Ski-WM
Die Chancen auf eine weitere Schweizer WM-Medaille stehen 1:3

Mit dem Start in die zweite Woche an den Ski-WM fällt auch der Startschuss für die technischen Disziplinen. In letzter Zeit aber hatten die Schweizer in diesen nicht mehr viel zu melden - höchste Zeit sich von der Tristesse zu verabschieden.

Martin Probst, Beaver Creek
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Hat die besten Chancen, die Schweizer Medaillenbilanz aufzubessern: Wendy Holdener

Hat die besten Chancen, die Schweizer Medaillenbilanz aufzubessern: Wendy Holdener

Keystone

Die zweite WM-Woche. Fast ist man geneigt zu sagen: Als Schweizer schaltet man den Fernseher lieber ab. Das Soll hat Swiss-Ski in den Speedrennen erfüllt. Gold und Bronze in der Abfahrt der Männer durch Patrick Küng und Beat Feuz und Bronze von Lara Gut ebenfalls in der Abfahrt. Die drei von der Schweizer Delegation als Ziel erklärten Medaillen sind gewonnen. Ende gut, alles gut.

Dabei ist die WM noch lange nicht vorbei, vier weitere Rennen stehen bis Sonntag auf dem Programm. Nur: In den technischen Disziplinen sah es für die Schweizer lange nicht mehr rosig aus. Gelingt dieses Mal der Abschied von der Tristesse? Vielleicht. Doch davon später.

Blicken wir vor dem heutigen Riesenslalom der Frauen zurück: Die letzte Medaille einer Schweizerin in dieser Disziplin gab es an der WM 2001 in St. Anton. Sonja Nef, die Ehefrau des heutigen Schweizer Frauencheftrainers Hans Flatscher, gewann damals Gold. Der Österreicher würde es gerne sehen, dass eine seiner Athletinnen heute Nef in dieser Statistik ablöst. «Denn irgendwo hört die Liebe auf», scherzt Hans Flatscher.

Hoffnungen ruhen auf Holdener

Nef würde es ihm sicher verzeihen. Doch ohnehin sind die Chancen nicht sonderlich gross, dass der Ehesegen in Gefahr gerarten könnte. Lara Gut hat in dieser Saison im Riesenslalom einen 18. Platz als Bestresultat vorzuweisen, Dominque Gisin, zwar Siebte im letzten Riesen vor der WM, kehrt dreieinhalb Wochen nach einer Schienbeinkopffraktur erst heute ins Renngeschehen zurück. Alleine der Start ist ein Erfolg für die Olympiasiegerin von Sotschi in der Abfahrt.

Dann also der Slalom. Hier ist der Rückblick noch etwas brutaler. Die letzte Schweizer Frauenmedaille an einer WM in dieser Disziplin gewann Karin Roten. 1997 stieg sie auf das Podest und hängte sich Silber um. Doch nach schwierigen Jahren, in denen eine ganze Generation Slalomfahrerinen im Frust zurücktrat, hat sich um die heute 21-jährige Wendy Holdener ein starkes und junges Team gebildet, das an der WM diesen Eindruck beweisen will. Holdener fuhr in diesem Winter dreimal in die Top Ten, dabei in Kühtai als Dritte auf das Podest.

Irgendwie hat man das Gefühl, dass sie Roten ablösen könnte. Verstärkt wurde dieser Eindruck im Teamevent am Dienstag, den die Schweiz mit einer starken Holdener auf dem unglücklichen vierten Rang beendete. Die Chance, dass die Tristesse im Slalom der Frauen am Samstag endet, war schon lange nicht mehr so gross wie jetzt. Auch wenn dafür mit Sicherheit vieles richtig laufen muss. Trotzdem: Im Duell mit der zweiten WM-Woche steht es 1:1 in Sachen Möglichkeiten.

Geduld bei den Männern

Bleibt der Blick auf die Männer. Der Riesenslalom ist im Team von Cheftrainer Tom Stauffer die grösste Sorgendisziplin. Zwar liegt die letzte WM-Medaille erst sechs Jahre zurück. Doch seit dem Weltmeistertitel von Carlo Janka in Val d’Isère 2009 hat sich viel verändert. Nicht nur der Bündner kommt in seiner einstigen Paradedisziplin nur noch mühsam auf Touren, auch sonst sieht es nicht rosig aus für das Rennen am Freitag. Tom Staufer sagt: «Ich hoffe, dass ich bald einige Talente mehr im Riesenteam habe.»

Damit denkt er vor allem an die erst 21-jährigen Daniel Yule und Luca Aerni, die im Slalom in den letzten zwei Saisons das eine oder andere Ausrufezeichen gesetzt haben und den hoffnungsvollen Technikernachwuchs von Swiss-Ski darstellen.
Zwar scheint die erste Schweizer WM-Medaille im Slalom seit Silvan Zurbriggens zweitem Rang an der Heimweltmeisterschaft 2003 in St. Moritz noch ausser Reichweite. Doch in zwei Jahren, wenn die WM ins Bündnerland zurückkehrt, könnte das ganz anders sein.

Zwar steht es somit im Duell mit der zweiten WM-Woche 3:1 für das Verpassen des Podestes. Trotzdem lohnt es sich, den Fernseher einzuschalten. Vielleicht verpasst man sonst die Anfänge eines künftigen Weltmeisters. Und das wäre ja schade.

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