Ski-WM
Mikaela Shiffrin ist die Retterin der Ami-Ehre

Zweimal Gold war budgetiert. Doch nach Abfahrt und Super-G hat Superstar Lindsey Vonn an den Heim-WM in Beaver Creek erst Bronze gewonnen: Welch eine Enttäuschung. Jetzt muss es das amerikanische Wunderkind Mikaela Shiffrin richten.

Martin Probst, Beaver Creek
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Mikaela Shiffrin ist jung, erfolgreich und schön. Damit bringt sie alle Voraussetzungen zum Star in den USA mit.

Mikaela Shiffrin ist jung, erfolgreich und schön. Damit bringt sie alle Voraussetzungen zum Star in den USA mit.

HO

Es war alles angerichtet. Vor zwei Jahren an der WM in Schladming hat das US-Team viermal Gold und einmal Bronze gewonnen. Und dies ohne Superstar Lindsey Vonn, die sich im Super-G zum Auftakt das Kreuzband gerissen hatte.

In Beaver Creek ist Vonn wieder dabei. Vor kurzem hat sie den Allzeitrekord der Anzahl Weltcupsiege gebrochen (64). Die 30-Jährige ist die erfolgreichste Skifahrerin der Geschichte. Neben ihr sind mit Ted Ligety, Bode Miller, Julia Mancuso und Mikaela Shiffrin weitere Stars im US-Team für die Heim-WM. Ligety wurde dreifacher Weltmeister in Schladming und Olympiasieger in Sotschi. Miller ist 33-facher Weltcupgewinner, Olympiasieger und vierfacher Weltmeister. Mancuso hat an Grossanlässen bisher neun Medaillen gewonnen und Shiffrin ist amtierende Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Slalom.

Es ist das beste Team, das die USAje hatte. Der TV-Sender NBC zeigt zum ersten Mal in der Geschichte alle Rennen der WM live im ganzen Land. «Es ist eine Ehre, mit diesem Team die Heim-WM zu bestreiten», sagte US-Cheftrainer Sasha Rearick.

Konkurennz ist gross

Das Ziel war klar: Das Ergebnis von Schladming muss übertroffen werden. Bis zu acht Medaillen sollten es werden. Damit und mit der TV-Präsenz sollte der Skiport in den USA den nötigen Kick erhalten. Die Randsportart wollte aus dem Schatten von Baseball, Football, Basketball und Eishockey treten.

Wollte. Denn die erste WM-Woche verlief für die USA nicht nach Wunsch. Zwar kam mit Silber von Travis Ganong gestern in der Abfahrt eine zweite Medaille dazu. Aber es ist nicht Gold. Ligety konnte seinen WM-Titel im Super-G nicht verteidigen und verpasste eine Medaille. Weit schlimmer: Vonn hat nach Abschluss ihrer Paradedisziplinen Super-G und Abfahrt erst Bronze gewonnen. Zu wenig. Und Miller stürzte im Super-G und durchschnitt sich mit dem Ski eine Sehne. Der 37-Jährige überlegt, nach dem vorzeitigen WM-Aus aufzuhören: «Ich habe ein paar Mal versucht zurückzutreten und habe es nie durchgezogen. Aber an irgendeinem Punkt kommen genügend Dinge zusammen – und dann bleibt es dabei», sagte er im Interview mit NBC.

Nach gut der Hälfte der Wettbewerbe haben die USA noch kein Goldmedaille gewonnen. So machen die US-Skifahrer – so hart es tönt – zu wenig Werbung für sich. Die Amerikaner lieben Siege. Nur dann wird ein Sport interessant. Bisher war es darum ernüchternd. Besonders das Abschneiden von Vonn enttäuschte. Die 30-Jährige, die seit sie 11 Jahre alt ist in Vail, also in der Stadt, der das Luxusresort Beaver Creek angehört, wohnt, wurde den hohen Erwartungen nicht gerecht. «Ich wollte meinen Freunden, meiner Familie und allen Skifans etwas zeigen», sagte sie. Der Plan ging nicht auf.

Natürlich hat Ligety in der heutigen Superkombination und im Riesenslalom am Freitag die Chance, seine WM-Titel zu verteidigen. Doch so dominant wie in den letzten Jahren ist der 30-Jährige nicht mehr. Das erhoffte Gold ist keinesfalls garantiert.

Star mit 19 Jahren

Und so liegt es wohl ganz alleine an Mikaela Shiffrin, die Ehre die Heimnation zu retten. Die 19-Jährige lebt wie Vonn in Vail. Im noblen Skiort dreht sich vieles um sie. Im TV des Hotels läuft rund um die Uhr eine Sendung, die Shiffrin zeigt, wie sie Fitnessübungen vorführt. Auf den WM-Plakaten strahlt sie jedem Besucher entgegen und in den Fanshops gibt es Mikaela-Pins zu kaufen. Shiffrin ist das amerikanische Wunderkind. Everybody’s Darling.

Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die junge Frau all dies meistert. Ob Pressekonferenz, Sponsorentermin, TV-Sendung oder Autogrammstunde: Die 19-Jährige bewältigt alles mit Bravour und erzählt dabei mehr Gehaltvolles, als es andere Athleten oder Athletinnen in einem Jahr tun.

Bereits hat sie 12 Weltcuprennen gewonnen, ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Nach einer Krise zu Beginn der Saison fand sie rechtzeitig ihre Form wieder. Am Samstag im Slalom und vielleicht am Donnerstag im Riesenslalom muss es Gold sein.

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