Motorsport
Tausende Zuschauer erleben in Grosswangen ein Spektakel mit dröhnenden Motoren

Rund 6000 Fans liessen sich die Motocross-Rennen in Grosswangen nicht entgehen. Der Sport soll künftig noch mehr gepusht werden.

René Leupi
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Die Motocross-Fahrer zeigen den Besuchern viel Action.

Die Motocross-Fahrer zeigen den Besuchern viel Action.

Bild: Boris Bürgisser (Grosswangen, 5. September 2021)

Eine grosse Werbetafel macht bei der Abzweigung Oberroth auf der Kantonsstrasse zwischen Ruswil und Grosswangen auf das Motocross-Spektakel aufmerksam. Und je näher man dem Rennareal kommt, desto lauter wird das Dröhnen der Motoren. Zudem schwängern Staubwolken, vermischt mit Treibstoffgeruch, das Sonnenlicht. Vorbei am Fahrerlager, an grossen Baggern, Landmaschinen und Krangefährten sowie an zwei Ambulanzfahrzeugen führt der Weg hinauf ins gigantische Renngelände.

17 Hektaren gross ist das Areal. Ein Gelände, auf dem kein Wasser, kein Strom und keine Kläranlage vorhanden sind. Die ganze Infrastruktur musste installiert und nach dem Event wieder abgebaut werden. 1600 Meter lang ist der Rundkurs, gespickt mit steilen Aufstiegen, spektakulären Sprüngen, einem Stopper und knackigen Kurven. Jeder Sprung, jeder Übergang, jede Kurve trägt den Namen eines Sponsors. Überhaupt ist Werbung Trumpf auf dem Gelände. Überall, an Wänden, Pfosten, Abschrankungen prangen Werbeschriften. Das Sponsoringteam hat ganze Arbeit geleistet. Ein grosses Festzelt, verschiedene Bierwagen sowie Magenbrot- und Eisstände sorgen für das leibliche Wohl der Fans. Und das war auch nötig bei den heissen Temperaturen.

Infrastruktur für 10 000 Fans vorhanden

Rund 6000 Fans finden an den drei Eventtagen den Weg an das Motocross-Event des Töff-Teams Grosswangen. Augenfällig ist, dass auch viele Familien sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. «Es ist spürbar, dass bei den Fans nach der Coronapause ein Nachholbedarf vorhanden ist», sagt OK-Präsident Urs Meyer. Die Infrastruktur sei für 10000 Fans ausgelegt, daher werde es kaum Engpässe in der Versorgung geben. Rund 500 Freiwillige sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Meyer, der 61-jährige Unternehmer aus Grosswangen, ist die treibende Kraft, immer mit dem Bike im Gelände unterwegs, immer zur Stelle, falls irgendwer Rat braucht oder eine Entscheidung gefällt werden muss. Ein «Motocross-Angefressener», einer, der keine halben Sachen macht, einer auch, der Visionen für die Zukunft schmiedet. Meyer schwebt vor, mit einer IG Innerschweiz das Motocross vermehrt zu pushen. Sein Ziel sind vier Standorte: Malters, Grosswangen, Willisau und einer im Kanton Nidwalden, wo im Jahresrhythmus abwechselnd eine Motocross-Veranstaltung über die Bühne gehen soll.

Rund 800 Coronatests an drei Tagen

Das Spektakel geht trotz Pandemie ohne Einschränkungen, also ohne Masken und Abstandsregeln, über die Bühne. Am 3-G-Anlass erhalten nur jene Besucher ein Ticket, die über ein gültiges Covid-Zertifikat verfügen. Alle andern können sich vor Ort testen lassen. 600 nutzen diese Gelegenheit am Freitag und am Samstag, rund 200 am Sonntag. Fünf Tests fallen dabei positiv aus. «Das ist eine tiefe Quote», bestätigt Lars Mathys von coronatest24. Viele hätten sich ob dieser Massnahme eingeschränkt gefühlt und sich gegenüber dem Testpersonal nicht immer zuvorkommend verhalten. Auch die Fahrer mussten zum Test. Einer war positiv und musste die Heimreise antreten.

Der Samstag gehört dem Nachwuchs sowie den Fun- und Hobbyfahrern. Mittendrin Stefan Aregger aus Ebnet. Der 44-Jährige siegt mit zwei starken Läufen im lizenzfreien Race. Aregger bestreitet seit 2008 keine offiziellen Rennen mehr, betreibt Motorcross nur noch als Hobby. Der Entlebucher macht regelmässig mit Kollegen Trainingstrips nach Italien oder Frankreich. Er sagt: «Ansporn sind nicht Renneinsätze, Trainings machen fast mehr Spass. Ich fahre nur noch die Rennen in der Region und freue mich daher natürlich riesig, hier zuoberst auf das Podest zu steigen.» Mit dabei ist auch Sohn Cedric. Der bald 9-Jährige hat ebenfalls das Motocross-Gen im Blut, steigt schon regelmässig auf seine kleine Crossmaschine.

Valentin Guillod ist die grosse Attraktion

Lokalmatador Lukas Keller sorgt für ein regionales Highlight.

Lokalmatador Lukas Keller sorgt für ein regionales Highlight.

Bild: Boris Bürgisser (Grosswangen, 5. September 2021)

Ganz anders am Sonntag, da sind die Spezialisten, die Profis am Werk. Allein Valentin Guillod, der ultraschnelle Yamaha-Crack aus Môtier-Vully, ist das Eintrittsgeld wert. Der Freiburger gewinnt alle vier Läufe in der MX2 und MX Open und steht vorzeitig als Schweizer Doppelmeister fest. Im Saisonfinale des Yamaha-Cup sorgt Lokalmatador Lukas Keller (36) für das regionale Highlight. Der gebürtige Willisauer lebt seit vier Jahren in Grosswangen, bestreitet seit 2010 den vom Surseer Generalimporteur Hostettler Moto AG ausgeschriebenen Yamaha-Cup. «Es ist Sport und Hobby zugleich», so der gelernte Schreiner, «wir sind eine tolle Gruppe von Freunden und geniessen die gemeinsamen Trainingslager ebenso wie die Rennen.» Keller ist nicht nur Rennfahrer, er legt jeweils auch beim Aufbau der Infrastruktur Hand an. «Mein Herz schlägt für das Motocross, da ist mithelfen Ehrensache.» Der bei einer Zimmerei im Verkauf arbeitende Keller ist im Zeittraining der Schnellste. «Ich kann eine superschnelle Runde hinlegen», sagt er mit einem Lachen, «doch wenn es über längere Distanzen geht, haben dann die jüngeren Fahrer meistens die Nase vorne.» Letztlich reicht es zu Rang 10 im Tagesklassement.

Resultate: motocrossgrosswangen.ch

England ist Ursprungsland des Motocross

Die ersten Motorradrennen fanden ab 1900 auf der Strasse statt, währenddem in England die ersten Geländefahrten veranstaltet wurden. 1909 fand beim Scottish Six Days Trial der erste grosse Motocross-Wettkampf, 1952 erstmals eine Motocross-Weltmeisterschaft statt. Es durften Maschinen bis 500 ccm eingesetzt werden. In den 1970er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt des Motocross von Europa in die USA, wo die American Motocyclist Association die bekannteste Meisterschaft der Welt durchführt. Seit den 1980er-Jahren nehmen zudem die japanischen Hersteller vermehrt Einfluss auf die Motocross-Geschichte. Es gibt verschiedene Austragungsarten:
Motocross: Die klassische Art des Motocross ist das Befahren von Strecken im freien Gelände. Die Länge der Strecken variiert zwischen 1000 m und 4000 m. Die Rennen werden in zwei Läufe unterteilt. Es dürfen maximal 40 Fahrer an einem Rennen teilnehmen. 
Supercross: Die Rennen finden vorwiegend in Hallen oder Stadien statt, die speziell für diese Veranstaltungen präpariert werden. Der Boden im Supercross ist gewöhnlich hart. Da in einer Halle nur begrenzter Raum zur Verfügung steht, ist das Streckenlayout technisch anspruchsvoll und spektakulär. Es gibt verhältnismässig viele Sprünge, so dass dem Fahrer kaum Zeit bleibt, sich kurz zu erholen. Deshalb werden Supercross-Rennen über eine kurze Distanz (rund 15 Minuten pro Rennen) ausgetragen.
Freestyle: Ursprünglich wurden bei Motocross-Wettbewerben neben den eigentlichen Rennen Wettbewerbe abgehalten, in denen es darum ging, welcher Fahrer mit seiner Maschine den besten beziehungsweise den schönsten Trick während eines Sprunges schafft. Bald begannen sich Fahrer, nur auf diesen Wettbewerb zu konzentrieren, wodurch Freestyle-Motocross zur eigenständigen Disziplin wurde.
Supermoto: In dieser Disziplin wird mit Motorrädern auf der Strasse und im Gelände gefahren. Der Asphaltanteil beträgt in der Regel 70 Prozent. Die Faszination liegt in atemberaubenden Drifts und halsbrecherischen Überholmanövern.  Als Supermoto wird eine umgerüstete Enduro- oder Motocross-Maschine benutzt. (le)

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