Nur mit Schweizer Spielern anzutreten, ist in der NLA alles andere als alltäglich. Kaum je wählt ein Klub diese Strategie. Das Risiko, dass ein Team ohne ausländische Verstärkungsspieler in den Abstiegskampf verstrickt wird, ist zu gross. Das wissen auch die Verantwortlichen des TC Froburg Trimbach. Denn sie bestreiten in diesem Jahr bereits ihre sechste Saison in der höchsten Liga. Entsprechend ist diese «Swissness»-Strategie auch durch Zufall entstanden.

«Wegen eines internen Missverständnisses erfolgte die Lizenzierung der ausländischen Spieler nicht fristgerecht», erklärt Klubpräsident Marco Meyer. Ein ärgerlicher Fehler, der den Trimbachern jegliche Chancen auf den Meistertitel raubt. Statt um die Finalrundenplätze werden die Trimbacher um den Ligaerhalt kämpfen. Da der TC Froburg Trimbach aber wie schon in den vergangenen Jahren starke Schweizer Spieler und einige regionale Hoffnungsträger im Kader hat, ist er auch ohne ausländische Verstärkungen nicht völlig chancenlos. Aber die Aufgabe ist ungleich schwieriger geworden.

Ein starkes Comeback von Sandro Ehrat

Die Hoffnungen der Trimbacher liegen nun unter anderem auf den Schultern von Sandro Ehrat. Der Schaffhauser hat im letzten NLA-Saison alle seine Einzel für Trimbach gewonnen und sich danach entschieden, die Rückkehr auf die Profitour zu wagen. Dies nachdem er seine Karriere dreieinhalb Jahre zuvor eigentlich bereits beendet hatte. Ein guter Entscheid, wie sich ein Jahr später festhalten lässt. Denn Sandro Ehrat ist in den letzten Monaten von einem Erfolg zum nächsten geeilt.

Schon im September konnte sich der 28-jährige Schaffhauser beim Profiturnier in Schlieren fürs Endspiel qualifizieren. Als Lohn für diese starke Leistung erhielt er ein Aufgebot für das Davis-Cup-Team für die Partie gegen Schweden. Aber nicht nur das: Sandro Ehrat kam beim Stand von 2:2 im alles entscheidenden Einzel zu seinem allerersten Einsatz im Davis Cup.

«Das war ein ganz spezieller Moment für mich», blickt Ehrat auf die Partie gegen Jonathan Mridha zurück, welche er knapp in vier Sätzen verlor. Ehrat konnte den Schwung aus der Davis-Cup-Woche mitnehmen. Gleich im Anschluss gewann er ein Futureturnier in Italien – notabene als Qualifikant.

Im aktuellen Jahr sind bereits vier weitere Turniersiege auf der untersten Profistufe dazugekommen. Es ist daher wenig überraschend, dass sich Sandro Ehrat auch in der Weltrangliste nach oben gekämpft hat. Momentan wird er als Nummer 386 der Welt geführt. «Das Jahr 2019 ist für mich bisher absolut genial gelaufen», schwärmt Ehrat, der ab nächster Woche das Trimbacher NLA-Team anführen wird.

Eine Chance für die Nachwuchsspieler

Dass er plötzlich die Nummer eins statt wie ursprünglich geplant die Nummer drei der Mannschaft ist, stört ihn nicht. «Ich bin optimistisch. Wir werden uns gegenseitig unterstützen und das Beste geben», sagt Sandro Ehrat. In der neuen Konstellation wird aber nicht nur Ehrat gefordert sein, sondern vor allem auch die jungen Spieler. Sie werden in diesem Jahr zu deutlich mehr Einsätzen kommen als geplant.

«Das ist eine tolle Chance für unsere Nachwuchsspieler. Jetzt können sie zeigen, dass sie bereit sind für die Nationalliga A. Wir machen aus unserer Not eine Tugend und setzen voll auf die jungen Spieler», sagt Klubpräsident Marco Meyer.

Zusätzlich zu den routinierten Spielern wie Ehrat, Cristian Villagran, Adam Moundir und Yann Marti werden wohl die Hägendorfer Brüder Mischa und Timo Lanz sowie die Aargauer Jonas Schär und Dario Huber zu ihren NLA-Einzeldebüts für Trimbach kommen. Im Kampf um den Ligaerhalt wird das Kräftemessen mit dem Team aus Nyon am kommenden Donnerstag eine vorentscheidende Rolle einnehmen. Denn die Westschweizer sind wohl das einzige Team, das für die Trimbacher im Normalfall in Reichweite liegt.