Tennis

Starke Leistung trotz Auftritt abseits der Kameras

Erfolgreiche Schweizerinnen: Martina Hingis und Timea Bacsinszky

Erfolgreiche Schweizerinnen: Martina Hingis und Timea Bacsinszky

Martina Hingis und Timea Bacsinszky stehen im Doppel-Halbfinal. Jetzt ist Edelmetall in greifbare Nähe gerückt.

Um sich zu veranschaulichen, wie tief der Stellenwert der durch die Absenzen von Roger Federer, Stan Wawrinka und Belinda Bencic massiv geschrumpften Schweizer Tennisdelegation hier in Rio gesunken ist, reicht ein Blick auf die Vergabe der Spielfelder.

Timea Bacsinszky und Martina Hingis mussten ihren Viertelfinal gegen das taiwanesische Geschwisterpaar Chan/Chan auf Court 7 austragen. Einem der Plätze ohne TV-Bilder. Die Zuschauer in der Heimat verpassten so eine Machtdemonstration der beiden Schweizerinnen. Die lagen im ersten Satz bereits mit 0:3 im Hintertreffen. Und gewannen dann auf überzeugende Art und Weise zwölf (!) Games in Serie zum 6:3, 6:0-Erfolg.

Mit dem Einzug in den Halbfinal steht fest, dass Hingis und Bacsinszky am Wochenende um die Medaillen spielen werden. Gewinnen sie heute in der Runde der letzten vier gegen die Tschechinnen Hlavácková/Hradecká, dann werden sie am Sonntag im Final um die Goldmedaille kämpfen. Verlieren sie den Halbfinal, dann geht es am Samstag um Bronze.

Fest steht schon jetzt, dass Martina Hingis und Timea Bacsinszky die bescheidenen Erwartungen meilenweit übertroffen haben. «Wer hätte gedacht, dass wir in den Halbfinal kommen?», fragte auch Martina Hingis lächelnd nach der Demonstration gegen die Taiwanesinnen.

«Zwölf Games in Serie zu gewinnen ist ziemlich cool», freute sich die 35-Jährige, die je länger das olympische Doppelturnier dauert, umso besser mit ihrer ungewohnten Partnerin Bacsinszky harmoniert: «Wir vertrauen uns von Spiel zu Spiel mehr.»

In der Tat zeigten die Schweizerinnen in diesem Viertelfinal eine sehr reife Leistung. Sie liessen sich durch den harzigen Start nicht aus dem Konzept bringen. Ebenso wenig von den taktischen Mätzchen ihrer Gegnerinnen, welche sich nach dem ersten Satz für ihre WC-Pause extrem viel Zeit liessen.

«Die Wege auf dem Gelände sind halt weit», winkte Hingis lachend ab. «Und schliesslich sind wir beide keine Juniorinnen mehr, die mit solchen Situationen nicht umgehen können.» Geholfen haben den Beiden indirekt auch die Ruderer mit ihrer Goldmedaille. «Wir haben das kurz vor unserem Spiel noch mitbekommen. Das gab uns zusätzliche Power!», freute sich Hingis.

Timea Bacsinszky, die sich nach ihrem schwierigen Start ins Olympiaturnier immer wie wohler zu fühlen scheint, hob die taktische Stärke des Duos hervor. «Wir können uns beide sehr gut auf unsere Gegnerinnen einstellen. Von uns hingegen gibt es kaum Videomaterial, da wir vor Rio noch gar nie an Turnieren zusammen Doppel gespielt haben», sagte die Lausannerin, die zunehmend entspannter wirkt und weniger Nerven zeigt auf dem Platz. Sie sagt, die Mischung mache es aus: «Wir geniessen dieses Turnier, sind aber trotzdem sehr ambitiös.»


Das interne Pin-Duell


Wie viel Spass die beiden Schweizerinnen haben, zeigt sich auch an ihrem internen Pin-Duell. Während Bacsinszky von Anfang an im olympischen Dorf auf die Jagd nach den begehrten Anstecknadeln aus aller Welt ging, wurde Hingis erst später durch das Sammelfieber angesteckt.

«Ich führe mit 88:60 Pins», erklärte die Westschweizerin stolz. Durch den Einzug in den Halbfinal haben beide nicht nur die Gelegenheit, ihre Sammlungen auszubauen. Sie haben sich nun auch eine prominentere Bühne verdient. Die anonymen Aussenplätze ohne TV-Bilder sollten sie spätestens jetzt hinter sich gelassen haben.

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