Australian Open
Stan Wawrinkas neue Strahlkraft

Stan Wawrinka überzeugt in Melbourne nicht nur sportlich. Auch sein grelles Outfit gefällt den Fans, unter denen man am Australian Open immer wieder besondere Paradiesvögel findet.

Petra Philippsen, Melbourne
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Der «schrille» Stan Wawrinka ist ganz nach dem Geschmack der australischen Zuschauer.

Der «schrille» Stan Wawrinka ist ganz nach dem Geschmack der australischen Zuschauer.

KEYSTONE

Jim Courier konnte es einfach nicht lassen. Der zweimalige Australian-Open-Champion gibt nach den Matches in der Rod-Laver-Arena stets den charmanten Conférencier für das australische Fernsehen und befragt die Sieger in seiner gewitzten Art. So stand gestern auch Stan Wawrinka neben ihm, nach seinem 6:2, 6:3 und 7:6-Erfolg in der dritten Runde über den Tschechen Lukas Rosol. Im Achtelfinal trifft er nun auf den Kanadier Milos Raonic.

Ein wandelnder Leuchtstift

Doch das interessierte Courier alles weniger, dafür mehr das farbenfrohe Outfit, das der 30-jährige Lausanner in Melbourne trägt: neon-orange-gelb von Kopf bis Fuss – ein wandelnder Leuchtstift also. Aber Wawrinka antwortete ganz trocken: «Ja, es ist schon ziemlich schrill – aber so können mich wenigstens auch die Zuschauer ganz oben auf der Tribüne sehen.»

Oben auf den Rängen entdeckte Wawrinka dann auch zwei Fans, die stolz seine berühmten Karo-Shorts von seinem French-Open-Sieg trugen, über die so viel diskutiert worden war – und gratulierte ihnen augenzwinkernd zu ihrem guten Geschmack.

Tennis Australian Open spezielle Outfits
11 Bilder
Ausgerechnet Nick Kyrgios beteiligt sich auch am Trend. Er beleidigte Wawrinka vergangenes Jahr aufs Übelste - heute läuft er mit den gleichen Farben auf den Court.
Auch der Japaner Tatsuma Ito trägt die In-Farbe.
Gael Monfils outet sich ebenfalls als Trendsetter.
Der junge Alexander Zverev trägt sogar ein orangefarbenes Schweissband.
Völlig emanzipiert: Auch die Russin Elizaveta Kulichkova ist Feuer und Flamme für die neue Trendfarbe.
Während Ana Ivanovics Freund, der Fussballer Bastian Schweinsteiger, am liebsten Schwarz-Rot-Gold trägt, stimmt Ivanovic ihr Outfit komplett in Orange ab.
Marcos Baghdatis trägt zwar nicht die Farben eines Papageis, doch die Frisur vom Zyprioten könnte ein Federvieh zum Vorbild gehabt haben.
Zwar nicht Orange, doch Lleyton Hewitt fällt trotzdem auf. Das Käppi ist das Markenzeichen des Australiers.
Mag es lustig: Novak Djokovic trägt im Training ein Shirt mit Mickey-Mouse-Motiv.
Serena Williams bietet freizügige Einblicke: Dieser Schnappschuss gehört zur Kategorie « Karneval in Rio ».

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Keystone

Und die beiden waren längst nicht die Einzigen, die sich für den Tennis-Tag besonders in Schale geworfen hatten. Vielmehr sind die Australian Open weltberühmt für ihre kreativen, originellen und sehr sangesfreudigen Fans. Schräge Kostüme, verrückte Perücken, gebastelte Hüte, bunte Gesichtsbemalungen, wohin man sieht; die Fans kommen aus aller Welt, um ihre Lieblingsspieler anzufeuern.

Verrückte Fans

Gestern hatten sich die Australier bereits am Nachmittag bei Wawrinka auf Betriebstemperatur gebracht – schliesslich hatte der Bier-Sponsor seinen Thementag – und für die grosse Party am Abend in Stimmung gegrölt. Denn schon drei Tage vor dem Australia Day gab es einen weiteren nationalen Feiertag: mit Bernard Tomic und John Millman standen sich die letzten verbliebenen Lokalheroen in der Nightsession gegenüber.

Nachdem im Vorjahr und 2012 jeweils zwei Australier die Achtelfinals erreicht hatten, sind ihnen dank Daria Gavrilova dieses Mal zumindest ein Mann und eine Frau in der vierten Runde sicher. Die australischen Fans werden demütiger, was die Erfolge ihrer Landsleute beim Heim-Grand-Slam angehen – nur nicht beim Feiern, da sind sie Down Under längst Champions. Wenn der Schlachtruf «Aussie, Aussie, Aussie» über die Plätze im Melbourne Park hallt, echot die Antwort «Oi, oi, oi!» sofort kollektiv von überall her zurück.

Sie lieben Tennis, aber sie feiern vor allem auch sich selbst. Mit reichlich Wein und Gerstensaft, um die Sangeskehlen zu ölen. Und mit viel Herz und ganz entspannt. Deshalb ist ja schliesslich der «Happy Slam».

Drama um Andy Murrays Schwiegervater

Die Serbin Ana Ivanovic schied in Melbourne nach einem Drama gegen die Amerikanerin Madison Keys aus. Ivanovic führte 6:4, 1:0, als ihr Coach Nigel Sears, Andy Murrays Schwiegervater, auf der Tribüne mit Herzproblemen zusammenbrach. Ivanovic bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmt, und machte den Schiedsrichter darauf aufmerksam, dass es sich bei der Person, die auf der Tribüne betreut würde, um ihren Coach handle. Danach wurde die Partie für fast eine Stunde unterbrochen. Sears, der Vater von Andy Murrays Ehefrau Kim, war auf der Tribüne zusammengebrochen. Er sei ins Spital überführt worden, habe das Bewusstsein wiedererlangt, sei ansprechbar gewesen und von Kardiologen betreut worden, liessen die Organisatoren verlauten. Murray stand zu dem Zeitpunkt ebenfalls im Einsatz. Der Brite wurde über den Zusammenbruch seines Schwiegervaters informiert. Seine Partie wurde indessen nicht unterbrochen. Auch Murray verlor kurz den Faden und gegen den Portugiesen Sousa den zweiten Satz. Seine Frau weilt nicht in Australien. Sie erwartet Mitte Februar das erste Kind. Ana Ivanovic gab ohne ihren Coach die Partie gegen die favorisierte Madison Keys gar aus der Hand. Nach dem Vorfall gewann sie bloss noch 7 der nächsten 19 Games. (si)

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