SRF-Angebot
17 Stunden täglich Sotschi: Der Mann hinter dem Mega-Projekt an den Spielen

Der 45-jährige Roland Mägerle leitet die «Mission Sotschi» des Schweizer Radio und Fernsehens. 17 Stunden täglich: Wenn am Freitag in Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet werden, beginnen für Sport-Aficionados intensive Tage.

Martin Probst
Drucken
Projektleiter Roland Mägerle

Projektleiter Roland Mägerle

ho

17 Stunden wird das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) täglich aus Russland berichten. Von 6 Uhr morgens bis 20.30 Uhr abends ist man im Fernsehen live bei den Entscheidungen dabei. Danach werden die Highlights des Tages im Abendprogramm ausgiebig besprochen. Parallel dazu berichtet das Radio von 5 Uhr morgens bis Mitternacht regelmässig über die Spiele.

«Wir wollen keine Topleistung der Schweizer Athletinnen und Athleten verpassen», sagt der 45-jährige Roland Mägerle, Leiter Grossprojekte bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG).

Damit dies möglich ist, scheut das Unternehmen keine Kosten. Zahlen will die SRG nicht nennen. Man kann es aber erahnen: Das Projekt geht in die Millionen. 163 Athletinnen und Athleten reisen nach Sotschi – SRF ist mit 235 Personen vor Ort. Natürlich sind darunter auch Techniker – trotzdem ist das Verhältnis extrem.

Kein Schmuckstück, aber an bester Lage: Das «House of Switzerland» beherbergt zwei TV-Studios.
5 Bilder
So ist es aussen angeschrieben
Und so siehts im Innern aus
Beleuchtung in Form des Matterhorns

Kein Schmuckstück, aber an bester Lage: Das «House of Switzerland» beherbergt zwei TV-Studios.

House of Switzerland/Präsenz Schweiz

Zum Vergleich: «Die Nordwestschweiz» ist mit drei Personen dabei, sämtliche privaten TV- und Radio-Stationen der Schweiz haben gemeinsam nur acht Journalistinnen und Journalisten in Sotschi. «Es ist beruhigend, dass wir die Möglichkeiten haben, Olympia so abzudecken, dass das Publikum in den Genuss einer umfassenden Berichterstattung kommt. Dass wir ein Budget haben, mit dem man etwas Gutes machen kann», sagt Roland Mägerle.

Zu den 235 kommen weitere 105 Personen, die für die Produktion des Weltsignals der alpinen Skirennen verantwortlich sind. Zum dritten Mal nach Turin 2006 und Vancouver 2010 wird das Team um Regisseur Beni Giger den Skisport perfekt in Szene setzen. Hinzu kommen die Produktion der Medaillenfeiern im Olympia-Park und die Pressekonferenzen mit den Athleten. 50 Tonnen Material wurden insgesamt von der SRG per Lastwagen, Schiff und Flugzeug nach Sotschi transportiert.

Als Mägerle im Oktober 2010 zum ersten Mal nach Sotschi reiste, fand er eine noch fast menschenleere Landschaft vor. Für ihn war schnell klar: «Das werden subtropische Spiele, die auf dem Reissbrett entworfen wurden.» Spiele, die nur wenige Zuschauer anziehen. «Russlands Regierung wollte die Winterspiele unbedingt. Sie werden die Bühne sehr gut nutzen. Allerdings finden die Spiele an einem Ort statt, wo das grosse Publikum fehlt. Deshalb habe ich das Gefühl, dass diese Spiele zu Fernseh-Spielen werden.» Eine Chance also für die SRG? «Ja. Da der Zeitunterschied nur drei Stunden beträgt, haben wir sehr grosse Möglichkeiten, die Spiele zu inszenieren.»

In Szene gesetzt wird zum Beispiel das «House of Switzerland» – ein gemeinsames Projekt von Präsenz Schweiz und der SRG. Zwei Fernsehstudios wurden in den Holzbau integriert – mit Blick auf die Medal Plaza. Zudem hat die SRG zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Radiostudio direkt vor Ort. «Wir mussten den Standort des Hauses einige Male verschieben. Für uns war wichtig, dass wir freie Sicht auf den Olympiapark haben», sagt Mägerle.

Dabei ist er immer wieder mit der russischen Bürokratie in Berührung gekommen. «Wir mussten unzählige Formulare ausfüllen. Teilweise gab es sie nur in kyrillischer Schrift.» Eine Bewilligung für das Haus fehlt bis heute. «Das ist typisch für Russland. Plötzlich stehen 100 Arbeiter auf dem Platz und zack wird alles gebaut», sagt Mägerle, der zwar Geschichten über Korruption mitbekommen hat, aber betont, dass bei der SRG alles nach Schweizer Standards erledigt wurde. «Ich bin sicher, dass vieles einfacher gegangen wäre, hätten wir uns anders verhalten.»

Mehrere Teams vor Ort

Mit der Frage, wie man sportliche und politische Themen in der umfangreichen Berichterstattung trennt, hat sich die Crew intensiv beschäftigt. «Es wäre falsch, wenn die Medienleute bei jedem Satz denken würden: ‹Hier haben sie noch Bäume umgetan und da noch was Neues aufgebaut›», sagt Mägerle.

Um die Sportabteilung zu entlasten, ist die SRG in Sotschi mit verschiedenen Redaktions-Teams dabei. «Die Sportjournalisten werden sich auf ihr Kerngebiet konzentrieren. Aber auch sie schauen nicht weg. Zusätzlich haben wir aber auch News-Vertreter und Korrespondenten in Russland, welche sich mit der Politik befassen.»

Die Zuschauer zu Hause vor dem Radio und Fernsehen werden schöne Spiele erleben, ist Roland Mägerle sicher. Für Sportbegeisterte wird in den 17 Tagen viel geboten. Alle anderen hingegen sollten sich ein gutes Buch kaufen. Neben den Spielen bleibt auf den Sendern nämlich nicht viel Platz für anderes.

Aktuelle Nachrichten