Die Zeit der Schmerzen für die Urner Skirennfahrerin Eliane Christen ist vorüber

Die Urnerin Eliane Christen fiel wegen eines Schienbeinbruches lange aus. Nun ist sie wieder auf den Pisten anzutreffen.

Peter Gerber Plech
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Eliane Christen blickt wieder positiv in die Zukunft.

Eliane Christen blickt wieder positiv in die Zukunft.

Bild:Jakob Ineichen (Andermatt, 15. Februar 2020)

Geduld gehört nicht zu den prägenden Eigenschaften von Eliane Christen. Doch genau die Fähigkeit zu warten und die Zeit zu ertragen, in welcher es für sie keine Skirennen geben kann, steht seit vielen Monaten im Zentrum des Lebens der 21 Jahre alten Urnerin. Was sie seit dem 28. November 2018 und dem in Arosa erlittenen Schien- und Wadenbeinbruch nicht verloren hat, sind die Zuversicht, das Lachen und der Traum, als erfolgreiche Rennfahrerin auf die Piste zurückkehren zu können. Es war ein glatter Bruch oberhalb des Schuhrandes. Ohne Absplitterung, ohne Trümmer. Und dennoch ist dieser Weg zurück wegen einer Zusatzschlaufe länger als geplant. Und eine grosse Wegstrecke liegt noch vor der Urnerin.

Der Grund für diesen Umweg: Eliane Christen musste Mitte Dezember 2019 die im Schien- und im Wadenbein steckenden Marknägel und die Schrauben entfernen lassen. Diese Fremdkörper, die für die weitere Genesung nicht mehr unabdingbar gewesen sind, haben ein schmerzfreies und damit auch ein mental unbelastetes Skifahren unmöglich gemacht. «Bereits bei den ersten Versuchen hatte ich Schmerzen. Da habe ich aber noch gedacht, dass diese Schmerzen mit der Zeit weniger werden und dies ein normaler Prozess sei», sagt Christen. Die Schmerzen waren täglich da – mal in erträglichem Rahmen, mal über die Grenze des Erträglichen hinaus. Und es wurde nicht besser. Weder im Trainingsbetrieb noch beim freien Fahren. «Ich habe es versucht, auch mit Stangentraining. Aber jeder Schlag hat sofort geschmerzt.» Die Entscheidung, auch wenn die Folge davon ein zweiter Winter ohne Skirennen ist, musste gefällt und das Metall aus dem Unterschenkel entfernt werden. Jetzt ist die Hos­pentalerin die Fremdkörper los und die tagebuchähnliche Niederschrift, in welcher Eliane Christen unter anderem jeweils gemachte Fortschritte dokumentiert, um einige Worte und Bilder reicher.

Die Slalomstangen bleiben noch im Lager

Zu akzeptieren, dass auch der Winter 2019/20 ohne Renneinsatz verlaufen wird, sei hart gewesen. Pragmatikerin Christen sagt aber: «Es ist halt so, wie es eben ist. Ich habe versucht und werde immer versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.» Mit Katja Grossmann, die eine identische Verletzung hinter sich hat, hat sich Eliane Christen öfter ausgetauscht. Über Situationen nach den Operationen und vor der Rückkehr auf den Schnee zum Beispiel. Auch die Arbeit bei Imholz Sport in Andermatt, wo Eliane Christen in der Skivermietung tätig ist, hilft. Denn manchmal sei Ablenkung auch richtig und wichtig, sagt sie.

Eliane Christen steht mittlerweile wieder auf den Skiern. Zwar bleiben die Torstangen bis zur nächsten medizinischen Kontrolle gebündelt und im Lager. Freies Skifahren aber geht. Sie sei froh darüber, dass sie sich in den zwölf Skitagen vor der Nagelentfernung wegen allfälliger Schonhaltungen keine Fehlstellung oder technischen Fehler angeeignet habe. Sie freue sich jetzt darauf, endlich wieder Slalom trainieren zu dürfen, «slapping plastic» zu praktizieren, wie die Amerikaner dem Wegbefördern der Slalomstangen mit dem Handschutz am Skistock sagen.

Nächstes Ziel ist das Kader-Sommertraining

Aufgeben, die junge Skikarriere wegen eines Unfalls beenden, war für Eliane Christen nie eine Option. «So hätte ich auf keinen Fall aufhören können. Ich werde es noch einmal mit aller Energie versuchen. Ich will mir nicht später vorwerfen müssen, es nicht versucht zu haben.»

Eliane Christens grosses Ziel ist, dass sie mit den Kolleginnen des Swiss-Ski-C-Kaders gemeinsam ins Sommertraining einsteigen kann. Bis dahin, das weiss die Urnerin, muss sie noch einige Schweisstropfen vergiessen. Bei diesem Anlauf mit Umwegen hilft der 21-Jährigen eine sie wirklich prägende Eigenschaft: der Ehrgeiz.

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