Eishockey
EHC Seewen ist so gut wie noch nie: Eine Saison für die Geschichtsbücher

Der EHC Seewen bestreitet den Playoff-Halbfinal der MySports League. Es ist der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte.

Michael Wyss
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Seewens Calvin Schleiss (Mitte) wird von den Huttwilern René Bruni (links) und Jerome Portmann bedrängt.

Seewens Calvin Schleiss (Mitte) wird von den Huttwilern René Bruni (links) und Jerome Portmann bedrängt.

Bild: Erhard Gick (Huttwil, 3. März 2022)

«Dass wir die Qualifikation in der MySports League auf dem vierten Tabellenrang abgeschlossen haben, Topteams wie Dübendorf oder Martigny hinter uns klassiert waren, im Viertelfinal Dübendorf ausschalteten und nun im Halbfinal stehen, ist kein Zufall», sagt Sandro Steiner. Der 25-jährige Flügel, der in Schwyz aufgewachsen ist und beim EHC Seewen die Freude zum Eishockey entdeckt hat, ist ein waschechter Seebner, wie die Eishockeyaner vom Schwyzer Talkessel auch genannt werden. Er spielt seit der Saison 2014/2015 in der ersten Mannschaft und hat die positive Entwicklung der letzten Jahre hautnah miterlebt.

Steiner sagt: «Die Routiniers nehmen ihre Vorbildfunktion wahr und die jungen Spieler übernehmen Verantwortung, zudem verfügen wir über ein starkes Torhüterduo. Der Mix aus jungen und routinierten Spielern könnte nicht besser sein.» Der Teamgeist sei sehr gut.

«Wir haben keine Häuptlinge im Team. Wir sind eine Einheit. Es geht nur gemeinsam.»

Dennoch überragte ein Akteur in der Qualifikation: Mit Claudio Zurkirchen verfügten die Schwyzer über den Ligatopskorer mit 36 Punkten (11 Tore; 25 Assists).

Lob für das Trainerduo

Grossen Anteil am Erfolg in Seewen haben auch die Trainer Albert Malgin (55) und Robert Küttel (45). «Sie haben uns einen Plan gegeben, den wir versuchen umzusetzen. Sie leben für das Eishockey und sind super Motivatoren», so Steiner. Malgin stürmte während seiner Aktivzeit unter anderem für Chur und Olten in der zweithöchsten Liga und ist mit dem Schweizer Eishockey bestens vertraut, Küttel ist ein Ur-Seebner und kennt als langjähriger Spieler und Trainer des Fanionteams den Verein in- und auswendig. Mit dem Seebner Eigengewächs Mike Arnold (29) verfügt das Fanionteam zudem über einen Sportchef, der hervorragende Arbeit verrichtet und die richtige Mischung im Kader findet.

Auch Seewens Captain Simon Schnüriger weiss die Gründe für den grössten Erfolg in der 71-jährigen Vereinsgeschichte: «Wir haben ein breites Kader, vier ausgeglichene Linien und zwei Torhüter, auf die Verlass ist.» Ausserdem ist der Kern der Mannschaft in der jüngsten Vergangenheit zusammen geblieben, was zum Vorteil hat, dass man die Mannschaft nicht mehr neu bilden muss. Der 30-jährige Verteidiger Schnüriger sagt:

«Auch die Fans tragen uns bei den Heimspielen. Das beflügelt uns.»

Die Belle im Viertelfinal gegen Dübendorf erlebten 1291 Anhängerinnen und Anhänger in Seewen, bei der bitteren 3:4-Niederlage nach Verlängerung am vergangenen Samstag gegen die Huttwil Falcons im Halbfinal wohnten 937 Fans im Stadion Zingel bei. In der Serie (Best-of-5) führt die Huttwil mit 2:0. Das dritte Spiel findet heute (20 Uhr, Eishalle Campus Huttwil, Schwarzenbach) statt. «Dass wir den Halbfinal erreichten, ist eine grosse Sache für uns. Doch wir wollen mehr. Mit einem Sieg ist die Spannung zurück», zeigt sich Stürmer Sandro Steiner kämpferisch. Ärgerlich waren in den beiden ersten Duellen die frühen Gegentreffer. Steiner: «In Huttwil lagen wir nach 15 Minuten 0:3 in Rückstand, am Samstag nach sieben Minuten 0:2. Das müssen wir abstellen. Das war nicht förderlich für unser Spiel.»

Seit 2018 in der dritthöchsten Liga

1979 feierten die Seebner den Aufstieg in die 2. Liga, 1986 stiegen sie erstmals in die 1. Liga auf. In den Folgejahren pendelte das Fanionteam immer zwischen der 1. und 2. Liga. In der jüngsten Vergangenheit mauserte sich der EHC Seewen zu einem Spitzenteam in der 1. Liga. Seit 2018 spielen die Schwyzer in der im gleichen Jahr gegründeten MySports League, der dritthöchsten Spielklasse in der Schweiz.

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