Fussball

René Weiler löst Vertrag in Ägypten auf: Raus aus dem Goldenen Käfig

René Weiler verlässt seinen Klub Al Ahly Kairo auf eigenen Wunsch.

René Weiler verlässt seinen Klub Al Ahly Kairo auf eigenen Wunsch.

René Weiler hat seinen Vertrag beim ägyptischen Rekordmeister Al Ahly Kairo vorzeitig aufgelöst. Trotz einem enorm erfolgreichen Jahr ist es ein Abgang nicht ohne Nebengeräusche für den Ex-Trainer von St. Gallen, Aarau und Luzern.

Wer heute auf Twitter den Namen René Weiler eingibt, kann sich durch hunderte von Dankesbekundungen scrollen. Al Ahly Kairo, das wird in Europa unterschätzt, ist einer der populärsten Klubs der Welt, eine Marke von enormer Strahlkraft. Bis Mittwoch wurde der ägyptische Rekordmeister vom Zürcher Weiler sowie seinen Schweizer Assistenten David Sesa und Thomas Binggeli gecoacht; das 2:1 im Cup-Achtelfinal gegen Tersana war die Abschiedsvorstellung des Trios. Die Schweizer Techniker haben sehr erfolgreich gearbeitet, Al Ahly ist souverän Meister geworden und steht im Halbfinal der Champions League. Weiler, 2017 schon mit Anderlecht in Belgien Meister, wurde «Ägyptens Trainer des Jahres». In der Meisterschaft hat Al Ahly in 30 Spielen acht Gegentore erhalten, der Punkteschnitt lag bei atemberaubenden 2,48.

Und doch mangelte es in den letzten Tagen und Wochen nicht an Irritationen. In Ägypten wurde kolportiert, Weiler sei entlassen worden. In der Schweiz heisst es, er habe von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht und den Verein aus freien Stücken verlassen. Letzteres ist richtig, dem Entscheid Weilers ging ein Disput mit der Klubführung voraus. Weiler, 47, pochte darauf, seine Familie in der Schweiz besuchen zu können, zum ersten Mal seit drei Monaten. Die Coronapandemie hat Weilers Situation nicht einfacher gemacht, er war in Kairo zwar enorm beliebt – aber auch isoliert. Weil es seinem Bekanntheitsgrad wegen jedes Mal einem Spiessrutenlauf glich, das Quartier im noblen Sofitel-Hotel zu verlassen. Schon nur ein Restaurantbesuch bedurfte minutiöser Planung.

Doch Al Ahly wollte von einer temporären Rückkehr in die Schweiz nichts wissen, nicht vor dem Champions-League-Duell mit Wydad Casablanca vom 17. Oktober. Die Fronten verhärteten sich, obwohl der Klub seit Monaten versuchte, Weiler langfristig zu binden. Stattdessen wird sich nun sein südafrikanischer Nachfolger Pitso Mosimane anschicken, die Titelmission im kontinentalen Wettbewerb fortsetzen.

War in Ägypten sehr erfolgreich: René Weiler.

War in Ägypten sehr erfolgreich: René Weiler.

Der Abschied mitten in der Saison mag etwas Bizarres haben, schon die vorzeitigen Abgänge in Nürnberg und Aarau lösten einst Nebengeräusche aus, aber an Weilers Wirken in Kairo ändert er wenig. Unter ihm war Al Ahly spektakulär erfolgreich, was seiner Karriere nur zuträglich sein kann. Ein bisschen wirkte es ja, als habe diese einen Knick erlitten, beim in jeder Hinsicht fehlgeleiteten Intermezzo in Luzern zwischen Sommer 2018 und Winter 2019. Doch Weilers Ruf war und ist international besser als in der Schweiz, was ihn nicht zu kümmern scheint – im Gegenteil: er hat mehrfach betont, nicht mehr in der Heimat arbeiten zu wollen, nach Engagements in St. Gallen, Winterthur, Schaffhausen, Aarau und Luzern.

Sein Berater Sascha Empacher klopfte zuletzt das Interesse von Schalke 04 ab, dem Bundesligisten, der sich gerade für Manuel Baum entschieden hat. Doch Empacher sagt, Weiler werde sich nun vermutlich erst einmal eine Pause bis zum Winter gönnen – die Zeit in Kairo war anspruchsvoll und anstrengend, gerade während dem fünfmonatigen Meisterschaftsunterbruch zwischen März und August. Aber es kann schnell gehen im Fussball, so unberechenbar wie das Geschäft ist, die letzten zwei Wochen haben das wieder einmal eindrücklich gezeigt. Weiler ging davon aus, die Saison im Klub zu beenden, er wollte Al Ahly zum ersten Champions-League-Triumph seit 2013 führen. Stattdessen landete er am Donnerstagmittag in Zürich und geniesst das Wochenende mit seiner Familie.

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