Langlauf
«Ich habe nicht die volle Garantie, dass die Wade hält»: Colognas Schwachstelle bleibt weiter ein Risiko

Für die Weltmeisterschaft in Lahti und Tour de Ski hat sich Cologna viel vorgenommen. Der Schweizer Ausnahme-Langläufer ist trotz einem Fragezeichen bereit, im kommenden Winter Platzhirsch Sundby zu fordern.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Dario Cologna steht vor seiner elften Saison im Weltcup.

Dario Cologna steht vor seiner elften Saison im Weltcup.

Keystone

Die linke Wade war der Übeltäter. Eine Zerrung mit Langzeitfolgen vermieste Dario Cologna im letzten Winter die halbe Weltcup-Saison. Der Schweizer Vorzeigeathlet gab zu, dass ihm die Wade seit Jahren Probleme bereite, vor dem verhängnisvollen Rennen am 9. Januar 2016 im Rahmen der Tour de Ski allerdings ausschliesslich während des Sommertrainings.

In diesem steckt der dreifache Olympiasieger derzeit. Und zwar in der intensivsten Phase. «Was viele nicht wissen, in den Monaten Juli und August trainiert ein Langläufer so viel wie nie im Jahr», sagt Cologna. Und im September wird der Körper auf die Wettkampfbelastungen vorbereitet. Sinnigerweise nennen die Langläufer das Trainingslager von dieser Woche in Walenstadt «Motorenblock». Mit einer ganzen Reihe von harten Intervalltrainings wird der «Motor» des Athleten quasi auf Betriebstemperatur gebracht, bevor es ab Mitte Oktober auf Gletscherschnee und im hohen Norden regelmässig in die Loipe geht.

Eine neue Herausforderung

Höchste Zeit also, um bei Cologna nachzufragen, ob das Problem Wade ausgemerzt ist. So wie es der Schweizer Physiotherapeut nach Colognas Abbruch der Saison im Frühjahr etwas gar optimistisch prognostiziert hatte. «Wir wissen sehr genau, was zu tun ist»,sagte Simon Trachsel gegenüber der «NZZ». Dario Cologna selbst differenziert: «Ich habe nicht die volle Garantie, dass die Wade hält. Die Beschwerden traten auch diesen Sommer während intensiven Einheiten auf. Es bleibt eine Gratwanderung.» Das zusätzliche Kräftigungstraining für die Schwachstelle muss wohl dosiert sein, ansonsten riskiert er eine Verhärtung der Muskulatur mit längerfristigen Folgen.

Trotzdem sieht der vierfache Gesamtweltcupsieger der Saison mit Optimismus entgegen. Für die Höhepunkte Weltmeisterschaft in Lahti und Tour de Ski hat sich Cologna viel vorgenommen. Er sieht sich in der Lage, um den Sieg mitzulaufen und dem derzeitigen Branchenprimus Martin Johnsrud Sundby Paroli zu bieten. «Schliesslich steht Sundby trotz seinem extrem hohen Level an Grossanlässen noch ohne Sieg da.» Um sich ideal auf die WM vorzubereiten, verzichtet Cologna auf die Wettkämpfe in Südkorea von Anfang Februar.

Sundbys Überlegenheit in den letzten zwei Jahren hat auch Colognas Training beeinflusst. Hiess die Herausforderung bis vor kurzem noch Petter Northug und die Aufgabenstellung: «Wie werde ich ihn vor dem Finish los oder wie schlage ich ihn im Spurt?» – was beinahe nicht möglich war –, so gilt es nun, Rezepte für Sundbys «Offensivlanglauf» zu finden. Der Norweger glänzt gleichermassen mit unbändiger Kraft wie mit stupender Technik. «Der Langlauf hat sich zuletzt stark verändert. Die Wettkämpfe gestaltensich oft als Ausscheidungsrennen», betontCologna. Der Wahl-Davoser verhehlt nicht, dass er diese Art von Herausforderung gegenüber dem Rennstil von Northug bevorzugt. «Wenn ich fit bin, dann ist es mir lieber, die Besten sind am Schluss unter sich, als dass 30 Läufer gemeinsam auf die Zielgeraden einbiegen», sagt der 30-Jährige. Zumal Cologna in solchen Massenankünften mit Ski- und Stockbrüchen oder Stürzen auch schon widerstandslos den Kürzeren zog.

Sundby gilt auch als Trainingsweltmeister und zwang dadurch die Schweizer, punkto Umfang ebenfalls nachzuziehen. Cologna denkt, dass er so viel investiert wie noch nie. Beim Trainingsinhalt allerdings gebe es keine grossen Geheimnisse. «Auch bei den Norwegern nicht», wie der Bündner betont. Er selber legt viel Wert auf die Technik. Und er sagt: «Ich fühle mich bereit für den Winter.» Dario Cologna will an Erfolge denken und nicht an seine Wade.

Aktuelle Nachrichten