Fussball
Der FC Sempach hadert mit dem Kunstrasen auf der Luzerner Wartegg

Obergeissenstein schlägt Sempach mit 2:1. Für Diskussionsstoff sorgt die neue Plastikunterlage auf der Wartegg.

Stephan Santschi
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Obergeissensteins Mittelfeldspieler Miro Bassi (rechts) versucht den Sempacher Yanick Fölmli abzuschütteln.

Obergeissensteins Mittelfeldspieler Miro Bassi (rechts) versucht den Sempacher Yanick Fölmli abzuschütteln.

Elio Wildisen ist nicht nur der Captain des SC Obergeissenstein, sondern er schreibt für den Zweitligisten auch die Matchberichte auf der Vereins-Website. Auf die Frage, welchen Titel er für den Beitrag zum Spiel gegen Sempach wählen wird, antwortete er mit einem Schmunzeln: «Dreckig gewonnen.» Es war in der Tat kein fussballerisches Kunstwerk, das am Samstag zum 2:1-Sieg gegen einen stärker eingestuften Konkurrenten führte. Dafür überzeugten die Stadtluzerner in kämpferischer Hinsicht umso mehr. «Wir haben während des gesamten Spiels drei Torchancen gehabt. Am Ende brachten wir die Führung irgendwie über die Runden, mit Fouls, mit Zeitspiel. Für dass wir so jung sind, war das eine sehr reife Leistung», resümierte Verteidiger Wildisen.

Tatsächlich deutete zunächst wenig auf einen Erfolg des Heimteams hin. Sempach startete furios, war spielerisch überlegen und erarbeitete sich in der Startviertelstunde vier gute bis sehr gute Abschlussmöglichkeiten. Entweder scheiterten die Gäste aber am eigenen Unvermögen oder am starken OG-Keeper Jérome Hajnal. In der 17. Minute ging Obergeissenstein sogar in Führung – sprichwörtlich aus heiterem Himmel. Eine scharfe, technisch brillante Hereingabe von Michael Stalder verwertete Stürmer Aidan Uebelmann per Kopf zum 1:0.

In der Folge glich sich die von Schiedsrichter Astrit Elmazi souverän geleitete Partie aus, Sempach verlor die Sicherheit im Passspiel und damit seine Überlegenheit.

Sempach «muss sich an eigener Nase nehmen»

Nach einer halben Stunde sorgte Obergeissenstein für den nächsten Paukenschlag. Eine Hereingabe von rechts rutschte einem Sempacher unter dem Fuss durch, wofür sich Michael Stalder mit einem harten Schuss aus nächster Nähe zum 2:0 bedankte. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, das Augenmerk auf die Spielunterlage zu richten. Der vor einem Jahr verlegte Kunstrasen ist ein Produkt der neusten Generation ohne Granulat, wobei die Version auf dem Sportplatz Wartegg einen eigenartigen Charakter hat.

Wird er gewässert, was vor dem Anpfiff reichlich der Fall ist, rollt der Ball sehr schnell und die Spieler rutschen ungewöhnlich oft aus. Trocknet er ab, erhalten Flachpässe aufgrund der hohen, steifen Plastikhalme zuweilen unberechenbare Richtungswechsel. Während sich die Spieler des SCOG in zwei wöchentlichen Trainings mit den besonderen Umständen vertraut machen können, tun sich die Gästeteams regelmässig schwer, so auch Sempach. «Dieser Kunstrasen ist gewöhnungsbedürftig, ich weiss nicht, was da schiefgelaufen ist», rätselte Trainer Elvis Velic. Eine Ausrede suchte er aber nicht. «Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Wir hatten sehr viele Chancen.»

Obergeissenstein hat Lust auf mehr

Immerhin fand sein Team durch eine artistische Direktabnahme von Rafael Gomes Machado noch vor der Pause zum Anschlusstreffer und damit zurück ins Spiel. Nach dem Seitenwechsel hatte Sempach mehr Ballbesitz, verzeichnete in der 50. Minute einen Lattenschuss, tat sich insgesamt aber schwer, konkret auf den Ausgleich hinzuarbeiten. «Der Spielverlauf kam dem SCOG sehr gelegen. Wenn er führt, macht er mit acht, neun Leuten hinten gut zu», hielt Velic fest. Immer wieder schrie er an der Seitenlinie «Box! Box!», doch zu selten fanden seine Akteure den gewünschten Weg in den Strafraum Obergeissensteins.

Und so jubelte am Ende das Heimteam, freute sich zurecht über eine grosse Fleissleistung. Nach vier Runden hat OG sieben Punkte auf dem Konto. «Wegen unseres dünnen Kaders war ich zu Beginn nicht sehr optimistisch», gibt Elio Wildisen zu, nun wolle man sich im Gegensatz zu den letzten Jahren aber nach oben orientieren. Das gleiche hat auch Sempach im Sinn, nach gutem Start mit zwei Siegen gingen nun allerdings zwei Partien verloren. «Beide Niederlagen waren nicht verdient», sagt Trainer Elvis Velic und er betont: «Wir können uns fast nur selbst schlagen. Wir haben die Qualität, um gegen jedes Team zu gewinnen.»

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