WM-Kolumne
Arno auf Hochdeutsch, Arno das WM-Phantom

Die Schweiz trägt ihre WM-Spiele in Helsinki aus. Der Chronist spricht über WM-Phantom Arno del Curto, das während des Turniers jeglichen Interviewanfragen aus dem Weg geht.

Klaus Zaugg
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Arno del Curto ist Assistenztrainer des österreichischen WM-Teams.

Arno del Curto ist Assistenztrainer des österreichischen WM-Teams.

Bild: Patrick B. Kraemer / KEYSTONE

Der Papst gibt Audienzen. Aber Arno Del Curto mag nicht sprechen. Eine Aussage von ihm zu erhaschen ist in diesen Tagen in Finnland aufwendiger als das Einholen einer Stellungnahme im Vatikan. Er hilft seinem Freund Roger Bader, dem österreichischen Nationaltrainer, als Assistent bei der WM. Wie funktioniert das nun in der Praxis?

Es ist schon eine zweistündige Bahnreise 1. Klasse von Helsinki nach Tampere wert, um das vor Ort herauszufinden. Österreich hat bisher in Tampere überrascht: nur 1:3 gegen Schweden und ein Sensationspunkt beim 2:3 n. V. gegen die USA. Arno sitzt auf der Tribüne beim Spiel Lettland gegen Norwegen. Hast Du ein paar Minuten Zeit? «Nein, nein, nein, nein, nein. Ich will und kann nicht reden. Ich will meine Ruhe haben. Rede ich mit einem, muss ich mit allen reden. Nach der WM ja, aber jetzt nicht.»

Er möchte so unerkannt bleiben wie einst das Phantom in der Pariser Oper. Arno, das WM-Phantom von Tampere. Er hatte sich gar geweigert, sich für die offizielle WM-Dokumentation abbilden zu lassen. Aber er musste. Und erst gestern ist es Roger Bader gelungen, seinen Freund dazu zu überreden, mit aufs Teamfoto zu kommen.

Die Frage geht an Roger Bader: Funktioniert Arno Del Curto in der Rolle als «Energiespender» und «Motivator»? «Oh ja. Die Spieler kannten Arno ja noch nicht und sind nun begeistert.» Der Engadiner sozusagen als Naturereignis fürs österreichische Hockey. «Im Training ist er auf dem Eis, leitet aber keine Übungen und macht mal hier und mal da eine Anmerkung. Während des Spiels spricht er auf der Bank mit den Spielern, muntert sie auf.» In welcher Sprache? «Auf Hochdeutsch.» Arno, tobend in der Sprache von Nietzsche, Kant, Schiller und Goethe? «Es ist eher ein Hochdeutsch mit starkem Schweizer Einschlag. Inzwischen verstehen die Spieler, was er meint, wenn er sagt: Läck mir, ist das gut …»

Was Roger Bader bei seinem Freund auffällt, den er seit mehr als 30 Jahren kennt. «Es ist unglaublich, wie er wieder Energie hat.» Sozusagen ein neuer Arno im Vergleich zu seinen letzten Wochen in Davos und dann im Frühjahr 2019 in Zürich, seiner letzten Trainerstation. Und noch etwas ist Roger Bader aufgefallen: «Es hat Arno gekränkt, dass man ihm zuletzt vorgeworfen hat, er sei ein Trainer von gestern. Nur weil er nicht mit Laptop und Statistiken arbeiten wollte. Nun sieht er, dass bei der WM ja genau sein Tempo-Hockey gespielt wird. Das freut ihn sehr.» Arno, der ewig moderne Trainer. Und noch lange nicht reif für den Ruhestand. Er ist ja erst 65. Scotty Bowman gewann mit 69 den Stanley Cup.

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