerückt.» Diese Zielsetzung ist aufgrund der Covid-Infektion und dem damit verbundenen Verpassen von Speed-Rennen sowohl im Weltcup wie auch im Europacup schon wieder überholt.

«Nach Kitzbühel muss ich die Ziele neu überdenken. Ein Vorteil dabei ist, dass sich die Termine nicht mehr überschneiden und die Welt- und Europacup-Rennen an unterschiedlichen Daten stattfinden.»

Im Fall von Chabloz, der in der Weltcup-Startliste nicht in den Top 30 zu finden ist, macht es Sinn, dass die Planung von Rennen zu Rennen gemacht wird und er den Blick gemeinsam mit den Trainern sowohl auf den Welt- wie auch auf den Europacup richtet.

Er will sich sein eigenes Bild von der Streif machen

Aus dem Lauberhorn wurde also nichts. Jetzt wartet schon Kitzbühel. Chabloz reist heute in die Gamsstadt und wird sich am Mittwoch zum ersten Mal mit der Streif befassen. Eine Piste, die dem zweifachen Medaillengewinner an der Universiade 2019 noch völlig unbekannt ist. «Den Kinofilm zur Streif habe ich mal gesehen. Und natürlich die TV-Übertragungen der Rennen früherer Jahre. Aber das war’s dann auch schon», sagt Chabloz.

Während der Nidwaldner Kollege Marco Odermatt sich vergangene Woche bei der Lauberhorn-Besichtigung an die Fersen von Carlo Janka geheftet und sich den Bündner als Lehrmeister und Berater ausgesucht hat, vertraut Chabloz auf seine eigene Wahrnehmung. Geschichten über die «schwierigste Abfahrt der Welt» wird der Rookie in den nächsten Tagen so oder so zur Genüge zu hören bekommen. Deshalb will er sich im Kontakt mit der Piste sein eigenes Bild machen können. Das habe bereits in Bormio ganz gut funktioniert, sagt Chabloz. Und schliesslich habe er auch die Gewissheit, jederzeit bei den Routiniers nach Tipps fragen zu dürfen, gibt sich der Beckenrieder selbstbewusst. Eine Vorgehensweise, die in Lake Louise, Gröden und Bormio funktioniert hat, kann auch für das von Mythen umwobene Kitzbühel nicht falsch sein.