Schiessen
Für weitere Volltreffer: Der Kanton Solothurn führt ein neues Schiess-Förderkader

Um auch zukünftig an die jüngsten, nationalen und internationalen Erfolge anzuknüpfen, führt der Kanton Solothurn neu ein Förderkader im Schiessen.

Michael Schenk
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Ziel Olympia im Visier – davon träumen alle Schützentalente.

Ziel Olympia im Visier – davon träumen alle Schützentalente.

KEYSTONE

Der Kanton Solothurn steht mitunter im «Zehner» der helvetischen Schützenzielscheibe. Leute wie Jan Lochbihler, Elite-Schweizer-Meister 2013 und Junioren-Europameister 2012 im Kleinkaliber-Dreistellungswettkampf, oder die amtierende Junioren-Schweizer-Meisterin Marina Bösiger (Liegend- und Dreistellungsmatch), zeichnen kraft ihrer Triumphe massgeblich für Ruhm und Ehre verantwortlich. Nebst den Aushängeschildern stellen die Ambassadoren weitere Mitglieder in nationalen Kadern.

Verband übernimmt Kostenmehrheit

Damit dem weiter so bleibt, führt der Kanton ab heuer ein Förderkader. «Dabei geht es nicht darum, die absolute Spitze zu fördern, sondern primär, um junge Talente an die Spitze heranzuführen», sagt Fritz Ryser. Die Mitglieder des Förderkaders gehören automatisch auch dem schon länger bestehenden Kantonalkader an. Finanziell getragen wird die Nachwuchs-Elite-Auswahl vom Kantonalverband und zwar mit jährlich rund 1300 Franken pro Schütze und Schützin.

Seitens der Geschäftsleitung des SOSV steht man dem Programm sehr positiv gegenüber. Konzept und Budget wurden «problemlos bewilligt», hält Ryser fest. Dazu steuern die Eltern der Tellsöhne und -töchter 300 Franken pro Jahre bei. «Mir ist es wichtig», hält Initiant Ryser fest, «dass sich die Eltern finanziell beteiligen.» Allein die Identifikation nehme so merklich zu. Denn: «Was nichts kostet, ist nichts wert», sagt Ryser. 300 Franken sind notabene im Vergleich zu anfallenden Selbstkosten in vielen anderen Sportarten ein Klacks.

Trainings in Deitingen

Rund 15 000 Franken stehen dem Förderkader so summa summarum im Startjahr 2013/2104 zur Verfügung. Geld, das primär für Stand- und Anlagenmiete, Trainerentschädigungen und Startgelder verwendet wird. Die wöchentlichen Stützpunkttrainings finden in Deitingen statt.

Dazu stehen Wettkämpfe und Fitnesstests an.

Förderkader: 9 aus 3 Vereinen

Dem Kader gehören im ersten Vertragsjahr, das am 30. September 2014 endet, folgende neun Schützinnen und Schützen an: Dominik Affolter (15/Leuzigen/SS Winistorf). Lars Gilser (13/Subingen/SS Winistorf). Michael Haefeli (17/Balsthal/FS Balsthal-Klus). Tim Kaufmann (13/Heinrichswil/SS Winistorf). Rino Leimer (17/Bellach/SS Lebernberg). Eliah Marti (14/Bettlach/SS Lebernberg). Eric Mischler (14/Selzach/SS Lebernberg). Mirco Reinhardt (15/Balsthal/FS Balsthal-Klus). Diana Zwald (19/Gerlafingen/SS Winistorf, LG Olten). (msk)

Vereinsdenken wirkt hemmend

«Matchentscheidend ist», sagt Fritz Ryser, «dass die Jungen Erfolgserlebnisse feiern können.» Seien es persönliche in Form von Bestleistungen oder solche im Vergleich mit Mitstreitern an Wettkämpfen. Was eignet sich besser als ein Kader, um das Potenzial von 13- bis 19-jährigen Talenten auszuloten? Eine Auswahl, die die besten vereint, und in der sich diese messen und anspornen können? Nichts – sollte man meinen.

Das Solothurner Förderkader Hintere Reihe von links: Pascal Gschwind (Trainer), Peter Brudermann (Trainer), Mirco Reinhardt, Michael Häfeli, Rino Leimer, Eliah Marti, Fritz Ryser (Trainer), Rolf Kaiser (Trainer und Abteilungsleiter SOSV). Vordere Reihe von links: Kurt Kehl (J+S Coach), Dominik Affolter, Tim Kaufmann, Diana Zwald. Es fehlen: Lars Gisler; Eric Mischler.

Das Solothurner Förderkader Hintere Reihe von links: Pascal Gschwind (Trainer), Peter Brudermann (Trainer), Mirco Reinhardt, Michael Häfeli, Rino Leimer, Eliah Marti, Fritz Ryser (Trainer), Rolf Kaiser (Trainer und Abteilungsleiter SOSV). Vordere Reihe von links: Kurt Kehl (J+S Coach), Dominik Affolter, Tim Kaufmann, Diana Zwald. Es fehlen: Lars Gisler; Eric Mischler.

Michael Schenk

Umso mehr, als sich mit Fritz Ryser, Peter Brudermann, Rolf Kaiser, Pascal Gschwind und Kurt Kehl fünf versierte Trainer um den treffsicheren Nachwuchs kümmern. Bei den Schützen freilich hapert das mit dem Kaderdenken bisweilen noch. Statt sich zu freuen, jemanden in ein Kader abstellen zu können, steht das «Gärtlidenken» häufig im Vordergrund. Schliesslich könnten die Besten ja hie und da an Vereinsanlässen fehlen, wenn sie mit der Auswahl unterwegs sind. Ausserdem ist der Stammverein für die Waffe und persönliche Ausrüstung besorgt, was schnell mehrere tausend Franken ausmacht und gewisse Ansprüche hervorruft..

Bisher war viel Eigeninitiative gefragt

«Wir wünschen uns, dass alle Vereine einer Karriere ihrer Talente im olympischen Schiessen offen gegenüberstehen und allfällige Eigeninteressen im Sinn der Talente zurückstellen», sagt Fritz Ryser. Bis dato war es einem Talent mehr oder weniger selbst überlassen, wie, wo und mit wem es allfällige, freiwillige Zusatz-Trainings abhält. Ryser kümmert sich derlei schon seit Jahren quasi in loser Folge um Talente. Jetzt ist das Engagement des in der Baubranche tätigen Förderers in Form des Förderkaders sozusagen offizialisiert worden.

10 Stunden Training sind Pflicht

Alle Kaderathletinnen und -athleten haben sich verpflichtet, einen wöchentlichen Übungsaufwand von mindestens zehn Stunden auf sich zu nehmen. Nebst dem dreistündigen Stützpunkt-Training beinhaltet dies Vereinstrainings- und persönliche Einheiten. Letztere sollen auch der körperlichen Fitness dienen. Denn: Nur wer topfit ist, hat eine Chance, während eines zweistündigen Wettkampfs Kugel für Kugel ins Zentrum zu knallen. Wer konditionell und kraftmässig schlampt wie ein ausgepresster Spargel bringt nie die dazu nötige Spannung nie auf.

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