Volleyball
Peer Harksen von Volley Luzern sagt: «Wenn nötig, werde ich zum Bad Guy»

Volley Luzern empfängt am Sonntag Lausanne zum zweiten NLA-Heimspiel. Rückkehrer Peer Harksen trifft damit auf sein Ex-Team.

Stephan Santschi
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Peer Harksen will in Luzern eine Leaderrolle einnehmen.

Peer Harksen will in Luzern eine Leaderrolle einnehmen.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 9. Juni 2021)

Der Auftakt am letzten Wochenende verlief nicht nach Wunsch, im ersten Spiel der neuen NLA-Saison verlor Volley Luzern zu Hause gegen Amriswil mit 0:3. «Wir haben eher eine Chance verpasst als uns gut verkauft», sagt Peer Harksen. Es herrschte Nervosität, die Abstimmung und die Kommunikation seien ungenügend gewesen, «in allen Belangen hat etwas gefehlt». Auch er selbst kam in seiner Funktion als Passeur noch nicht auf sein Leistungsmaximum, doch das ist im ersten Ernstkampf nach dem Totalumbruch im Kader nicht weiter erstaunlich.

Schliesslich ist es nicht selbstverständlich, dass in Luzern überhaupt noch Spitzenvolleyball zu sehen ist, derart gross waren die finanziellen Sorgen im Frühjahr. Während die Klubverantwortlichen für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sorgten, war Harksen ausschlaggebend dafür, dass ein konkurrenzfähiges Team auf dem Platz steht. Er war der Erste, der Sportchef Jörg Gautschi zusagte, und er unterstützte ihn sogar bei der Rekrutierung des weiteren Personals. «Es ist ein Herzensprojekt für den Verein, der mir damals in der NLA eine Chance gegeben hat. Hätte sich Luzern zurückgezogen, bestünde die Liga noch aus sechs Teams. Sie liesse sich nicht verkaufen.»

Harksen kombiniert Intuition mit Kalkül

Harksen bewies also Übersicht, was exakt zu seiner Aufgabe auf dem Platz passt. Der 25-jährige Steinhauser setzt als Zuspieler nicht sich selbst, sondern seine Teamkollegen in Szene. «Ich war früher relativ klein, spielte zunächst als Libero. Bereits damals zeichneten mich Spielintelligenz, Ballgefühl und Spielwitz aus», sagt der heute 1,94 Meter grosse Sportler. In der zweiten Equipe von Schönenwerd machte ihn der heutige Luzern-Trainer Marco Fölmli zum Passeur und gewann mit ihm die NLB-Meisterschaft. 2015 wechselte Harksen zu Volley Luzern, spielte drei Jahre in der NLA, wurde zum Schweizer Nationalspieler, zum Youngster of the year und zum Captain. Damals prägten das Gefühl und die Intuition sein Auftreten, vieles machte Harksen spontan. Als er Luzern verliess, bereicherte er sein Spiel in Näfels (2018/19) und Lausanne (2019 bis 2021) mit der analytischen Note. «Struktur und Statistik wurden wichtig. Ich lernte, mehr zu überlegen, wohin ich den Ball in welcher Spielsituation spielen sollte.» Harksen kombinierte also seine Intuition mit logischem Kalkül. Seine Unberechenbarkeit verlor er dadurch nicht, zuweilen wird er im Schweizer Volleyball als Magier unter den Passeuren bezeichnet.

Probleme mit dem Knie sollen verschwinden

Seit der Rückkehr im Sommer ist sein Standing in Luzern noch grösser als vor drei Jahren. «Ich möchte eine Leaderrolle einnehmen», sagt er. Dass er dabei auf seine wichtigste Tugend, die Leidenschaft, zurückgreift, überrascht nicht:

«In individueller Hinsicht bin ich nicht überragend. Ich möchte die anderen mit Kampfgeist und Emotionen mitreissen.»

Zudem eignet er sich Eigenschaften an, die nicht seinem Naturell entsprechen: «Wenn nötig, werde ich zum Bad Guy und erhebe meine Stimme.» In der Vorbereitung konnte er diesbezüglich noch nicht mit gutem Beispiel vorangehen, zu sehr hinderte ihn eine Quadrizeps-Sehnenruptur am Knie. Mittlerweile schätzt er seinen Fitnessstand auf etwa 80, 85 Prozent. Um diese Quote zu optimieren, lässt er sich seit diesem Jahr im Spitzensportzentrum OYM in Sachen Athletik, Rehabilitation, Leistungsdiagnostik und Ernährung betreuen. Der Traum vom Ausland hat der 43-fache Schweizer Internationale noch nicht aufgegeben. Ebenso wenig wie den Wunsch, einen ersten Titel zu gewinnen. Am Sonntag gegen sein Ex-Team Lausanne (17 Uhr, Bahnhofhalle) will er mit Luzern den ersten Schritt in Richtung Playoffs (Top 4) machen.

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