Leichtathletik
Nicole Zihlmann hat Respekt vor dem Rücktritt und tut es trotzdem

Hammerwerferin Nicole Zihlmann (35) verabschiedet sich in Luzern mit dem drittbesten Wurf ihrer Karriere.

Stefanie Meier
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Nicole Zihlmann lässt sich auf der Allmend feiern.

Nicole Zihlmann lässt sich auf der Allmend feiern.

Bild: Hanspeter Roos (Luzern, 3. Oktober 2021)

Sie ist 13-fache Schweizer Meisterin, vertrat die Nation 2018 an den Leichtathletik Europameisterschaften in Berlin und hält mit einer Weite von 67,42 m den Schweizer Rekord im Hammerwurf. Seit etwas mehr als einem Jahr spielt die Littauerin Nicole Zihlmann mit dem Rücktrittsgedanken.

«Nach der Absage der EM in Paris habe ich mich entschieden, ein Jahr anzuhängen. So bot sich mir die Gelegenheit, auf einer Schlussrunde alle Kolleginnen und Kollegen nochmals zu treffen und mich quasi zu verabschieden. Diese Abschiedstour, wenn man das so nennen will, hat mir richtig gutgetan.»

Zihlmann war es auch ein Anliegen, sich bei ihrem Umfeld für den Support über all die Jahre zu bedanken. Und so organisierte der LC Luzern am Samstag ein Hammermeeting auf der Luzerner Allmend.

Anspruchsvolle Disziplin

«Ein Schweizer Rekord» – das war Zihlmann Ziel. Und sie lieferte einmal mehr eine Top-Serie. Den angepeilten Schweizer Rekord verpasste sie knapp. Mit einer Weite von 65,97 m war sie nahe dran und realisierte sogleich ihr drittbestes Karriereergebnis. «Ich bin sehr zufrieden mit dieser Serie», sagte Zihlmann. «Natürlich hätte ich meinen Rekord gerne verbessert. Ich muss zugeben, ich war doch sehr nervös und musste aufpassen, dass ich nicht von den Emotionen übermannt werde, weil so viele Leute wegen mir hierhergekommen sind. Trotzdem konnte ich mich gut fokussieren und bin letztlich überaus dankbar, dass ich hier meine Karriere so beenden darf.» Und in Richtung Coach meinte Zihlmann:

«Es sind nicht meine, sondern unsere Erfolge. Ohne meinen Trainer wäre ich nie so weit gekommen.»

Zihlmann nahm zig Gratulationen entgegen, liess sich drücken und durfte durchatmen.

Es war unschwer zu erkennen, dass die 35-Jährige ihren Sport mit viel Herzblut ausgeübt hatte. Jüngst hat sie gemerkt, dass ihr Körper müde wird, dass er nicht mehr so schnell regeneriert. Sie hat sich deshalb dazu entschieden, vom Leistungssport zurückzutreten. Nebst dem Stabhochsprung gehört der Hammerwurf zu den technisch anspruchsvollsten Disziplinen und erfordert einen grossen Trainingsaufwand. «Viel Kraft allein bringt nichts, wenn die Technik fehlt. Es ist die optimale Zusammensetzung, die einen weiterbringt», weiss Zihlmann. Genauso entscheidend seien die Abfluggeschwindigkeit, Abflughöhe und der Abflugwinkel.

Und was nun? Zihlmann hat den Rücktrittsgedanken bisher eher verdrängt. Viel mehr war sie mit der Organisation ihres letzten Meetings beschäftigt. Und doch wurde ihr in letzter Zeit oft dieselbe Frage gestellt: Was kommt nach dem Karriereende?

«Ganz ehrlich? Ich weiss es nicht. Ich will mich auch heute noch nicht damit befassen. Sport bleibt sicher ein grosser Bestandteil von meinem Leben. Aber ich will jetzt auch meine Freizeit geniessen und meine Kontakte pflegen.»

Zihlmann hat Respekt vor dem Rücktritt. Viele Jahre bestimmte der Sport ihr Leben. «Doch auf der anderen Seite weiss ich, dass ich ein stabiles Umfeld habe, einen Job, der mir Spass macht, einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber. Und ich darf stolz sein, was ich erreicht habe. Das sind genügend Gründe, um diesen Neuanfang als etwas Positives zu werten.»

Am kommenden Wochenende steht Nicole Zihlmann zum allerletzten Mal als aktive Hammerwerferin an einem Meeting im Einsatz: In Frankreich an einem Team-Wettkampf, wo sie nochmals die Chance hat, ihren Schweizer Rekord zu knacken.

Leichtathletik

Hammermeeting in Luzern. Männer und Frauen: 1. Nicole Zihlmann (Luzern) 65,97. 2. Lars Wolfisberg (Sarnen) 60,74. 3. Lukas Baroke (Aarau) 59,43. 4. Maxime Makowka (Colmar) 57,52. 5. Marvin Baumann (Odenwald) 56,10. 6. Sanna Balsa (Brühl) 55,77. 7. Iris Nowack (Thalwil) 54,46. 8. Noah Fleischmann (Lachen) 53,36. 9. Aisata Peters (Colmar) 46,03. 10. Candyce Bonjean (Colmar) 45,93. 11. Laura Gautschi (Brühl) 44,40. 12. Juliette Bizet (Colmar) 36,35.

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