Leichtathletik
10,20 auf 100 Meter: Reais gelingt ein Lauf für die Geschichtsbücher

An den Schweizer Meisterschaften U23/U20 in Nottwil sorgt William Reais (22) aus Kriens für den Höhepunkt.

Jörg Greb
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In starker Spätform: William Reais verbessert den 100-m-Rekord in der Kategorie U23 erneut.

In starker Spätform: William Reais verbessert den 100-m-Rekord in der Kategorie U23 erneut.

Er hüpfte, tanzte, strahlte. Schon wieder. Der 22-jährige William Reais verbesserte auf der schnellen Piste des Paraplegikerzentrums Nottwil seinen eigenen 100-m-Rekord bei den U23 um 2 Hundertstel. 10,20 Sekunden, ein Topwert. «Das ist mega gewesen», sagte der Churer, der der Leichtathletik wegen nach Kriens zog und am Spitzensportzentrum OYM in Cham von den exzellenten Möglichkeiten profitiert.

Überrascht zeigte sich Reais wenig. «Ich bin in Form und war überzeugt gewesen, dass eine Steigerung möglich ist», sagte er. Zwei Wochen zuvor war das Staunen beim Berner Citius-Meeting noch grösser gewesen. Dort verbesserte Reais den U23-Rekord zum ersten Mal. Ein gewisser Alex Wilson, Elite-Rekordhalter mit 10,08 Sekunden, war sein Vorgänger gewesen. Auf seine Paradedisziplin 200 m verzichtete Reais in Nottwil. Das Verpassen einer weiteren Goldmedaille nahm er damit bewusst in Kauf. Die folgenden Tage liefern die Erklärung. Bei Weltklasse Zürich diesen Donnerstag hat er eine Wildcard erhalten für das 200-m-Rennen. «Eine unglaubliche Möglichkeit», findet er. Darauf will er sich «voll fokussieren» und seine Leistung abrufen. In einem hochkarätigen Feld gegen die Weltbesten wird er dies tun dürfen. «Da treffe ich auf andere Kaliber – und das in geballter Konzentration», sagt er. Bei Olympia hatte sich Reais bereits auf dieser Ebene präsentiert. Bis in den Halbfinal drang er vor. Stimmen die Witterungsbedingungen am Donnerstag, ist ihm zuzutrauen, dass er seine persönliche Bestmarke von 20,24 Sekunden toppt.

Die hervorragende Spätform ebenfalls unter Beweis gestellt hat Reais‘ Trainingskollegin, die Baarerin Silke Lemmens. Auch die 400-m-Spezialistin lief über die halbe Distanz. Und obwohl sie den Titel verpasste – Léonie Pointet, die topschnelle Waadtländerin steigerte sich auf 23,23 Sekunden – hatte die 21-Jährige allen Grund zur Freude: Sie pulverisierte ihre bisherige Bestmarke um gewaltige 54 Hundertstel und steigerte sich auf 23,47 Sekunden – nur Mujinga Kambundji, Ajla Del Ponte, Pointet und Cornelia Halbheer liefen in diesem Jahr schneller. Auch mit Lemmens dürfte also bei Weltklasse Zürich zu rechnen sein (über 400 m).

Léonie Pointet mit Knalleffekt

Das hochstehende Niveau der Titelkämpfe – sie fanden bei besten Witterungsbedingungen statt – unterstrich aber vor allem Léonie Pointet am ersten Wettkampftag, und zwar mit einem Knalleffekt. Mit 11,20 Sekunden pulverisierte die U23-EM-Halbfinalistin von Tallinn im Juli ihre eigene persönliche Bestmarke (11,36 Sekunden aus dem Vorlauf) um nicht weniger als 16 Hundertstel. Und stellte damit den U23-Schweizer-Rekord von Mujinga Kambundji ein. In diesem Jahr ist keine europäische U23-Sprinterin schneller gelaufen als Pointet.

Für besondere Erfolgsmeldungen aus Innerschweizer Sicht sorgten drei weniger bekannte Namen mit ihren Meistertiteln: Roman Renner (TSV Rotkreuz) verteidigte seinen U23-Titel über 5000 m. Bei den U20 setzten sich Navid Kerber (LA Nidwalden) über 800 m und Ronja Wengi (LK Zug) im Weitsprung durch.

Nottwil. Schweizer Meisterschaften U20 und U23. Männer. U23. 100 m: 1. William Jeff Reais (Zürich) 10,20. 7. Noah Attalla (Rothenburg) 10,78. 8. Nino Portmann (Nidwalden) 10,85 (HF 10,81). – 200 m: 1. Bradley Lestrade (Lausanne) 20,88. 5. Nino Portmann 21,67. – 800 m: 1. Robin Oester (Thun) 1:53,30. 7. Sämi Duss (Sarnen) 1:59,92 (VL 1:58,44). – 5000 m: 1. Roman Renner (Rotkreuz) 14:50,86. 6. Sandro Schmid (Zug) 15:20,37. – 110 m Hürden: 1. Finley Gaio (Liestal) 13,66. 5. Nino Portmann 15,23. – Weit: 1. Simon Ehammer (Teufen) 7,91. 4. Nino Portmann 7,02. 5. Michael Hofmeister (Nidwalden) 6,88. 8. Luis Hasler (Inwil) 6,53. – Drei: 1. Valentin Hofstetter (Teufen) 14,47. 2. Noah Dje (Luzern) 14,39. – Diskus: 1. Gian Vetterli (Ascona) 48,44. 6. Nino Portmann 41,02. – Speer: 1. Simon Wieland (Simon) 74,75. 2. Fabian Steffen (Altbüron) 59,68. – U20. 100 m: 1. Lucien Kern (Aarau) 10,62. – 200 m: 1. David Naki (Düdingen) 21,18. 2. Nico Wyss (Luzern) 21,85 (VL 21,81). – 400 m: 1. Alexander Voegelin (Zürich) 49,54. 3. Jonas Duss (Sarnen) 50,92. – 800 m: 1. Navid Kerber (Nidwalden) 1:55,15. – 5000 m: 1. Salam Ali Abdi (Uster) 14:59,77. 5. Lionel Schneider (Sempach) 16:43,16. – 110 m Hürden: 1. Nicola Fumagalli (Bellinzona) 14,04. 5. Noah Dje (Luzern) 14,44. 6. Lars Mäsing (Brunnen) 15,45. – Stab: 1. Leo Pedrioli (Ascona) 4,60. 2. Fabio Kissling (Brunnen) 4,40. 5. Lars Mäsing (Brunnen) 4,05. – Weit: 1. Cyrill Kernbach (Zürich) 7,42. 4. Noah Dje 7,07. 7. Lars Mäsing 6,76. 12. Fabio Kissling (Brunnen) 6,52. – Kugel: 1. Jephté Vogel (Alle) 18,33. 6. Lars Mäsing 13,52. 12. Fabio Kissling 12,20. – Diskus: 1. Jephté Vogel 48,65. 11. Fabio Kissling (Brunnen) 37,29. 13. Mathias Schmutz (Sarnen) 36,53. – Hammer: 1. Raphaël Hostettler (La Chaux-de-Fonds) 63,52. 2. Lars Wolfisberg (Sarnen) 61,48. – Speer: 1. Jan Gredig (Chur) 57,55. 8. Cedric Achermann 48,15. Frauen. U23. 100 m: 1. Léonie Pointet (Riviera) 11,20. Jana Maestri (Inwil) 12,83. – 200 m: 1. Léonie Pointet 23,23. 2. Silke Lemmens (Zürich) 23,47. – 400 m: 1. Yasmin Giger (Zürich) 53,30. 3. Julia Niederberger (Nidwalden) 54,32. – 1500 m: 1. Delia Sclabas (Bern) 4:22,08. 5. Amy Leibundgut (Alpnach) 4:39,41. 8. Rahel Blättler (Nidwalden) 4:45,47. – 5000 m: 1. Alina Sönning (Albis) 17:19,91. 2. Rahel Blättler (Nidwalden) 17:48,43. 3. Amy Leibundgut (Alpnach) 18:05,06. 4. Anna Jurt (Nidwalden) 18:16,11. – 100 m Hürden: 1. Lydia Boll (Schaffhausen) 13,58. 2. Sandra Röthlin (Nidwalden) 13,62. – 100 m Hürden: 1. Lena Wernli (Zürich) 59,28. 6. Vera Stocker 62,98. – Hoch: 1. Céline Berger (Thierstein) 1,73. 5. Sandra Röthlin (Nidwalden) 1,62. – Weit: 1. Lydia Boll 6,05. 5. Sandra Röthlin 5,74. 9. Lynn Helfenstein (Rothenburg) 5,39. – Kugel: 1. Miryam Mazenauer (Teufen) 15,02. 2. Sandra Röthlin (Nidwalden) 13,36. – Diskus: 1. Chiara Baumann (Zürich) 44,95. 2. Sandra Röthlin (Nidwalden) 43,95. – Speer: 1. Lydia Boll (Schaffhausen) 46,11. 7. Sandra Röthlin (Nidwalden) 38,87. – U20. 200 m: 1. Selina Furler (Gränichen) 24,29. – 400 m: 1. Manon Berclaz (Sion) 56,16. Silvana Felix (Luzern) 62,49. Jana Grüter (Willisau) 65,60. – 800 m: 1. Lilly Nägeli (Uster) 2:10,14. 5. Katharina Hirt (Rotkreuz) 2:16,30. – 1500 m: 1. Valentina Rosamilia (Aarau) 4:19,31. Nina von Atzigen (Alpnach) 5:09,78. – 100 m Hürden: 1. Alina Frei (Landquart) 14,15. 3. Ronja Wengi (Zug) 14,33 (HF 14,32). – Hoch: 1. Marithé Engondo (Lausanne) 1,80. 5. Larissa Schwyter (Galgenen) 1,60. – Stab: 1. Sina Ettlin (Fricktal). 3,85. 2. Ronja Wengi 3,70. – Weit: 1. Ronja Wengi 5,95. – Hammer: 1. Kathrin Budmiger (Sarnen) 41,74.

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