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Roman Bürki liefert sich ein heisses Duell mit der BVB-Legende

Roman Bürki gibt Vollgas. Hier während der abgelaufenen Saison im Trikot der Freiburger.

Roman Bürki gibt Vollgas. Hier während der abgelaufenen Saison im Trikot der Freiburger.

Es ist noch immer unklar, wer in der Mitte August startenden Bundesliga-Saison bei den Dortmundern die Nummer 1 tragen wird. Zur Auswahl stehen Bürki oder Weidenfeller. Gespannt erwarten wir die Entscheidung von Coach Thomas Tuchel.

Die Karriere von Roman Weidenfeller lässt sich sehen: Weltmeister, zweimaliger deutscher Meister, Pokalsieger und Finalist in der Champions League. Keine Frage, Roman Bürki muss noch ganz viel Suppe essen, um auch einmal ein so erfolgreicher Torhüter zu werden. Mehr als das Zehnfache an Bundesligapartien hat Weidenfeller auf dem Buckel, und in der Champions-League-Statistik führt er gegen Bürki mit 35:0. «Roman ist beim BVB eine Legende», sagt der andere Roman, der in den Vergleich mit Weidenfeller nur einen Cupsieg mit GC einbringen kann.

Doch Zahlen und Titel sind Geschichte und mit Vorsicht zu geniessen. Weidenfeller ist zwar Weltmeister, gespielt hat er aber nicht in Brasilien. Wie auch Bürki nicht. Wer im heissen Sommer 2015 im nicht minder heissen Duell der Bessere ist, ob der 35-jährige Weidenfeller oder der zehn Jahre jüngere Herausforderer, das ist die grosse Frage.

Die Leistung zählt

Würde aufgrund der Leistungen in der letzten Saison ein Urteil gefällt, dann wäre klar, wie die Dortmunder Nummer 1 hiesse: Bürki. Er hat beim SC Freiburg trotz des Abstiegs der Breisgauer eine hervorragende erste Saison in der Bundesliga abgeliefert und ohne Zweifel zu den Besten seines Fachs gezählt. Keine Minute hat er gefehlt, manchen Punkt für die Freiburger gerettet und ganz schnell ist er ein Publikumsliebling geworden. Weidenfeller dagegen hat nicht immer überzeugt, musste zwischenzeitlich sogar seinen Posten für den australischen Nationalgoalie Mitchell Langerak räumen.

In Dortmund haben viele geglaubt, Weidenfellers Uhr im Pott sei abgelaufen. Dann aber hat sich überraschend Langerak zum VfB Stuttgart verabschiedet und die langjährige Dortmunder Nummer 1 sich entschieden, seinen Platz zu verteidigen gegen den starken Schweizer. Der neue Trainer Thomas Tuchel hat seither noch nicht verlauten lassen, wer in diesem Zweikampf die Nase vorn hat. Am vergangenen Freitag liess er im Testspiel beim VfL Bochum Bürki durchspielen, gestern in Luzern dafür Weidenfeller.

Modell FC Barcelona?

Vielleicht bringt der übernächste Donnerstag Aufschluss, für wen sich Tuchel entscheidet. Dann, wenn der BVB sein erstes Pflichtspiel austrägt und in der Europa-League-Qualifikation gegen Salihorsk oder den Wolfsberger AC antritt.

Vielleicht aber auch nicht. Beobachter der Dortmunder denken, es könnte so herauskommen wie beim FC Barcelona, wo der eine Goalie in der Liga spielt, der andere im Pokal und im Europacup. «An ein solches Szenario habe ich noch keinen Gedanken verschwendet», behauptet Bürki. «Ich gebe in jedem Training und in jedem Spiel mein Bestes – und dann muss der Trainer entscheiden.»

Bürki sitzt im Bad Ragazer Grand Hotel Quellenhof im selben Raum, in dem vor zwei Wochen Landsmann Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg Selbstvertrauen dokumentiert hat. Die Verpflichtung von Koen Casteels (ein ziemlich talentierter Mann) beunruhige ihn kein bisschen, hatte Benaglio gesagt. Bürki, der sich mit den Dortmundern im Sarganserland auf die Saison vorbereitet, wirkt genauso unaufgeregt, ja souverän: «Als ich bei der Borussia meinen Vertrag unterschrieb, war mir klar, was auf mich zukommt. Es gab natürlich kein Versprechen, dass ich die Nummer 1 sein werde.»

Bürki sagt, er habe zwar grossen Respekt vor Weidenfeller, doch auf dem Platz zähle allein die Leistung. Dass mit Benaglio, Yann Sommer, Marwin Hitz und ihm gleich vier Schweizer Goalies zu den Besten der Liga zählen, sei durchaus erklärbar. «In unserem Land gibt es eine sehr gute Grundausbildung», sagt Bürki, «und als Nachbarland stehen wir bei den Deutschen gut im Fokus.»

Begleitern des Dortmunder Trosses ist aufgefallen, dass sich die Konkurrenten Weidenfeller, seit 13 Jahren beim BVB, und Neuankömmling Bürki, alles andere als aus dem Weg gehen. Ja, sich sogar des Öfteren überaus freundschaftlich unterhalten. «Unser Verhältnis ist kollegial, sportlich und professionell. Dazu gehören auch lockere Sprüche», sagt Bürki.

Angekommen beim BVB

Der Münsinger erweckt durchaus den Eindruck, als sei er bereits angekommen bei Borussia Dortmund. «Unsere Asienreise war eindrücklich. Die Begeisterung der Leute machte deutlich, dass der BVB ein Weltklub ist. Ich bin stolz darauf, hier zu sein», sagt Bürki. Er sei hervorragend aufgenommen worden und habe sich schnell integriert. Den familiären Freiburger Geist vermisst er nicht, weil es auch in Dortmund intern stimmt. «Es gibt keine Gruppen. Jeder spricht mit jedem», sagt Bürki.

Ob er ein Wandervogel sei, wird er dann gefragt. Erst 24 Jahre alt und im Profifussball nun schon beim sechsten Klub: YB, Thun, Schaffhausen, GC, SC Freiburg, Dortmund. «Ich habe mich halt jedes Mal auf einen höheren Level verbessern können», sagt Bürki. Im letzten Jahr war ich bereit für die Bundesliga und Freiburg der perfekte Start. In Dortmund ist das Niveau nun noch einmal höher», sagt Bürki. «Hier möchte ich jetzt länger bleiben.»

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