Handball
Ins All-Star-Team gewählt: Weshalb Mia Emmenegger an der Europameisterschaft erschrickt

Die Schweizerinnen belegen an der U17-EM in Montenegro den starken neunten Platz. Herausragend war Nottwils 16-jährige Flügelspielerin Mia Emmenegger.

Stephan Santschi
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Eine der grössten Attraktionen an der U17-EM: Mia Emmenegger (am Ball) klassierte sich auf Platz vier der Torschützenliste.

Eine der grössten Attraktionen an der U17-EM: Mia Emmenegger (am Ball) klassierte sich auf Platz vier der Torschützenliste.

Zum Abschluss gab es nochmals ein Spektakel. Im Spiel um Platz neun an der U17-EM in Podgorica gewannen die Schweizerinnen gegen Portugal mit 39:30. Insgesamt 67 (!) Abschlüsse feuerten sie ab, bei besserer Effizienz wären gut und gerne 50 Treffer möglich gewesen. Als Toptorschützin liess sich Mia Emmenegger feiern, acht Treffer trug sie zum Erfolg bei. Mehr noch: Die 16-jährige Nottwilerin schaffte es am Ende mit 50 Toren sogar auf Platz vier der Torschützenliste und zu ihrem eigenen Erstaunen ins Allstar-Team. «Da bin ich doch recht erschrocken», gibt sie mit einem Lachen zu.

Kein Zweifel: Mia Emmenegger war am rechten Flügel eine der Attraktionen der U17-EM. «Ich bin recht zufrieden, ja. Ich wollte immer mein Bestes geben und profitierte von der guten Abstimmung mit der rechten Aufbauerin», erklärt sie. Angesprochen ist die zweite Linkshänderin aus der Zentralschweiz, Emma Bächtiger vom LK Zug. «Sie hat mir viele Bälle rausgelegt, so fand ich zu vielen Abschlüssen. Als Flügelspielerin ist das natürlich cool.»

Reihenweise grosse Nationen geschlagen

Ausserdem gefiel Mia Emmenegger mit konsequent gelaufenen Gegenstössen.

«Ich renne einfach los. Egal, ob das Zuspiel kommt, Hauptsache es geht nach vorne»,

erläutert die 1,61 Meter grosse Flügelspielerin ihren Vollgas-Handball. Nicht nur Mia Emmenegger, sondern generell der Schweizer Frauen-Handball hat damit erstmals international auf sich aufmerksam gemacht – bis zu diesem Jahr hatte sich nämlich noch nie eine weibliche Auswahl für ein grosses Turnier qualifizieren können.

Den Anfang machten vor einem Monat die U19-Juniorinnen mit einem starken elften EM-Rang, nun hat die U17 mit Platz 9 nachgedoppelt. Mia Emmenegger stand an beiden Turnieren im Einsatz – und trotz der beachtlichen Ergebnisse wäre sogar noch mehr möglich gewesen. An beiden Turnieren gewann die Schweiz zwei der drei Vorrundenspiele, verpasste den Einzug in die Hauptrunde der besten Acht jeweils nur wegen des schlechteren Torverhältnisses.

In Podgorica wurde der U17-Auswahl eine 22:33-Niederlage gegen Dänemark zum Verhängnis, es war die einzige von sieben Partien, die sie an der EM verlor. Daneben hat sie Österreich, Gastgeber Montenegro, Schweden, Slowenien, Frankreich und Portugal bezwungen. Ihre wichtigsten Ziele haben die Schweizer EM-Teams damit erreicht: Dank den guten Abschlussplatzierungen haben sie sich sowohl für die U20- als auch für die U18-WM im nächsten Jahr qualifiziert. «Vielleicht werden wir dann sogar für eine Überraschung gut sein», sagt Mia Emmenegger.

Emmenegger weckt das Interesse der Scouts

Sie selbst hat sich in den Fokus der europäischen Scouts gespielt, an der U19-EM wurde sie sogar von einem Champions-League-Klub kontaktiert. «Das hat mich natürlich schon geehrt», gibt die Tochter der 86-fachen Ex-Nationalspielerin Caro Emmenegger zu. Für einen Wechsel ins Ausland wäre es allerdings zu früh, zunächst möchte sie die Sportschule an der Kanti Alpenquai in Luzern abschliessen und sich bei den Spono Eagles in der SPL 1 durchsetzen. Letzte Saison war sie in der SPL 2 die drittbeste Torschützin, auch in der bevorstehenden Spielzeit ist sie in der zweiten Equipe eingeplant.

Angesichts ihrer Entwicklung scheint das Debüt in der höchsten Liga indes nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

«Mia hat eine top Einstellung, ist super zwäg und kann Karriere machen»,

sagt Werner Bösch, der Co-Trainer des U17-Nationalteams. Ihr grösstes Manko sei die Antizipation in der Abwehr. «Stimmt», bestätigt die junge Frau, «mir fehlt noch das Timing, um mit der Gegnerin zu spielen und ihr den Ball abzunehmen.» Gelingt ihr künftig auch das, dürften die Schweizer Auftritte noch spektakulärer werden.

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