Mountainbike
Nach dem Kulturschock ist Nathalie Schneitter endlich zurück im Bike-Sattel

Nach einer phasenweise schmerzhaften Pause kehrt Nathalie Schneitter an den Solothurner Bike Days in ihr Business zurück. Zum ersten Mal seit ihrem Unfall auf Zypern startet die Lommiswilerin wieder in einem Bike-Rennen.

Michael Schenk
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Ist wieder in ihrem Element: Nathalie Schneitter.

Ist wieder in ihrem Element: Nathalie Schneitter.

Armin M. Küstenbrück

Zehn Euro hatte sie Anfang März in Zypern für die Behandlung ihrer tiefen Fleischwunde am Knie bezahlt. Auf läppischem Kies sei sie ausgerutscht, sagt sie. Nicht einmal in einer wirklich schwierigen Passage also, die beim Erzählen noch imponiert hätte. Der Arzt kam im Sonntagshemd, krempelte die Ärmel hoch und begann zu nähen. «Ich habe geschrien wie am Spiess», erinnert sich Nathalie Schneitter. Das mit den Medis, welche die Wunde hätten unempfindlich machen sollen, hatte nur suboptimal gekappt.

«Später», erzählt die Lommiswilerin, «hat man mir im Spital in der Schweiz gesagt, dass man solche Fäden seit 40 Jahren nicht mehr gesehen hat.» Eine kulturelle Erfahrung der ureigenen Art für die Hobby-Flügelhornspielerin. Eine notabene, die ihr das Mountainbiken, ihr Kerngeschäft, zuletzt verunmöglichte. So hat sich die Spitzenfahrerin mit Strassenrennen fit gehalten. Aber: «Ich bin definitiv kein «roady».

Männer: Stoppt Flückiger das Spitzenduo?

Im Rennen der Männer trifft die Weltnummer 1 und der Sieger der letzten drei Bike-Days-Austragungen, Nino Schurter, auf die Weltnummer 2, Julien Absalon, den vierfachen Weltmeister und zweifachen Olympiasieger. Die Suppe versalzen könnte dem vermeintlichen Spitzenduo der Oberaargauer Mathias Flückiger. Der 25-jährige Ochlenberger hat einen starken Weltcupstart in die Pedale gelegt. Nach dem achten Rang zum Auftakt im südafrikanischen Pietermaritzburg klassierte sich Flückiger zuletzt im australischen Cairns hinter Absalon auf dem zweiten Rang. Besser war der Berner im Weltcup noch nie klassiert. (msk)

In der Schweiz sei’s ja noch gegangen, wenn da indes wie etwa in Italien 140 zum Teil kochend heissblütige Weiblichkeiten auf Karbon-Rennern einander anschreien, man solle verduften und mit Kraftausdrücken um sich schimpfen, «ist das gar nicht mein Ding.» So ist die 27-Jährige froh, dass die Verletzung so weit abgeklungen ist, dass sie wieder auf dem Bike Rennen bestreiten kann.

EM noch nicht abgeschrieben

Jetzt misst sich Nathalie Schneitter anlässlich ihres Heimspiels an den Bike Days erstmals wieder mit der internationalen Elite. Am Freitag im Sprint, am Samstag im Cross Country. «Wo ich stehe, kann ich nicht sagen. Es wird auch für mich überraschend sein zu sehen, was rauskommt.» Was ihren Fitnesslevel angeht, räumt die Solothurnerin ein, dass sie sich zwar besser fühlt als vor einem Jahr zur gleichen Zeit aber «noch nicht ganz da bin, wo ich sein möchte».

An Konkurrenz wird es der U23-Vizeweltmeisterin von 2008 im Heimatland nicht fehlen. Mit Eva Lechner, ihrer Teamkollegin, ist die Nummer 1 der Welt in Solothurn am Start. Für die EM Anfang Juni in St. Wendel (Ö) sind aus Schweizer Kathrin Stirnemann und Katrin Leumann praktisch gesetzt. Für Nathalie Schneitter wird es diesbezüglich eng, hat die Lommiswilerin doch aufgrund ihrer Verletzung die ersten beiden Weltcups in Pietermaritzburg und Cairns verpasst. Selektioniert freilich wird erst am 28. Mai. Mit einem starken Mini-Comeback in Solothurn und dann primär bei ihrem persönlichen Weltcup-Debüt Ende Monat in Nove Mesto könnte es also doch noch klappen.

Vielleicht geht es etwas schneller

Glücklich, wieder Dreck unter den Reifen zu spüren, freut sich Nathalie Schneitter sehr auf ihre Einsätze in der Heimat. Wie sie mit dem etwas anderen Rennrhythmus als auf dem Strassenvelo klar kommt, wird sich zeigen. «Normalerweise brauche ich ein, zwei Einsätze um richtig reinzukommen – aber wer weiss, vielleicht geht es ja schneller», sagt sie. Die nicht wirklich typische Cross Country-Strecke in Solothurn mit relativ vielen Flachstücken dürfte ihr dabei zugute kommen. Obwohl sie sonst eher die ruppigen Aufstiege und Vollgas-Abfahrten liebt.

Was auf jeden Fall die mentale und physische Leidensfähigkeit angeht, so hat Nathalie Schneitter zuletzt nicht nur auf dem Rennvelo, sondern auch im östlichen Mittelmeerraum eine wichtige Lektion dazugelernt: Kein Rennen, das in ihrer Karriere noch kommt, kann härter werden, als die Minuten beim Doktor in Zypern.

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