Skifliegen

Fliegt Simon Ammann bald 250 Meter weit?

Bis zu 250 Meter weit sollen Simon Ammann und Co. auf der neuen Schanze in Vikersund fliegen. Tore Vossen

Bis zu 250 Meter weit sollen Simon Ammann und Co. auf der neuen Schanze in Vikersund fliegen. Tore Vossen

Im norwegischen Vikersund wird morgen die grösste Schanze der Welt eingeweiht. Die Athleten können darauf bis zu 250 Meter weit fliegen. Der aktuelle Weitenrekord liegt bei 139,5 Metern.

Gibt es einen neuen Weltrekord? Das ist die Frage, um die sich vor den beiden Weltcup-Skifliegen vom Wochenende in Vikersund alles dreht. Die aktuelle Bestmarke des Norwegers Björn Einar Romören, der vor bald sechs Jahren in Planica bei 239 Metern landete, ist akut in Gefahr. Der im Hinblick auf die Skiflug-Weltmeisterschaften 2012 neu gebaute Bakken rund 40 Kilometer westlich von Oslo ist noch grösser als die bisher grösste Schanze in Planica, wo alle Weltrekordflüge seit 1985 erreicht wurden.

Dabei existiert dieser Rekord offiziell gar nicht. «Der Weltrekord ist für uns keine relevante Grösse», sagt FIS-Sprungdirektor Walter Hofer. Dem Vorwurf, eine Rekordhatz auf Kosten der Gesundheit der Athleten zu veranstalten, will der Welt-Skiverband keinen Raum geben und führt folglich keine entsprechende Liste. Dass die Veranstalter aus Norwegen mit Mutmassungen über einen möglichen Weltrekord die Werbetrommel rühren, kommt der FIS aber dennoch nicht ungelegen: Besseres Marketing fürs Skifliegen lässt sich kaum betreiben.

Simon Ammann freut sich

So wird denn auch seit Monaten darüber spekuliert, wie weite Sprünge nun in Vikersund möglich seien. Für die norwegische Öffentlichkeit steht ausser Frage, dass der Weltrekord dieses Wochenende fallen wird. Die Athleten heizen die Erwartungshaltung zusätzlich an. «Es kann auf dieser Schanze bis zu 250 Meter weit gehen», ist Rekordhalter Romören überzeugt. Und Teamkollege Tom Hilde sagt: «Der Weltrekord liegt drin.» Zurückhaltender äussert sich Simon Ammann. «Die Ankündigungen sind mit Vorsicht zu geniessen», sagt der vierfache Olympiasieger und amtierende Skiflugweltmeister. «Bevor wir zum ersten Mal gesprungen sind, ist die Schanze schwer einzuschätzen.» Auch für Ammann gehören die letzten Wettkämpfe vor den Weltmeisterschaften in Oslo aber
zu den Highlights des Winters. «Wir sind alle gespannt, wie gross die Schanze nun wirklich sein wird.» Der 29-Jährige freut sich auf ein aussergewöhnliches Erlebnis: «Es kommt in einer Karriere nicht oft vor, dass man auf einer neuen Schanze springen kann, erst recht nicht auf einer neuen Flugschanze.»

Bjoern Einar Romoerens Weltrekord von 239 Meter in Planica

239 Meter: Der aktuelle Weltrekord-Flug von Bjoern Einar Romoeren

Auch Ammann hat den Weltrekord im Hinterkopf. Vor der Skiflug-WM im letzten März in Planica hatte er gesagt, wenn er die Wahl hätte zwischen dem Weltrekord und dem WM-Titel, würde er sich für den Rekord entscheiden. Diesen verpasste er in der Folge zwar, erreichte mit 236,5 Metern aber immerhin den zweitlängsten gestandenen Sprung der Geschichte. «Der Weltrekord ist ein Traum», sagt Ammann noch immer, betont aber, dass ein solcher nicht planbar ist. «Es müssen viele Faktoren zusammenpassen.» Zum einen müssen Tagesform, Windbedingungen und Anlauflänge stimmen, zum andern braucht es einen perfekten Absprung und eine saubere Landung.

Problem der sicheren Landung

Dazu gehört beispielsweise auch, dass die vorher angetretenen Athleten nicht allzu gut springen und die Jury so zu einer Verkürzung des Anlaufs aus Sicherheitsgründen bewegen. So sind es nicht immer die besten Athleten, die am weitesten springen. Vor einer Woche etwa gelang dem Deutschen Michael Uhrmann in Klingenthal bei idealen Bedingungen mit 146,5 Metern ein neuer Schanzenrekord. Die Spitzenleute wie Ammann oder Thomas Morgenstern hatten danach bei verkürztem Anlauf keine Chance, auf eine ähnliche Weite zu kommen, und wurden für ihren Nachteil mit Bonuspunkten entschädigt. Hätte die Jury aber auf eine Verkürzung es Anlaufs verzichtet, wären die Topathleten bei ähnlichen Verhältnissen wie bei Uhrmann so weit gesprungen, dass eine sichere Landung kaum mehr möglich gewesen wäre.

Wo die Grenzen der neuen Schanze in Vikersund liegen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Ab morgen wird die Anlage von Testspringern eingesprungen, am Freitag findet dann das offizielle Training für die Wettkämpfe vom Wochenende statt. Die sogenannte Hillsize, welche als Richtgrösse dient, wurde auf 225 Meter festgelegt – 10 Meter weiter als in Planica. «Die Jury ist angehalten, den Wettkampf so leiten, dass die Athleten maximal bis zur Hillsize springen», sagt Sprungdirektor Hofer. Diese Marke so berechnet, dass eine sichere Landung noch ein gutes Stück darüber hinaus möglich sein sollte. «Weitere Flüge streben wir nicht an», sagt Hofer. Obwohl insgeheim alle auf einen Weltrekord hoffen.

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