Die Spaghetti kochen, der Tisch ist für 12 Personen gedeckt. Die Kollegen von Carlos Mäder wären bereit zum Essen. Doch weil der Obwaldner an dieser WM für Ghana startet, kommen täglich Medienvertreter in seinem Haus vorbei. Er nennt es «House of Ghana», in Anlehnung an die Treffpunkte der grossen Skinationen. Mäder hat sein Nationenhaus via Airbnb gemietet, es kostet über 4000 Franken für eine Woche, dafür hat es genügend Zimmer für seine Freunde. «Also, wir können essen», ruft seine Kollegin, während er von einem Reporter für einen Videobeitrag verkabelt wird. Er muss sich gedulden.

Mit dem ganzen Freundeskreis ist Mäder nach Schweden gereist. 12 Leute, alle haben eine Funktion, jeder ist akkreditiert. Der eine geht als Teamchef an die Mannschaftführersitzung, der andere macht den Chauffeur, der dritte übernimmt die Medienarbeit. Bei aller Halbprofessionalität erinnert die Szenerie im House of Ghana aber vor allem an eines: an Skiferien unter Kumpels.

Mäder ist 40-jährig und in Ghana geboren. Als achtmonatiges Kleinkind wurde er von einem Ehepaar aus Giswil im Kanton Obwalden adoptiert. Dort lernte er auf der Mörlialp Ski fahren und schloss sich später dem Skiklub an. Er war nicht nur im Skifahren talentiert, er spielte auch Fussball. Bis in die U18 des FC Luzern und die Innerschweizer Regionalauswahl schaffte er es. In seinem Team spielte etwa Gerardo Seoane, der heutige YB-Trainer.

Keine Unterstützung

Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Südkorea wuchs in Mäder im Sommer 2017 das Vorhaben, für Ghana im Riesenslalom zu starten. Das war mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden. Denn in Ghana fehlen die Verbandsstrukturen für den Wintersport.

Auf Unterstützung konnte er nicht zählen. Von der FIS-Lizenz über das Ski-Material bis zum Renndress musste er alles organisieren. Sämtliche Sponsoren zog er selbst an Land. Es sollte ein längerfristiges Projekt werden mit Teilnahmen an drei Grossanlässen: Winterspiele 2018, Ski-WM 2019 und Winterspiele 2022. Die Olympia-Quali für Pyeongchang verfehlte er, für die WM in Åre reichte es.

Die Offiziellen aus Ghana

Drei Offizielle von Ghana Olympics, dem Nationalen Olympischen Komitee, hätten angekündet, Mäder in Schweden besuchen zu wollen. «Ich bot ihnen an, beim Visa-Prozess und der ganzen Organisation der Reise zu helfen», sagt er. Als er aber erwähnte, er würde ihnen die Rechnung für ihre Reise zustellen, hörte er lange nichts mehr aus Afrika.

Vor zwei Wochen fragte er nach, gerne hätte er die Delegation zum Essen eingeladen. Die Funktionäre meldeten sich per Mail. Die Reise müsse gestrichen werden, da die dänische Botschaft die Visa ablehnte. Mäder lacht. «Ich habe höflich zurückgeschrieben, dass Åre in Schweden liegt.»

«Es bräuchte sehr viel, dass Carlos aufgibt»

Carlos Mäder bloss als einen exotischen Selbstdarsteller zu sehen, würde diesem Projekt nicht gerecht werden. Ihm geht es nicht nur um sich. Er unterstützt mit überschüssigem Sponsorengeld das Hilfsprojekt «Hope for Ghana». Vor allem will er aber einen ghanaischen Skiverband aufbauen. «Wenn alles nach Plan läuft, werde ich nach der WM nach Ghana reisen und dort die Ghana Ski Association gründen. Vorgesehen ist, dass ich den Verband präsidiere», sagt er. «In solchen Funktionen bin ich besser als im Skifahren.»

Er ist ein mitreissender Typ, andere für seine Ideen zu begeistern fällt ihm leicht. Der Arbeitgeber eines Kollegen war von Mäder so angetan, dass er ihm gratis einen Bus für den Trip nach Schweden zur Verfügung stellte. Bruno Vogler, ein Freund von Mäder, der das Projekt schon seit Beginn an begleitet, sagt: «Es bräuchte sehr viel, dass Carlos aufgibt. Er ist sehr ehrgeizig, aber auch sehr hilfsbereit.»

Schwieriges Qualifikationsrennen

Sein Skifahren ist dagegen nicht ganz konkurrenzfähig. Das zeigte sich, als Mäder am Donnerstag das Ausscheidungsrennen für den Riesenslalom bestritt. 120 Fahrer standen am Start, er belegte nur den 93. Platz. Ins WM-Rennen schafften es die 25 schnellsten. Zusätzlich erhielten die 25 schnellsten Nationen, die noch nicht im Teilnehmerfeld waren, einen Startplatz. Für Mäder reichte es nicht.

Eine zweite Chance bekommt er im Slalom. Der Aufwand habe sich so oder so gelohnt, sagt Mäder. «Ich bin mit meinen besten Freunden hier. Wie eine Klassenfahrt, extrem schön.» Die Kollegen haben vor dem House of Ghana eine Schneebar gebaut, es brennt ein Feuer, es riecht nach Kafi Schnaps. Sie werden diese Woche in Schweden nie vergessen.