Bundesliga

So gut wie nie: Warum Roman Bürki bei Dortmund unverzichtbar geworden ist

Roman Bürki hatten es die Dortmunder im Spiel gegen Mainz zu verdanken, dass die Punkte im Ruhrgebiet blieben. Auch diesen Ball pflückt sich der Schweizer.

Dank dem formstarken Goalie Roman Bürki darf in der Bundesliga Borussia Dortmund noch immer vom Meistertitel träumen. In seiner vierten Saison beim BVB spielt der 28-Jährige so konstant wie noch nie.

Das Titelrennen spitzt sich zu. Vier Runden vor Schluss sind Leader Bayern München und Borussia Dortmund nur durch einen Punkt getrennt. Dass die im Herbst zeitweilig mit neun Punkten Vorsprung führenden Westfalen noch immer von der ersten Meisterschaft seit 2012 träumen dürfen, liegt zu einem guten Teil an ihrem formstarken Goalie Roman Bürki.

Der auch dann gut war, als die Mannschaft schwächelte. In seiner vierten Saison beim BVB spielt der 28-Jährige so konstant wie nie. Für viele ist er in der Bundesliga der Beste seiner Zunft. Das Fachmagazin «Kicker» führt ihn in seiner Rangliste vor Leipzigs Gulacsi, Freiburgs Schwolow und Gladbachs Sommer als Nummer 1.

Trainer halten zu Bürki

Nachdem die Dortmunder vor drei Wochen bei den Bayern mit 0:5 verloren hatten, verdankten sie den folgenden kapitalen 2:1-Heimsieg über Mainz vor allem Bürki, der mit nicht weniger als acht Paraden glänzte, als sein Team in der Schlussphase eingeschnürt wurde. «Es war eigentlich nicht unser Plan, dass uns Roman retten muss», gestand hinterher Captain Marco Reus.

Und Mittelfeldspieler Thomas Delaney sagte, Bürki habe wie ein Oktopus die Mainzer Chancen vereitelt. Danach wurde der Held des Tages mit Sprechchören gefeiert. «Das ist natürlich schön», sagte der Schweizer, «zumal ich hier auch schon andere Zeiten erlebt habe.»

In der Tat hat es Bürki in Dortmund in den ersten Jahren nicht leicht gehabt. Jeder Patzer war ein gefundenes Fressen für die Medien und Möchtegern-Experten. Bürkis Glück: Alle seine Trainer, ob Thomas Tuchel, Peter Bosz oder Peter Stöger, hielten zu ihm. Auch Lucien Favre weiss ganz genau, was er an seinem Keeper hat.

Die Erkenntnisse des Vaters

Martin Bürki sitzt bei nahezu jedem Heimspiel des BVB auf der Tribüne. Auch gegen Mainz war er da und sagt: «Das war kaum auszuhalten. Aber als Vater hat man natürlich eine grosse Freude, wenn dem Sohn eine solche Leistung gelingt.» Martin Bürki hatte selber viele Jahre lang für den FC Münsingen in der 1. Liga das Tor gehütet und später bei den Young Boys die Nachwuchsgoalies ausgebildet.

Vermutlich hat ihm Roman sogar die Karriere zu verdanken, denn als Teenager musste ihn sein Vater hartnäckig davon überzeugen, das Angebot eines Probetrainings bei YB anzunehmen. Dadurch erst war der Weg in den Spitzenfussball vorgezeichnet.

Deshalb ist der 56-jährige Martin Bürki wie kaum ein anderer prädestiniert dafür, die Gründe für Romans grandiose Entwicklung in dieser Saison, eine eigentliche Leistungsexplosion, zu benennen:

Die Akzeptanz: «Roman wird nun in Dortmund vom Verein, vom Vorstand, vom Umfeld und den Fans akzeptiert. Das gibt ihm Selbstvertrauen und lässt ihn anders auftreten.»

Das Alter: «Mit 28 Jahren verfügt er mittlerweile über viel Routine. Gerade bei Torhütern ist das ein wichtiger Faktor.»

Der Erfolg: «Es läuft dem BVB in dieser Saison viel besser als zuvor. Vom Erfolg ist auch Roman mitgetragen worden.»

Der Konkurrenzkampf: «Seit der Ankunft von Marwin Hitz gibt es einen gesunden Konkurrenzkampf. Die beiden kommen super miteinander aus, aber Roman weiss, dass er nicht ‹lauern› kann und sich immer wieder beweisen muss.»

Der Goalietrainer: «Im Sommer erhielt der BVB mit dem 41-jährigen Matthias Kleinsteiber einen neuen Goalietrainer. Roman hatte es zuvor auch mit dessen Vorgänger Teddy de Beer gut gehabt, aber der Neue hat mit modernen Trainingsmethoden frischen Wind in die tägliche Arbeit gebracht.»

Der Trainer: «Lucien Favre will nicht, dass der Goalie zu viel Risiko nimmt. Unter Tuchel und Bosz war das anders. Da war die Gefahr grösser, dass Roman auch mal schlecht aussah.»

Die Nati: «Weil Roman spürte, dass die Belastung durch den Verein zusammen mit den Nati-Aufgeboten zu gross und er zunehmend verletzungsanfällig wurde, entschloss er sich zu einer Auszeit bei der Nati. Somit kann er sich ganz auf die Spiele in der Bundesliga und in der Champions League konzentrieren. Aber zugeschlagen hat er die Tür zur Nati ja nicht. Er hat erklärt, bei Bedarf zur Verfügung zu stehen.»

Der Mentaltrainer: «Dank der Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer versteht er es, sich ganz auf sich zu fokussieren, und hat auch seine Emotionen viel besser im Griff.»

Keine garantierten Punkte im Ruhrderby

Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass aus Bürki beim BVB ein Leader geworden ist. Einer, der sich trotz der heruntergeschraubten Emotionalität nicht das Maul verbieten lässt und auch öffentlich Klartext spricht, wenn ihm etwas an seiner Mannschaft nicht passt. Mit seinen Leistungen kann er sich dies leisten.

Sein Stellenwert innerhalb des Teams ist hoch. «Roman hat eine hervorragende Entwicklung genommen», sagt Sportdirektor Michael Zorc. Bürkis Vorgänger Roman Weidenfeller lobt: «Er bringt konstant stabile Leistungen und ist ein Garant dafür, dass der BVB noch Chancen auf den Titel hat.»

Heute Samstag bestreitet die Borussia das Ruhrderby gegen Schalke. Gelb-Schwarz hat 42 Punkte mehr auf dem Konto als Blau-Weiss. Eine Garantie für weitere drei Punkte ist das aber nicht. Die steht wohl eher zwischen den Pfosten, bestreitet das 157. Bundesligaspiel und heisst: Roman Bürki.

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