Sport

Russland blockt Dopinglösungen auch politisch ab

Den russischen Sportlern droht ein Ausschluss von den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio

Den russischen Sportlern droht ein Ausschluss von den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio

Der Kampf gegen Doping beschäftigt auch die Unesco. Dort blockiert Russland mit grossem Aufwand eine neue Regelung. Auch in der Schweizer Politik lobbyierten die Russen.

Letzte Woche hätte die Unesco bei ihrer Staatenkonferenz in Paris eine Resolution im Zusammenhang mit Doping verabschieden sollen. Eigentlich eine Formsache, ging es doch lediglich um Präzisierungen einer bereits vor Jahren einstimmig beschlossenen Konvention für den Kampf gegen Doping. In dieser regeln die rund 190 Unterzeichnerstaaten unter anderem die Mitfinanzierung der Welt-Antidopingagentur (Wada). Mit der Resolution wollte man definieren, wie die Weisungen der Konvention im Detail auszulegen sind und welche Konsequenzen es hat, wenn ein Staat wegen ungenügender Bemühungen gegen Doping als nicht mehr konform erklärt wird.

Die Resolution kam nicht zu Stande. Das Paket wurde stattdessen zur Weiterentwicklung an den Absender zurückgeschickt. Eine Arbeitsgruppe, die seit zwei Jahren versucht, einen konsensfähigen Vorschlag zu erarbeiten. Darin vertreten ist auch die Schweiz. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind derzeit ziemlich ratlos, was genau denn am Papier noch verbessert werden soll.

Entscheidender als der Inhalt ist in dieser Sache jedoch das Vorgehen. Die russische Interessenpolitik hat dafür gesorgt, dass die Weisung nicht angenommen wurde. In ihrer Verhinderungshaltung griff die russische Politik – die im Gegensatz zur russischen Antidoping-Organisation eine Systemschuld am grossen Dopingskandal nach wie vor nicht anerkannt – auf alte politische Seilschaften zurück. Ein Veto kam auch von Kuba und Syrien. Die Russen gingen aber noch weiter und lobbyierten in ihrem Powergame gegen die internationale Gemeinschaft bis hinauf zu den höchsten staatlichen Stellen der Unesco-Delegationen - auch in der Schweiz.

Russland argumentierte, der Vorschlag sei unausgereift, und schlug vor, dass man die Einführung um zwei Jahre verschieben solle. Nicht mehr als ein perfides Spiel auf Zeit. Erst dann wieder über Doping reden, wenn der eigene Skandal nicht mehr im Fokus steht. Ihr Ziel haben die Russen mit der Verweigerungshaltung erreicht. Selbst der oft als «Russen-Freund» titulierte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, ärgerte sich über die Nachricht aus Paris und sprach davon, dass die Politik eine Chance verpasst habe, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Meistgesehen

Artboard 1