Ski-Freestyle
«Habe mir selber das grösste Geburtstagsgeschenk gemacht»: Gremaud ist am grossen Tag wieder bereit

An ihrem 22. Geburtstag holt sich die Freiburgerin Mathilde Gremaud im Big Air Olympia-Bronze. Wie vor vier Jahren ist sie am Tag X bereit. Es ist ein weiterer Höhepunkt für die Hochbegabte.

Raphael Gutzwiller
Drucken
Ein schönes Geschenk: Mathilde Gremaud mit der Bronze-Medaille.

Ein schönes Geschenk: Mathilde Gremaud mit der Bronze-Medaille.

Natacha Pisarenko / AP

Mathilde Gremaud kann ihre Emotionen kaum in Worte fassen. In ihren Augen Tränen, vor ihrem Mund ein TV-Mikrofon. Sie sagt: «Es ist einfach zu gut. Und das alles an meinem Geburtstag. Es fühlt sich genau gleich toll an wie bei der ersten Medaille.»

Gremaud hat es wieder getan. Vor vier Jahren holte sie beim ersten Olympischen Slopestyle-Wettkampf hinter Teamkollegin Sarah Höfflin Silber, nun gewinnt sie beim ersten Olympischen Big-Air-Wettkampf Bronze. Wieder ist Gremaud am Tag, an dem es zählt, bereit. Im zweiten Run setzt sie einen Doppel-Salto mit zwei Schrauben perfekt in den Schnee. Dass sie später beim dritten Versuch stürzt: halb so schlimm.

Der Sprung zu Olympiabronze von Mathilde Gremaud.

SRF

Sie versuchte ihre ohnehin tollen Position mit einem noch schwierigen Trick zu krönen. «Doch ich war ein bisschen verloren in der Luft», sagt sie später an der Medienkonferenz. «Hätte ich den Trick gestanden, hätte noch ein besseres Resultat herausschauen können.»

So geht Gold an Eileen Gu, die in den USA geborene Chinesin, und Silber an die Französin Tess Ledeux. Gremaud sagt: «Ich bin mega happy, wie es ist. Es ist unglaublich.» Dass Gremaud ausgerechnet an ihrem Geburtstag eine Olympiamedaille holte, bezeichnete sie als «grösstes Geschenk».

Mathilde Gremaud jubelt über ihre Bronzemedaille im Big Air.

Mathilde Gremaud jubelt über ihre Bronzemedaille im Big Air.

Jae C. Hong / AP

Immer wieder Stürze auf den Kopf

Gremaud hat wieder geliefert. Dabei hätte die Vorgeschichte kaum schwieriger sein können für die nun 22-Jährige. Wie schon vor vier Jahren ist der Start in die Olympiasaison verzwickt. Damals war sie gerade rechtzeitig auf Pyeongchang nach einem Kreuzbandriss wieder fit geworden und am Tag vor dem Contest noch auf einem Rail auf den Kopf gestürzt und unter Sirenengeheul in ein Spital gefahren worden. Am Folgetag fühlte sie sich wieder besser, holte sensationell Silber und sagte später darüber: «Danach spürte ich nichts mehr. Ich machte viel Party.»

Schweizer Jubel 2018 nach dem Triumph im Slopestyle: Mathilde Gremaud (links) holte Silber, Sarah Höfflin Gold.

Schweizer Jubel 2018 nach dem Triumph im Slopestyle: Mathilde Gremaud (links) holte Silber, Sarah Höfflin Gold.

Alexandra Wey / Keystone

Auch in dieser Saison sind es wieder Stürze auf den Kopf, die Gremaud den Start in die Saison vermiesen. Gleich zweimal stürzte sie und erlitt eine Gehirnerschütterung. Nach einer einwöchigen Behandlung in einer Spezialklinik in Denver wagte sie sich langsam an ihren Sport zurück. Anders als vor vier Jahren reichte es diesmal immerhin noch für zwei Wettkämpfe vor den Spielen. An den X-Games holte sie sogleich Silber im Slopestyle. Und am Tag X ist sie auch im Big Air mit Pauken und Trompeten zurück auf dem Olympia-Podest.

Mathilde Gremaud hat wieder beweisen, dass sie weniger Trainingssprünge als andere braucht, um unter die Besten zu springen. Sie gilt als koordinatives Megatalent, das anders als die meisten ihrer Konkurrentinnen schon früh zu ihrem Sport gefunden hat. Die Bewegungen und Abläufe scheinen verinnerlicht.

Mit Jungs aus dem Dorf hat sie Schanzen gebaut

Im kleinen Dorf La Roche im Greyerzerland aufgewachsen findet sie schon früh im Skigebiet La Berra ihre Passion. Mit Jungs baut sie gemeinsam Schanzen. Geländer, Boxen, Kicker: Alles mögliche nehmen die Kinder zum Anlass, drüber zu springen und dabei so cool wie möglich auszusehen. Slopestyle nennt sich dies heutzutage. Zu Hause besitzen die Gremauds ein Trampolin, wo Mathilde schon früh den Vorwärts- und Rückwärts-Salto lernt und so einen Grundstein für eine grosse Freestyle-Karriere legt.

Mathilde Gremaud posiert im Dezember 2017 in der Schweizerische Sportmittelschule in Engelberg. Engelberg.

Mathilde Gremaud posiert im Dezember 2017 in der Schweizerische Sportmittelschule in Engelberg. Engelberg.

Anthony Anex/Keystone

Später geht Gremaud für vier Jahre nach Engelberg, an die Sportmittelschule und macht 2020 die Matura – notabene zwei Jahre nach ihrer ersten Olympiamedaille. An der Weltspitze ist schon mit 16. «Alles was ich probiert habe, ist gelungen», sagt sie. 2021 in Aspen wird sie Weltmeisterin im Slopestyle, im Big Air gewinnt sie 2019 und 2021 die X-Games.

Gremaud und ihre Beliebtheit im Team

Gremaud gilt nicht nur als grosses Talent, sie ist auch äusserst beliebt. Das wird deutlich, als Teamkollegin Sarah Höfflin, die selber nur Sechste wurde, sich emotional zeigte: «Ich freue mich so sehr für sie und bin so stolz. Mathilde verdient diese Medaille einfach.» Eine weitere Teamkollegin, Giulia Tanno, die wegen einer Verletzung die Olympischen Spielen verpasst hatte, postete auf Instagram eine Story, in der sie auf Englisch schrieb: «Ein Idol in so vielen Dingen. Ich bin so stolz.» Und auf Schweizerdeutsch fügte sie an: «Easy guet für dis Alter.»

«Easy guet» ist Gremaud auch im Slopestyle. Dort zählt sie im möglichen Final am Montag ebenso wie Titelverteidigerin Sarah Höfflin zu den Mitfavoritinnen. Mathilde Gremaud wird wieder alles daran setzen, am Tag X zu liefern. Eine Medaillenfarbe fehlt ihr ja noch.