BVB-Torhüter

Roman Bürki: «Es war schwierig, an der EM nur zuschauen zu dürfen»

Bei Borussia Dortmund hütet der Schweizer Roman Bürki das Tor.

Bei Borussia Dortmund hütet der Schweizer Roman Bürki das Tor.

Der 25-jährige Schweizer Goalie Roman Bürki über den neuen BVB, die Europameisterschaft in Frankreich und die Champions League.

Vor einem Jahr ist der Münsinger Roman Bürki für 3,5 Millionen Euro vom SC  Freiburg zu Borussia Dortmund transferiert worden − eine grosse Umstellung für den Torhüter. Flogen ihm im Breisgau die Bälle nur so um die Ohren, so sind es beim Spitzenteam Borussia Dortmund nur noch wenige, die bis zu ihm durchkommen. Mit dieser Konstellation hatte Bürki zu Beginn durchaus Probleme, und es hagelte auch Kritik. Doch der Schweizer erhielt von Trainer Thomas Tuchel Rückendeckung, steigerte seine Leistung und stabilisierte sie auf gutem Niveau. Musste Bürki in der letzten Saison die internationalen Einsätze noch seinem Konkurrenten Roman Weidenfeller überlassen, so hat Tuchel vor ein paar Tagenerklärt, Bürki werde nun in der Bundesliga und in der Champions League im Tor stehen.

Roman Bürki, Thomas Tuchel hat die Katze aus dem Sack gelassen: Sie sind die Nummer 1 in der Bundesliga und in der Champions League, Ihr Konkurrent Roman Weidenfeller im Pokal. Ein für
Sie schöner Vertrauensbeweis?

Roman Bürki: Ja sicher. Vor allem freue ich mich auf die Champions League. Das ist doch genau das, wovon jeder Fussballer träumt. Umso mehr bin ich froh und stolz, vor einem Jahr den Schritt zu Borussia Dortmund gemacht zu haben. Ich fühle mich wohl und habe inzwischen auch ein bisschen etwas zu sagen, nachdem ich einige Erfahrungen gesammelt habe. Jetzt versuche ich, noch mehr Verantwortung zu übernehmen − auf und neben dem Platz.

Der Wechsel vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund bedeutete eine grosse Umstellung. Statt 25 Schüsse kamen nur noch vier oder fünf
auf Ihr Tor. War es schwierig, immer fokussiert zu bleiben?

In der Vorrunde hatte ich damit gewisse Schwierigkeiten, ja. In Freiburg hatte ich so viel zu tun, dass die eine oder andere Unsicherheit unterging, wenn ich dafür drei super Paraden zeigen konnte. Aber ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, beim BVB im Tor zu stehen. Ich fühle mich bestens integriert.

Morgen Samstag starten Sie mit Borussia Dortmund gegen Mainz
in die neue Bundesligasaison. Sie spielen dann, wie bei jedem Heimspiel, vor 81 359 Zuschauern und während einer Halbzeit vor der gigantischen Südtribüne mit beinahe 25 000 Stehplatzbesuchern. Kriegen Sie noch immer eine Gänsehaut?

Ja klar. Es ist ein einzigartiges Gefühl, vor einer solchen Kulisse spielen zu dürfen. Ich hoffe, dass dies nie zur Normalität wird.

Ihr Torwarttrainer Teddy de Beer ist exakt seit 30 Jahren bei der Borussia tätig. Wie verläuft die Zusammenarbeit?

Ich habe Teddy noch nie schlecht gelaunt gesehen. Er ist offen, wenn ich mal eine Übung anders oder zusätzlich haben möchte. Er hat eine unglaubliche Erfahrung; 30 Jahre bei einem Verein − es ist schön, dass es so etwas noch gibt. Auch neben dem Platz ist er immer für einen guten Spruch gut.

Sie waren zusammen mit ihm und dem BVB wie im letzten Jahr auf Asien-Reise. Ist das nicht Stress pur?

Für den Körper ist es durch das Fliegen und die Klimaverhältnisse vielleicht schon stressig. Aber ich bin immer offen für neue Erfahrungen. Ich habe mich auf den Trip gefreut, bin noch nie in China gewesen. Für mich war das eine positive Sache.

Beim BVB waren Sie − ausser in der Europa League − Stammgoalie. Bei der EM aber sassen Sie nur auf der Bank. Wie frustrierend war dies?

Ich gebe zu, dass es schon schwierig war, nur zuschauen zu dürfen. Trotzdemhabe ich immer versucht, Yann Sommer zu unterstützen. Wir waren ja in Frankreich, um unser Land zu vertreten und so weit wie möglich zu kommen. Aber als Profisportler habe ich natürlich schon den Ehrgeiz und den Anspruch, auch in der Nationalmannschaft zu spielen.

Wie schwierig war es für Sie in Frankreich, jeden Tag im Wissen zu trainieren, dass es eine Verletzung Sommers brauchen würde, um zum Einsatz zu kommen?

An der Motivation fehlte es überhaupt nicht. Ich habe immer alles gegeben und versucht, mich stetig zu verbessern. Ich trainiere ja nicht für andere Leute, sondern für mich. Und letztlich steht nun auch auf meiner Visitenkarte: EM-Teilnehmer 2016.

Darauf ist bald auch die Champions League aufgeführt. Man fragt sich aber schon, ob der BVB nach den Abgängen der Leistungsträger Hummels, Gündogan und
Mchitarjan in der Königsklasse
eine gute Rolle spielen kann.

Wir werden nicht schwächer sein als in der letzten Saison. Wir haben viele gute neue Spieler bekommen (Götze, Schürrle, Guerreiro, Dembélé, Mor, Rode und Merino; die Red.) und für die Innenverteidigung mit Bartra sogar einen Spieler vom FC Barcelona geholt. Wenn einer in diesem Alter schon bei diesem Klub spielt, dann sagt das einiges über seine Qualität aus. Natürlich kann man Hummels, der ein aussergewöhnlicher Fussballspieler und Mensch ist, nicht 1:1 ersetzen. Aber ich bin sicher, dass wir dennoch eine richtig gute Mannschaft auf dem Platz haben werden.

Aber wohl keine, die den FC Bayern ernsthaft herausfordern kann.

Ich bin der Meinung, dass wir sie schon in der letzten Saison gefordert haben. Wir spielten auf sehr hohem Niveau.

Der FC Schalke 04 ist unter neuer sportlicher Leitung gerade dabei, mächtig aufzurüsten. Vielleicht wird er bald die neue Nummer 1 im Ruhrgebiet.

Vielleicht aber auch nicht …

Das Revier ist fussballverrückt. Können Sie in Dortmund noch auf die Strasse, ohne dass Sie ständig für ein Selfie herhalten oder ein Autogramm schreiben müssen?

Natürlich kennen einen die Leute. Aber ich kann mich gut frei bewegen, es wird nie unangenehm. Andere Spieler haben mehr Mühe. Wenn ich an Reus oder Aubameyang denke … Aber gut, diese fallen äusserlich auch mehr auf.

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