Wie haben Sie diesen Halbfinal gegen Rafael Nadal erlebt?

Roger Federer: Es war bis zum Schluss sehr eng. Es ist gut, habe ich im dritten und vierten Satz früh ein Break geschafft. Aber das erhöht auch den Druck eigenem, weil das Ziel noch weit entfernt ist. Es war alles drin in dieser Partie, am Schluss wurde es sogar noch richtig dramatisch. Ich spürte den Druck auch. Das sah man, als ich den Smash verschlug. Aber ich finde, ich habe einen sehr guten Match gespielt.

Ihre Frau Mirka hat extrem mitgefiebert, und man sah sie immer wieder aufspringen. Wie sehr beschäftigt so ein Spiel ihre Familie?

Mit Mirka rede ich nicht mehr so viel über Tennis. Wir haben ja viele andere Dinge zu erledigen (lacht). Ich spüre aber schon, dass sie sich wünscht, dass ich gewinne. Aber ich merke es erst so richtig während der Matches, wie sehr sie dabei ist. Die Buben haben gedacht, ich hätte Geburtstag und Happy Birthday gesungen. Wahrscheinlich, weil alle so glücklich waren und es das einzige Lied war, das sie konnten (lacht). Es ist schön, dass Mirka noch gerne an die Spiele kommt. Es ist ja bei uns so viel los. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich.

Die Kinder waren zwar nicht im Stadion, fieberten aber von Zuhause aus mit, wie Roger Federer nach dem Halbfinal-Sieg sagte.

Die Kinder waren zwar nicht im Stadion, fieberten aber von Zuhause aus mit, wie Roger Federer nach dem Halbfinal-Sieg sagte.

Wie schwierig ist es für Sie, nach einem so emotionalen Spiel, wieder nach vorne auf den Final gegen Novak Djokovic zu schauen?

Das ist kein Problem für mich. Da hilft mir meine Erfahrung und das Alter. Ich weiss: Ich kann mich freuen, aber ich weiss auch, was ich nun alles tun muss bis zum Final. Die Planung läuft schon. Aber anstossen und sich freuen, das gehört dazu. Zum Glück kann ich das geniessen, ohne dass es einen Einfluss hat auf meine Leistung.

Wie bereiten Sie sich auf den Final gegen Djokovic vor?

Ich habe nicht mehr so viel Energie, um noch gross etwas Spezifisches zu trainieren. Das ist aber auch gar nicht nötig. Es geht für mich primär darum, mich zu erholen. Es ist wie vor einer Prüfung in der Schule: Die Arbeit ist im Prinzip schon längst getan. Man kann am Tag zuvor nicht mehr alles nachholen und alle Bücher lesen. Ich habe bisher ein sehr ­solides Jahr gespielt. Die Sterne stehen günstig für mich.

Titelverteidiger Novak Djokovic steht zum sechsten Mal im Wimbledon-Final. 2014 und 2015 hatte er dort jeweils Roger Federer besiegt.

Titelverteidiger Novak Djokovic steht zum sechsten Mal im Wimbledon-Final. 2014 und 2015 hatte er dort jeweils Roger Federer besiegt.

Wie stufen Sie Djokovic ein?

Er hat wieder ein unglaubliches Jahr gespielt, seit er zurückgekehrt ist von seiner Verletzung. Ich weiss: Wenn es noch einen härteren Brocken gibt als Nadal, dann ist es wohl er. Aber ich muss auch mit Selbstvertrauen in ­diesen Match steigen und das Gute herausnehmen aus dem Nadal-Spiel. Und davon gab es viel.

Boris Becker sagte auf BBC, er habe Sie seit Wimbledon 2017 nie mehr so gut spielen sehen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ich bin sicher sehr zufrieden mit meiner Leistung. Aber ich spiele schon seit längerem auf sehr hohem Niveau. Weil ich körperlich nun schon länger keine Rückschläge mehr hatte und ich dadurch gut trainieren konnte. Es ist einfach, zu sagen, ich sei jetzt wieder so gut wie 2017, weil ich Nadal geschlagen habe. Das ist ja auch ein grosser Sieg, keine Frage. Darum weiss ich auch, was er damit meint. Aber ich hatte immer wieder gute Momente und in dieser Zeit sicher etwa 100 Matches gespielt.

Aufgezeichnet: Simon Häring, Wimbledon