«Ich setze mir kein Limit»: Swiss Central Basket hat einen neuen Profi

Der 33-jährige Amerikaner Jermale Jones gibt morgen in Luzern Reussbühl seine Heimpremiere mit Swiss Central Basketball.

Daniel Schriber
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Jermale Jones auf dem Luzerner Mühleplatz: Der 33-Jährige will für Swiss Central Basket «wieder Siege in die Stadt bringen».

Jermale Jones auf dem Luzerner Mühleplatz: Der 33-Jährige will für Swiss Central Basket «wieder Siege in die Stadt bringen».

Bild: Daniel Schriber (Luzern, 14. Oktober 2020)

15-jährige Fussballer, die von europäischen Spitzenmannschaften unter Vertrag genommen werden. Amerikanische Nachwuchs-Basketballer, die Schuhverträge unterzeichnen, bevor sie ihr erstes Profispiel absolvieren. Bei manchen Sportlern scheint der Erfolg vorprogrammiert zu sein. Nicht so bei Jermale Jones. Der neue Spielmacher von Swiss Central Basketball hat in jungen Jahren ja noch nicht einmal selber daran geglaubt, dass es mal klappen könnte mit der Profikarriere. Nach seiner Laufbahn in der zweithöchsten College-Liga (NCAA II) und seinem Abschluss in den Fächern Computerwissenschaften und Business Administration, machte sich Jones bereits Gedanken über seine berufliche Karriere.

Doch dann kam alles anders. «Ein guter Freund von ihm wurde von einem Klub in der zweiten Bundesliga engagiert», erzählt Jones. Durch diesen direkten Draht nach Deutschland erhielt Jones die Chance, ebenfalls nach Europa zu fliegen und dort zu trainieren. Wenig später erhielt der Amerikaner seinen ersten Profikontrakt beim Zweitligisten Bernau bei Berlin.

Nun startet er in sein zehntes Profijahr

Im Anschluss wechselte er für mehrere Jahre zu Lich Basketball. Die Kleinstadt unweit der Universitätsstadt Giessen bezeichnet Jones heute als «zweite Heimat». Zwar war der heute 33-Jährige im Laufe seiner neunjährigen Karriere auch noch in Luxemburg und Rumänien aktiv – doch der Kontakt zu Lich blieb stets bestehen. «Die Leute dort sind wie eine Familie für mich.»

Nun also startet Jones bei Swiss Central Basketball (SCB) in sein zehntes Profijahr. Er weiss, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade auf den Spielmacher- und Flügelpositionen, auf denen auch Jones spielt, ist die Konkurrenz riesig. Jedes Jahr kommen Hunderte junge und topmotivierte Spieler aus den USA auf den Markt.

Gleicher Sport, unterschiedliche Spielweise

Dass sich der knapp über 1,80 Meter grosse Jones bis heute behaupten kann, hat verschiedene Gründe. Einen davon erwähnte SCB-Coach schon früher in dieser Zeitung: «Jermale kennt den Basketball und das Leben in Europa.» Was simpel klingt, stellt für viele Rookies eine Herausforderung dar. Denn auch wenn es nur Nuancen sein mögen: Basketball wird auf diesem Kontinenten etwas anders gespielt als drüben in den USA. Während dort oftmals einzelne Starspieler im Fokus stehen, geht der Erfolg in Europa fast immer über das Teamspiel. «Und genau das liegt mir», sagt Jones, während er in einem Kaffee am Mühleplatz zu einem Schluck Cappuccino ansetzt. «Wenn es sein muss, kann ich punkten. Es macht mir aber genau so viel Spass, meine Mitspieler in Szene zu setzen.»

Diese Einstellung war denn auch einer der Hauptgründe, weshalb sich Swiss Central diesen Sommer für den routinierten Neuzugang entschieden hat. «Wir suchten nach einem Spieler, der bereit und fähig ist, mit unserer jungen Mannschaft zusammenzuarbeiten.» Dass er das kann, bewies Jones bereits beim ersten Saisonspiel in Vevey. Der Amerikaner steuerte nicht nur 28 Punkte, sondern auch sieben Assists zum 83:71-Auswärtssieg gegen Lavaux Riviera Basket bei – beides Spitzenwerte.

«Fühle mich grossartig»

Jones, der in Alabama und damit im tiefen Süden der USA aufgewachsen ist, freut sich auf die Heimpremiere in Reussbühl. Der Neuzugang weiss, dass SCB in den vergangenen Jahren in der NLA viele Niederlagen einstecken musste. «Ich will mithelfen, wieder Siege in die Stadt zu bringen!» Die Freude am Spiel sei ihm auch nach all den Jahren nicht vergangen. Obwohl er natürlich weiss, dass er den Zenit seiner Karriere wohl schon vor einigen Jahren überschritten hat, sagt er: «Solange es mein Körper zulässt, mache ich weiter. Ich fühle mich grossartig und setze mir kein Limit.»

Und genau weil er eben noch so motiviert ist, hat Jones auch noch keinen fixen Plan für die Zeit nach seiner Spielerkarriere. «Wenn möglich, möchte ich auch in Zukunft mit Basketball zu tun haben.» Er könne sich gut vorstellen, als Jugendcoach zu arbeiten. «Ich durfte durch den Basketballsport viele tolle Erfahrungen machen. Irgendwann kommt der Moment, diese an die nächste Generation weiterzugeben.»

Hinweis. Basketball. NLB. Mittwoch, 20 Uhr: Swiss Central – Académie Fribourg U23 (Staffeln-Halle, Reussbühl).

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