Eishockey

Nach der Unterschrift folgt für viele die Ernüchterung

Wohin führt sein Weg? Stan Horansky, das ausserordentliche Sturmtalent des EHC Olten. Bild: freshfocus

Wohin führt sein Weg? Stan Horansky, das ausserordentliche Sturmtalent des EHC Olten. Bild: freshfocus

Sieben Beispiele von Liftspielern zeigen, wie die zweithöchste Schweizer Eishockeyliga immer mehr zur Ausbildungsliga verkommt und damit die National-League-Organisationen die Swiss-League-Vereine unter Kontrolle halten. Mittendrin: Der EHC Olten.

Es liegt insbesondere Spitzensportlern in den Genen, stets nach Höherem zu streben. Wer in der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga zu den Topspielern gehört, der liebäugelt gerne mal damit, bald den Sprung in die höchste Liga, in die National League, zu schaffen.

Beim EHC Olten sind mit Sartori, Rouiller, Elsener und Eigenmann eine Handvoll Spieler angestellt, die an der Schwelle zur höchsten Liga kratzen. Hinzu kommt ­EHCO-Stürmer Stanislav Horansky, der beim EHC Olten zu einem unverzichtbaren Wert geworden ist und damit auch die Interessen der National-League-Klubs geweckt hat. Konkret hat Ambri-Piotta Interesse am Slowaken mit Schweizer Lizenz angemeldet.

Stanislav Horansky wird wohl für den EHC Olten nicht zu halten sein

Stanislav Horansky wird wohl für den EHC Olten nicht zu halten sein

Ob sich jedoch Horansky, der bereits mit Biel 54 NLA-Einsätze auf dem Konto hat, in der National League durchsetzen würde, ist soweit nicht mehr als Kaffeesatzlesen. Klar ist: Genauso wie man von seinen Qualitäten überzeugt sein kann, darf auch angezweifelt werden, ob er selbst mit einem National-League-Vertrag im Sack den Schritt zum Stammspieler tatsächlich schafft.

Denn unlängst ist im Schweizer Eishockey ein brisanter Trend auszumachen, der das Leben aller Swiss-League-Sportchefs besonders schwer macht: Die National-League-Organisationen statten die besten Swiss-League-Spieler mit einem Kontrakt aus – wohlwissentlich, dass diese letztlich keinen Platz im Stammkader erhalten werden und mittels B-Lizenz als Ausleihe wieder in der Swiss League landen, um dort Spielpraxis sammeln zu dürfen.

Eine Auslegeordnung zeigt: Sieben Spieler aus der Swiss League haben sich im vergangenen Frühling für die laufende Saison einen Vertrag bei einem National-League-Klub ergattern können. Doch von diesen sogenannten Liftspielern spielen fünf längst wieder eine zentrale Rolle in der Swiss League.

Als krassestes Beispiel wiegt Alain Birchers Traum von der National League. Der Klotener besitzt einen Vertrag in Langnau, hat dort aber noch kein einziges Spiel bestritten und absolviert die Saison als Ausleihe in Langenthal.

Nur zwei – Nico Dünner (Rapperswil) und  Giacomo Dal Pian (Ambri) – konnten sich eine Liga höher definitiv durchsetzen (siehe Box). Nach der Unterschrift in der National League folgt deshalb für viele schon bald wieder die Ernüchterung.

Werden Ausleihespieler vor Playoffstart abgezogen?

Der Hintergedanke: Die NL-Klubs können so über die Topspieler der zweiten Liga bestimmen. Diese Strategie macht es Topteams wie Kloten oder Olten schwer, ein kompetitives Stammkader zusammenzustellen. Und dieses Vorgehen spielt insbesondere den NL-Klubs in der unteren Tabellenhälfte in die Karten. Mit laufenden Verträgen der NLB-Topspieler verfügen die NLA-Organisationen faktisch die vollste Kontrolle über die Swiss-League-Teams. Ausleihespieler können jederzeit wieder abgezogen werden – oder werden nach Gutdünken hin und her geschoben.

Laut Branchenkennern dürften beispielsweise B-Lizenz-Verteidiger Tim Grossniklaus und -Stürmer Jules Sturny von den SCL Tigers die Playoffs nicht mit Kloten bestreiten, selbstredend ohne grosse Aussichten auf eine gewichtige Rolle beim Vertragsklub. Damit wird dem aufstiegswilligen Klub bereits vor Playoffstart fast schon systematisch vom Oberklassigen viel Wind aus den Segeln genommen.

Liftspieler, die am Montag nach dem Morgentraining auf ihr Handy blicken müssen, um zu erfahren, in welchem Team sie am Dienstagabend spielen, sind in der Swiss League deshalb als Verstärkung zwar gerne gesehen, aber als Aufbau eines harmonischen, erfolgreichen Konstrukts in der Garderobe letztlich Gift, weil nie vollumfänglich auf sie gezählt werden kann.

Hingegen haben B-Lizenzen durchaus auch eine positive, förderliche Seite: Junioren im Elite-Alter können mittels Ausleihe an das professionelle Männer-Eishockey herangeführt werden, so wie dies der EHC Olten derzeit bei Keijo Weibel und Joel Salzgeber praktiziert.

Weil die National-League-Klubs mit einem möglichst breiten Kader in die Saison starten wollen, die Rede ist von über 30 Spielern (sechs Linien), versuchen die Organisationen als neuste Masche NLB-Spieler mit Perspektiven zu einem Vertrag in der Swiss League zu überreden, um Lohn- und Versicherungskosten aus dem Weg zu gehen, wobei Spieler und NL-Team die Option vertraglich festgehalten haben möchten, dass auf den entsprechenden Spieler mittels B-Lizenz im Lauf der Saison zurückgegriffen werden kann.

Der EHC Olten tut gut daran, sich an solchen Spielchen nicht zu beteiligen, auch wenn vielleicht die Gefahr besteht, dass der eine oder andere Topspieler nicht (mehr) in Grün-Weiss aufläuft.

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