Fussball
Viel Unsicherheit, wenig Mut: Die Frauen des FC Luzern verlieren erstmals

Des FC Luzern muss sich zu Hause gegen die Grasshoppers mit 2:4 geschlagen geben.

Stephan Santschi
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FCL-Mittelfeldspielerin Chantal Wyser sprintet an GC’s Marilena Widmer vorbei.

FCL-Mittelfeldspielerin Chantal Wyser sprintet an GC’s Marilena Widmer vorbei.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 11. September 2021)

Entschlossen seien sie vor dem Spiel gewesen, «wir wollten sofort Vollgas geben», versicherte FCL-Captain Melanie Müller. Und dann lagen die Luzernerinnen nach 32 Sekunden bereits mit 0:1 zurück. Anstatt einen freiliegenden Ball mit den Händen zu sichern, klärte Goalie Lea van Weezenbeek mit dem Fuss, ungenügend allerdings, und so landete er kurz später vor Fiona Hubler, die nur noch einzuschieben brauchte. «Das war ein Schlag ins Genick, danach brauchten wir Zeit, bis wir ins Spiel fanden», bedauerte Müller.

Der Redebedarf von FCL-Trainer Edvaldo Della Casa war jedenfalls hoch, immer wieder griff er von der Seitenlinie aus korrigierend ein, nutzte einmal auch die Taktiktafel, um seine Anweisungen zu verdeutlichen. Nutzen sollte es vorderhand nichts, denn die Fehlerquote seines Teams blieb hoch. Sowohl im Angriff, der Ballkontrolle und Passgenauigkeit vermissen liess, als auch in der Defensive, die sich in der 19. Minute die nächste Unzulänglichkeit erlaubte. Chantal Ruf liess sich von Hubler gar einfach austanzen und Sarah Klotz stand zu weit weg von Celina Tenini, die zum 0:2 einnicken konnte. Wenig Aggressivität und Mut, machte Trainer Della Casa aus, dafür viel Unsicherheit.

Chantal Wyser und Alena Bienz mit Massarbeit

Daran sollte sich zunächst nichts ändern. Die Gäste aus Zürich kontrollierten das Spiel, generierten Gefahr durch Standards, verpassten es aber, mit Nachdruck die Entscheidung zu suchen. Bestraft wurden sie dafür ebenso schnell wie hart, denn kurz vor der Pause realisierte Luzern innerhalb von rund 100 Sekunden mit zwei blitzsauberen Treffern den Ausgleich. Zunächst fand sich Chantal Wyser nach einem zügig vorgetragenen Angriff durch die Mitte allein vor dem Tor wieder und versenkte den Ball spektakulär via Latten-unterkannte im GC-Gehäuse (42.). Dann profitierte Alena Bienz von der starken Störarbeit von Michèle Schnider, umspielte eine Gegnerin und erwischte Zürichs Torhüterin mit einem Schuss durch die Beine (43.).

Derart gut bedient, schöpfte der FCL neuen Mut und schwor sich in der Kabine auf einen harten Kampf, aber auch konstruktiven Fussball ein. Ersteres gelang in Halbzeit zwei, an Einsatz- und Laufbereitschaft mangelte es nicht. Zweiteres indes missriet, Torchancen erspielten sich die Luzernerinnen mit Ausnahme des geblockten Schusses von Schnider (60.) keine mehr. Della Casa resümierte:

«Kompliment für die Mentalität, doch vorne fanden wir kein Mittel.»

Captain Müller, die das Spiel ihres Teams immer wieder anzukurbeln versuchte, fehlten oft die Anspielstationen. «Wir müssten schneller spielen und mit Selbstvertrauen in die Lücken stossen», stellte die zentrale Mittelfeldspielerin fest.

Neue Spielweise nur in Ansätzen erkennbar

Das vertikale, schnelle Spiel, das Della Casa als Nachfolger von Glenn Meier auf der Hubelmatt zu installieren versucht, war so nur in Ansätzen erkennbar. Schlimmer noch: Die Fehleranfälligkeit in der Abwehr blieb hoch. Goalie van Weezenbeek, die einen gebrauchten Tag erwischte, unterlief in der Spielauslösung ein Fehlpass, GC schaltete sofort um und Nina Predanic schoss in der 64. Minute zum 2:3 ein. Die erste Niederlage im dritten Spiel der Women’s Super League (vormals NLA) war damit nicht mehr abzuwenden. «Wir sind nach den wichtigen Abgängen ohne grosse Investitionen in die Saison gestiegen», erklärte Trainer Edvaldo Della Casa und er schloss: «Wir müssen geduldig sein, wir haben ein sehr junges Team.»

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