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Simona Halep: «Der beste Match meines Lebens»

Simona Halep präsentiert die Siegerschale von Wimbledon.Bild: Will Oliver/EPA (London, 13. Juli 2019)

Simona Halep präsentiert die Siegerschale von Wimbledon.Bild: Will Oliver/EPA (London, 13. Juli 2019)

Simona Halep hat in Wimbledon für den ersten rumänischen Sieg überhaupt gesorgt.

Spätestens als sogar Ion Tiriac seine zärtliche Seite entdeckte, begriff Simona Halep die gesamte Dimension ihres grossen Wimbledon-Triumphs. «Er hat mich umarmt. Das passiert sonst einfach nicht», erzählte die Rumänin schmunzelnd nach ihrem furiosen 6:2-, 6:2-Finalsieg am Samstag gegen Serena Williams. Sogar ein Küsschen auf die Wange gab es letztlich von ihrem oft grimmigen Landsmann, früher jahrelang der Macher und Manager hinter Deutschlands Tennisikone Boris Becker. Dabei sind grosse Emotionen Tiriacs Sache normalerweise wahrlich nicht.

Bei Haleps Triumphzug durch die mit Gratulanten vollgestopften Gänge des altehrwürdigen All England Lawn Tennis Club schmolz aber auch der Mann mit dem markanten Schnauzbart dahin. Schliesslich darf er sich wohl mit gutem Recht einen Anteil an deren Sieg auf dem heiligen Rasen zuschreiben. Seit fünf Jahren fungiert der 80-Jährige als eine Art Berater und Mentor für Halep, seitdem ging es quasi konstant bergauf. «Mister Tiriac», nennt ihn die nur 1,67 Meter grosse neue Wimbledon-Königin stets ein wenig ehrfurchtsvoll und erzählt oft von dessen Ratschlägen und Anweisungen.

Drei unerzwungene Fehler – im gesamten Spiel

Am Morgen vor dem Endspiel habe ihr «Mister Tiriac» beispielsweise gesagt, dass es egal sei, ob sie gewinne oder verliere, weil es ja schon jetzt «der grösste Tag» ihrer Karriere sei. Und tatsächlich trat Halep in der Folge völlig furchtlos auf. Vor den Augen von 15000 Zuschauern, darunter viel A-Prominenz wie die Herzoginnen Meghan und Kate, fegte sie in nur 56 Minuten mit 6:2, 6:2 über die favorisierte Serena Williams hinweg. Am Ende ihres denkwürdigen Auftritts auf dem berühmten Centre Court hatte die 27-Jährige gerade einmal drei unerzwungene Fehler gemacht. «Es war der beste Match meines Lebens», sagte sie anschliessend strahlend: «Ich bin sehr stolz auf dieses Spiel und mein gesamtes Turnier.» Auch der hoffnungslos unterlegenen Williams, die nach der Niederlage im Vorjahr gegen Angelique Kerber und der US-Open-Pleite gegen Naomi Osaka zum dritten Mal in Folge ein Grand-Slam-Final verlor, blieb nur anerkennende Bewunderung übrig. «Wie von Sinnen» habe Halep gespielt, meinte sie: «Wenn dir jemand so die Lichter ausschiesst, kannst du nicht viel machen.» Williams’ Jagd auf den rekordträchtigen 24. Ma­jor-Titel, ihren ersten als Mutter, muss nun weitergehen.

Eindrucksvolle 
Persönlichkeitsentwicklung

Haleps Sieg, der erste rumänische Erfolg in Wimbledon überhaupt, ist aber auch das Ergebnis einer eindrucksvollen Persönlichkeitsentwicklung. 2017 beim Turnier in Miami hatte sich während eines Matches auf dem Platz ein Disput mit ihrem langjährigen Coach Darren Cahill entwickelt, in dessen Folge sich der Australier von der talentierten, aber bisweilen launischen Spielerin trennte. Halep war tief getroffen, ging jedoch in sich und durchlebte einen Sinneswandel. «Ich bin heute ein anderer Mensch», sagte sie nun: «Ich möchte als Person relaxen, nicht als Spielerin.»

Mit harter Arbeit, einer neuen Lebenseinstellung und irgendwann auch wieder Cahill an ihrer Seite kämpfte sich Halep an die Spitze. Ihr French-Open-Sieg 2018 war die Ouvertüre, der Wimbledonsieg nun die Bestätigung.

Seit 285 Wochen 
in den Top 10

Dazu steht sie seit mittlerweile 285 Wochen ohne Unterbrechung in den Top 10 der Weltrangliste, länger als jede andere aktuelle Spielerin. Erst mit dem Wimbledonsieg ist sie nun aber am Ziel ihrer Träume. «Ich kann nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, weil es so speziell ist», sagte sie, während in ihrer Box auf der Tribüne nicht nur ihre Eltern hemmungslos Freudentränen vergossen.

Grand-Slam-Turnier (47,1 Mio. Franken/Rasen). Frauen. Einzel. Final: Simona Halep (ROU/7) s. Serena Williams (USA/11) 6:2, 6:2.

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