EM-Qualifikation

Riesendusel: Estland schenkt der Schweizer Nati einen Mini-Sieg

Die Schweiz schliesst die EM-Quali nach einem Grottenkick mit einem 1:0-Sieg in letzter Sekunde gegen Estland ab. Breel Embolo provozierte das entscheidende Eigentor mit der besten Szene der Partie.

Ganz zum Schluss werden die Schweizer Fans doch noch belohnt. Breel Embolo – wer auch sonst? – dribbelt der Grundlinie entlang. Seine Hereingabe führt zu einem Eigentor von Estlands Captain Klavan. Es ist das 1:0. Es ist das entscheidende Tor.

EM-Quali Estland – Schweiz: Die wichtigsten Momente des Spiels

EM-Quali Estland – Schweiz: Die wichtigsten Momente des Spiels – mit Embolos Goal ab Minute 01.23.

Der späte Sieg ist keineswegs zwingend. Nur wenige Momente zuvor schiesst Ats Purje – jener Este, der mit seinem Sieges-Tor gegen die Slowenen auch einen kleinen Anteil an der Schweizer EM-Qualifikation hat – aus fünf Metern über das leere Tor.

Es ist ein mässig geglückter Schweizer Abschluss dieser EM-Ausscheidung. Darüber kann auch dieses späte Tor nicht hinwegtäuschen. «Charakter», hatte Trainer Vladimir Petkovic vor dem Spiel gefordert, er wollte sehen, dass sich seine Akteure mit den Esten einen «kleinen Krieg» liefern.

Und musste am Ende feststellen, dass die Schweizer eben die Neutralität hochhalten und nichts von «kriegen» halten. Glücklicherweise war die EM-Qualifikation bereits vor dem Spiel Tatsache. So war das grosse Zittern gar nicht erst möglich.

Testspiele gegen Slowakei und Österreich

Wie geht es nun weiter? Während Mitte November die Barrage-Spiele stattfinden, wird die Schweiz zwei weitere Testspiele austragen. Erst in der Slowakei, dann gegen Marcel Kollers Österreicher. Am 12. Dezember findet in Paris die Auslosung der EM-Gruppen statt. Aller Voraussicht nach ist die Schweiz im zweiten von vier Los-Töpfen gesetzt sein. Der Anspruch dieses Teams ist es, mindestens die Vorrunde zu überstehen, lieber aber den Viertelfinal zu erreichen.

Natürlich ist ein bedeutungsloses Spiel nicht der abschliessende Gradmesser, um das Potenzial der Schweizer herauszulesen. Trotzdem ist klar: Sie müssen sich gehörig steigern, wenn die EM nicht zur Enttäuschung werden soll.

Das gilt für sämtliche Mannschaftsteile bis auf den Torhüter. Die Abwehr um Djourou und Lustenberger, der sein Pflichtspieldebüt gab, wirkte nicht immer souverän. Aus dem Mittelfeld kamen keine Ideen, immer wieder blieben die Angriffe stocken. Dazu strahlten die Stürmer selten bis gar nie Gefahr aus. Rückkehrer Derdiyok bekam wenig Bälle.

Das grosse Rätsel Shaqiri

Immerhin darf man feststellen, dass sich die Schweizer in der zweiten Hälfte steigerten. Das hatte einiges mit einem Einfall von Petkovic zur Pause zu tun. Er wechselte Embolo für Xherdan Shaqiri ein. Eigentlich hätte er Shaqiri schon nach 20 Minuten vom Feld nehmen können.

Vielleicht würde ihn ja ein solcher Denkzettel zu einem leichten Umdenken bewegen. Wie lustlos Shaqiri vor sich her trabte, wie er seine Mitspieler (allen voran Lang) massregelte, ist inakzeptabel.

Shaqiris Auftritt war an Arroganz kaum zu überbieten. Abende wie diesen sollte er sich in der Premier League besser nicht leisten. Sonst ist er bald auch in der dritten grossen europäischen Liga abgestempelt. Embolo brachte jedenfalls sofort Tempo ins Spiel.

Erst in der 48. Minute, nach seinem Ballgewinn, tauchte die Schweiz mit Mehmedi erstmals gefährlich vor Estlands Tor auf. Es blieb ein einsamer Aufreger bis fast zum Ende.

Das Wunder bleibt aus

Auch für die Esten hatte das Spiel nur statistischen Wert. Um sich doch noch wundersam für die Barrage zu qualifizieren, hätten sie die Schweiz 5:0 besiegen – und gleichzeitig auf ein 5:0 von San Marino gegen Slowenien hoffen müssen.

Welch unangenehmer Gegner die Esten sind, zeigten sie vorab in der ersten Halbzeit. Phasenweise liessen sie die lustlosen Schweizer kaum atmen. Eine Führung wäre nicht unverdient gewesen. Doch Marwin Hitz zeigte in seinem zweiten Länderspiel einige schöne Paraden.

Letztmals gastierte die Schweiz im August 1992 in Tallinn. Der 6:0-Sieg war der Start auf dem Weg zur ersten Endrunden-Teilnahme seit 28 Jahren (WM 1994 in den USA).

Es war noch eine andere Zeit. Estland wurde eben erst unabhängig, der Nationaltrainer hatte eine Auswahl aus 26 lizenzierten Spielern.

Estland - Schweiz 0:1 (0:0)

A. Le Coq Arena, Tallinn. - 8000 Zuschauer. - SR Van Boekel (Ho). - Tor: 94. Klavan (Eigentor/Embolo) 0:1.

Estland: Aksalu; Teniste, Jääger, Klavan, Pikk; Puri (67. Lindpere), Antonov, Mets, Kallaste (80. Luts); Zenjov (61. Purje), Wassiljew.

Schweiz: Hitz; Lang, Djourou, Lustenberger, Moubandje; Inler, Xhaka (80. Kasami); Shaqiri (46. Embolo), Dzemaili, Mehmedi (71. Steffen); Derdiyok.

Bemerkungen: Schweiz ohne Rodriguez (Familie), Bürki, Lichtsteiner, Behrami, Seferovic, Fernandes, Frei, Stocker, Von Bergen (alle verletzt). 80. Xhaka nach Foul mit Fussverletzung ausgeschieden. Verwarnung: 78. Mets (Foul).

Die für die EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli 2016) qualifizierten Mannschaften (18/24): Frankreich (Gastgeber), England, Tschechien, Island, Österreich, Nordirland, Portugal, Spanien, SCHWEIZ, Italien, Wales, Belgien, Albanien, Rumänien, Deutschland, Polen, Russland, Slowakei.

Definitiv in der Barrage: Irland, Schweden, Dänemark, Ukraine, Slowenien. - Mindestens in der Barrage: Norwegen, Kroatien, Ungarn (kann sich als bester Gruppendritter noch direkt qualifizieren). - Die Barrage-Partien (Hinspiele am 12., 13. und 14. November, Rückspiele am 15., 16. und 17. November) werden am Sonntag, 18. Oktober, in Nyon ausgelost.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Jakob Weber:

Liveticker Estland

Meistgesehen

Artboard 1